Typ-1-Diabetes: AID-Systeme, Insulintherapie und DKA
Hintergrund
Die Diabetes Canada Leitlinie aktualisiert die Empfehlungen zum Blutzuckermanagement bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes. Der Fokus liegt auf der Optimierung der Blutzuckereinstellung unter Berücksichtigung der Lebensqualität und der Vermeidung von Hypoglykämien.
Ein zentrales Element ist der personenzentrierte Ansatz bei der Festlegung von Therapiezielen. Die Leitlinie berücksichtigt zudem technologische Fortschritte wie automatisierte Insulinabgabesysteme (AID) und neue Insulinanaloga.
Schwangerschaften sind von diesen Empfehlungen ausgenommen, da hierfür separate Richtlinien gelten. Zudem werden neue Evidenzen zur Behandlung von diabetischer Ketoazidose (DKA) und Hypoglykämien bei Kindern integriert.
Empfehlungen
Die Diabetes Canada Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management des Typ-1-Diabetes:
Therapieziele
Es wird ein individualisierter, personen- und familienzentrierter Ansatz zur Festlegung der glykämischen Ziele empfohlen.
Für Kinder und Erwachsene wird gleichermaßen ein HbA1c-Zielwert von unter 7,0 % empfohlen, um mikrovaskuläre Komplikationen zu reduzieren (Evidenzgrad A).
Dabei sollen individuelle Faktoren wie der Zugang zu Technologie und die Angst vor Hypoglykämien berücksichtigt werden.
Insulintherapie und Technologie
Automatisierte Insulinabgabesysteme (AID) werden für alle Personen mit Typ-1-Diabetes empfohlen, sofern sie das Gerät tragen und bedienen können (Evidenzgrad A).
Wenn AID nicht möglich ist, sollte laut Leitlinie eine sensorunterstützte Insulinpumpentherapie (IPT) mit prädiktiver Hypoglykämie-Abschaltung oder eine Basis-Bolus-Therapie (BBI) in Kombination mit kontinuierlicher Glukosemessung (CGM) erfolgen.
Für die BBI-Therapie werden langwirkende Basalinsulin-Analoga gegenüber NPH-Insulin bevorzugt, um das Hypoglykämierisiko zu senken (Evidenzgrad B).
Zudem wird der Einsatz von schnell- oder ultraschnellwirkenden Insulinanaloga anstelle von Normalinsulin empfohlen, um postprandiale Blutzuckerspitzen zu reduzieren.
Adjuvante medikamentöse Therapie
Bei Erwachsenen kann laut Leitlinie eine adjuvante Therapie mit Nicht-Insulin-Antidiabetika (Metformin, GLP-1-Rezeptor-Agonisten oder SGLT2-Inhibitoren) erwogen werden.
Dies soll im Rahmen einer gemeinsamen Entscheidungsfindung geschehen, wobei die Risiken gegen den Nutzen abgewogen werden müssen.
Die Sicherheit und Wirksamkeit dieser Begleittherapie sollte nach drei Monaten und danach jährlich überprüft werden.
Diabetische Ketoazidose (DKA)
Bei einer DKA wird eine intravenöse Flüssigkeitsreanimation mit balancierten Kristalloiden oder isotonischer Kochsalzlösung empfohlen (Evidenzgrad A).
Bei Kindern und Jugendlichen mit leichter bis mittelschwerer DKA kann laut Leitlinie ein initialer Flüssigkeitsbolus von 10-20 ml/kg erwogen werden.
Wenn kein intravenöses Insulin verfügbar ist, kann bei leichter bis mittelschwerer DKA auch eine häufige subkutane Insulingabe erfolgen (Evidenzgrad B).
Dosierung
Behandlung der akuten Hypoglykämie bei Kindern und Jugendlichen
| Kategorie | Blutzucker | Symptomatik | Therapie (BBI oder IPT) | Therapie (AID-Systeme) |
|---|---|---|---|---|
| Stufe 1 (Leicht) | 3,0-3,9 mmol/L | Nur autonome Symptome | 0,3 g/kg Kohlenhydrate (KH). <5 Jahre: 5 g; 5-10 Jahre: 10 g; >10 Jahre: 15 g | <5 Jahre: 5 g; 5-10 Jahre: 5 g; >10 Jahre: 5-10 g |
| Stufe 2 (Mittelschwer) | <3,0 mmol/L | Neuroglykopenische Symptome, mentaler Status intakt | Wie Stufe 1 | Wie Stufe 1 |
| Stufe 3 (Schwer) | <3,9 mmol/L | Kognitive Einschränkung | Wenn schluckfähig: 20 g KH oral. Wenn nicht schluckfähig: Glukagon | Wie BBI/IPT |
Schweregrade der Diabetischen Ketoazidose (DKA)
| Schweregrad | pH-Wert | Bikarbonat (mmol/L) | Anionenlücke (mmol/L) | Mentaler Status |
|---|---|---|---|---|
| Leicht | 7,25-7,35 | 15-18 | >10 | Wach |
| Mittelschwer | 7,0-7,24 | 10-15 | >12 | Wach/Schläfrig |
| Schwer | <7,0 | <10 | >12-15 | Stupor/Koma |
Adjuvante Therapien bei Erwachsenen im Vergleich
| Medikamentenklasse | HbA1c-Senkung | Gewichtsreduktion | Insulin-Dosisreduktion | Spezifische Risiken |
|---|---|---|---|---|
| Metformin | Ja | Ja | Ja | Gastrointestinale Nebenwirkungen |
| GLP-1-Rezeptor-Agonisten | Ja | Ja (stark) | Ja | Gastrointestinale Nebenwirkungen, Ketose |
| SGLT2-Inhibitoren | Ja | Ja | Ja | Euglykämische Ketoazidose, Genitalinfektionen |
Kontraindikationen
Die Leitlinie weist auf ein signifikant erhöhtes Risiko für euglykämische Ketoazidosen (DKA bei Blutzucker <13,9 mmol/L) unter der Therapie mit SGLT2-Inhibitoren hin.
Es wird vor der Kombination von SGLT2-Inhibitoren mit kohlenhydratarmen Ernährungsformen gewarnt.
Adjuvante Therapien (mit Ausnahme von Metformin) sollten nicht in der Schwangerschaft oder bei Personen mit Kinderwunsch eingesetzt werden.
GLP-1-Rezeptor-Agonisten sind aufgrund der verzögerten Magenentleerung möglicherweise nicht für Personen mit bekannter Gastroparese geeignet.
💡Praxis-Tipp
Bei der Verordnung von SGLT2-Inhibitoren als Off-Label-Zusatztherapie bei Typ-1-Diabetes wird auf das Risiko einer euglykämischen diabetischen Ketoazidose hingewiesen. Die Leitlinie empfiehlt eine engmaschige Ketonmessung (Blutketone), insbesondere bei Krankheitstagen oder Pumpenausfällen, da eine Ketoazidose auch bei normwertigen Blutzuckerspiegeln auftreten kann.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt für Kinder und Jugendliche einen HbA1c-Zielwert von unter 7,0 %. Dieser Wert entspricht dem Zielwert für Erwachsene und soll das Risiko für mikrovaskuläre Komplikationen senken.
Laut Leitlinie werden automatisierte Insulinabgabesysteme (AID) für alle Personen mit Typ-1-Diabetes bevorzugt. Falls dies nicht möglich ist, wird eine sensorunterstützte Pumpentherapie oder eine Basis-Bolus-Therapie mit kontinuierlicher Glukosemessung (CGM) empfohlen.
Bei Erwachsenen kann der Off-Label-Einsatz von SGLT2-Inhibitoren als adjuvante Therapie erwogen werden, um den HbA1c-Wert und das Gewicht zu senken. Es wird jedoch ausdrücklich vor dem erhöhten Risiko einer euglykämischen Ketoazidose gewarnt.
Bei wachen Kindern unter Basis-Bolus- oder Standard-Pumpentherapie wird die Gabe von 0,3 g/kg schnell resorbierbaren Kohlenhydraten empfohlen. Bei Kindern, die ein AID-System nutzen, fallen die benötigten Kohlenhydratmengen laut Leitlinie geringer aus.
Ja, bei einer leichten bis mittelschweren DKA kann laut Leitlinie eine häufige subkutane Insulingabe als Alternative zur intravenösen Therapie eingesetzt werden. Dies kann helfen, Aufnahmen auf die Intensivstation zu vermeiden.
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Quelle: Diabetes Canada Chapter 41: Cannabis and Diabetes (Diabetes Canada, 2018). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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