Typ-2-Diabetes: Therapie, SGLT-2 und CGM-Indikation
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie NG28 befasst sich mit dem Management des Typ-2-Diabetes bei Erwachsenen. Sie legt einen starken Fokus auf eine individualisierte Betreuung, die persönliche Präferenzen, Komorbiditäten und das Risiko einer Polypharmazie berücksichtigt.
Ein zentraler Aspekt der aktualisierten Leitlinie ist die ganzheitliche Betrachtung der kardiovaskulären und renalen Risiken. Die medikamentöse Therapie zielt nicht mehr nur auf die reine Blutzuckersenkung ab, sondern auch auf die Prävention von Endorganschäden.
Zudem wird die Bedeutung von strukturierten Schulungsprogrammen und Ernährungsberatung hervorgehoben. Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer gemeinsamen Entscheidungsfindung bei der Auswahl der Therapieoptionen.
Empfehlungen
Die NICE-Leitlinie NG28 formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management des Typ-2-Diabetes:
Diagnostik und Monitoring
Es wird empfohlen, den HbA1c-Wert alle 3 bis 6 Monate zu messen, bis dieser unter einer gleichbleibenden Therapie stabil ist. Danach ist laut Leitlinie eine halbjährliche Kontrolle ausreichend.
Ein kontinuierliches Glukosemonitoring (isCGM) wird für Erwachsene mit insulinbehandeltem Typ-2-Diabetes empfohlen, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Dazu gehören rezidivierende oder schwere Hypoglykämien, eine eingeschränkte Hypoglykämiewahrnehmung oder die Notwendigkeit von fremder Hilfe bei der Blutzuckermessung.
Die Leitlinie rät von einer routinemäßigen kapillären Blutzuckerselbstmessung ab, es sei denn, die Person wird mit Insulin behandelt oder nimmt Medikamente ein, die das Hypoglykämierisiko beim Autofahren oder Bedienen von Maschinen erhöhen.
HbA1c-Zielwerte
Die Leitlinie empfiehlt, die HbA1c-Zielwerte individuell mit der betroffenen Person zu vereinbaren. Folgende Richtwerte werden genannt:
| Patientengruppe / Therapie | HbA1c-Zielwert |
|---|---|
| Lebensstiländerung oder Medikamente ohne Hypoglykämierisiko | 48 mmol/mol (6,5 %) |
| Medikamente mit Hypoglykämierisiko | 53 mmol/mol (7,0 %) |
| Bei unzureichender Kontrolle (Anstieg auf ≥ 58 mmol/mol) | Ziel 53 mmol/mol (7,0 %) anstreben |
Es wird empfohlen, die Zielwerte bei älteren oder gebrechlichen Personen sowie bei Personen mit reduzierter Lebenserwartung oder hohem Hypoglykämierisiko individuell zu lockern.
Medikamentöse Erstlinientherapie
Die Wahl der Erstlinientherapie richtet sich laut Leitlinie stark nach den vorliegenden Komorbiditäten. Retardiertes Metformin wird gegenüber unretardiertem Metformin bevorzugt.
| Komorbidität | Empfohlene Erstlinientherapie | Alternative bei Metformin-Kontraindikation |
|---|---|---|
| Keine relevanten Komorbiditäten | Metformin (retardiert) + SGLT-2-Inhibitor | SGLT-2-Inhibitor (Monotherapie) |
| Herzinsuffizienz | Metformin (retardiert) + SGLT-2-Inhibitor | SGLT-2-Inhibitor (Monotherapie) |
| Atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung | Metformin (retardiert) + SGLT-2-Inhibitor + subkutanes Semaglutid | SGLT-2-Inhibitor + subkutanes Semaglutid |
| Chronische Nierenerkrankung (eGFR > 30) | Metformin (retardiert) + SGLT-2-Inhibitor | SGLT-2-Inhibitor (Monotherapie) |
| Gebrechlichkeit (Frailty) | Metformin (retardiert) | SGLT-2-Inhibitor oder DPP-4-Inhibitor (je nach Risiko) |
Therapieeskalation und Insulin
Wenn die individuellen glykämischen Ziele nicht erreicht werden, wird die schrittweise Hinzunahme weiterer Medikamente empfohlen. Je nach Komorbidität kommen DPP-4-Inhibitoren, Sulfonylharnstoffe, Pioglitazon oder Insulin in Frage.
Bei Beginn einer Insulintherapie wird als initiale Option ein ein- oder zweimal täglich verabreichtes Basalinsulin empfohlen. Bei sehr hohen HbA1c-Werten (ab 75 mmol/mol) kann eine Kombination mit kurz wirksamem Insulin erwogen werden.
Komplikationen und Begleiterkrankungen
Die Leitlinie empfiehlt, bei der jährlichen Untersuchung auf das erhöhte Risiko für Parodontitis hinzuweisen und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen anzuraten.
Zudem wird eine sofortige Überweisung zum Augen-Screening bei Diagnosestellung empfohlen. Bei plötzlichem Sehverlust oder Netzhautablösung ist eine notfallmäßige augenärztliche Vorstellung indiziert.
Dosierung
Die Leitlinie nennt spezifische Dosierungsprinzipien und Maximaldosen für bestimmte Medikamente im Rahmen der Erstlinientherapie:
| Medikament | Dosierung / Anwendung | Indikation |
|---|---|---|
| Subkutanes Semaglutid (Ozempic) | Bis zu 1 mg einmal wöchentlich | Typ-2-Diabetes mit atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung |
| SGLT-2-Inhibitoren | Start sobald Metformin die maximal tolerierte Dosis erreicht hat | Erstlinientherapie bei diversen Komorbiditäten |
| GLP-1-Rezeptor-Agonisten | Start sobald SGLT-2-Inhibitor die maximal tolerierte Dosis erreicht hat | Therapieeskalation |
Es wird empfohlen, Medikamente schrittweise einzuführen und dabei stets die Verträglichkeit und Wirksamkeit zu überprüfen.
Kontraindikationen
Die Leitlinie weist auf folgende Kontraindikationen und Warnhinweise hin:
-
Pioglitazon: Ist bei Personen mit Herzinsuffizienz kontraindiziert.
-
Metformin: Ist bei einer chronischen Nierenerkrankung mit einer eGFR unter 30 ml/min/1,73 m2 kontraindiziert.
-
GLP-1-Rezeptor-Agonisten und Tirzepatid: Sollen abgesetzt werden, wenn die Person untergewichtig wird (BMI unter 18,5 kg/m2). Zudem wird auf die Notwendigkeit einer sicheren Empfängnisverhütung während der Einnahme und für eine gewisse Zeit nach dem Absetzen hingewiesen.
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SGLT-2-Inhibitoren: Es wird vor einem erhöhten Risiko für eine diabetische Ketoazidose (DKA) gewarnt, insbesondere bei interkurrenten Erkrankungen, Dehydratation oder bei Einhaltung einer sehr kohlenhydratarmen oder ketogenen Diät.
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Kombinationstherapie: Es wird ausdrücklich davon abgeraten, einen GLP-1-Rezeptor-Agonisten oder Tirzepatid zusammen mit einem DPP-4-Inhibitor zu verabreichen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit klarer Verhaltensregeln für Krankheitstage ('Sick Day Rules') im individuellen Behandlungsplan, um bei akuten Erkrankungen das Risiko einer Dehydratation oder Ketoazidose zu minimieren. Es wird besonders darauf hingewiesen, dass SGLT-2-Inhibitoren bei sehr kohlenhydratarmen oder ketogenen Diäten das Risiko für eine diabetische Ketoazidose erhöhen. In solchen Fällen sollte laut Leitlinie eine Pausierung der SGLT-2-Inhibitor-Therapie erwogen werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird ein isCGM für Erwachsene mit insulinbehandeltem Typ-2-Diabetes empfohlen, wenn sie rezidivierende oder schwere Hypoglykämien haben. Auch bei eingeschränkter Hypoglykämiewahrnehmung oder wenn Hilfe bei der Blutzuckermessung benötigt wird, wird der Einsatz empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt als Erstlinientherapie eine Kombination aus retardiertem Metformin und einem SGLT-2-Inhibitor. Falls Metformin kontraindiziert ist, wird eine Monotherapie mit einem SGLT-2-Inhibitor empfohlen.
Es wird laut Leitlinie ausdrücklich davon abgeraten, einen GLP-1-Rezeptor-Agonisten oder Tirzepatid zusammen mit einem DPP-4-Inhibitor zur Behandlung des Typ-2-Diabetes anzubieten. Diese Kombination bietet keinen zusätzlichen klinischen Nutzen.
Es wird empfohlen, den HbA1c-Wert alle 3 bis 6 Monate zu messen, bis er unter einer gleichbleibenden Therapie stabil ist. Danach ist laut Leitlinie eine halbjährliche Kontrolle ausreichend.
Als initiale Insulintherapie wird ein Basalinsulin empfohlen, das ein- oder zweimal täglich verabreicht wird. Bei sehr hohen HbA1c-Werten (ab 75 mmol/mol bzw. 9,0 %) kann eine Kombination mit kurz wirksamem Insulin erwogen werden.
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Quelle: NG28: Type 2 diabetes in adults: management (NICE, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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