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Tuberkuloseprävention: Diagnostik bei Zugewanderten

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AWMF|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die AWMF S3-Leitlinie "Tuberkuloseprävention bei neu zugewanderten Menschen (TB-Risk)" adressiert die Früherkennung und Prävention von Tuberkulose (TB) und der Tuberkuloseinfektion (TBI). In Deutschland ist die TB-Inzidenz insgesamt niedrig, jedoch betreffen etwa drei Viertel der Neuerkrankungen im Ausland geborene Personen.

Das Risiko für eine Infektion oder eine Progression zur aktiven Erkrankung ist insbesondere in den ersten Jahren nach der Einreise erhöht. Dies hängt stark von der TB-Inzidenz im Herkunftsland sowie den individuellen Migrationsbedingungen ab.

Ein strukturiertes Screening ermöglicht es, Infektionsketten zu unterbrechen und durch präventive Therapien den Ausbruch einer aktiven Tuberkulose zu verhindern. Die Leitlinie zielt darauf ab, diese Maßnahmen evidenzbasiert, zielgruppengerecht und diskriminierungsfrei in die medizinische Versorgung zu integrieren.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Früherkennung und Prävention:

Screening auf Tuberkuloseinfektion (TBI)

Es wird ein TBI-Screening für bestimmte Personengruppen empfohlen, die in den letzten zwei Jahren aus einem Land mit einer TB-Inzidenz von über 100 Fällen pro 100.000 Einwohner eingereist sind. Die Empfehlungsstärke richtet sich dabei nach dem Alter der Personen.

Folgende Abstufungen werden für das TBI-Screening vorgegeben:

  • Bei Personen im Alter von 15 bis 35 Jahren sowie bei Kindern unter 15 Jahren soll ein Screening angeboten werden (starke Empfehlung).

  • Bei Personen zwischen 35 und 45 Jahren sollte ein Screening erfolgen (schwache Empfehlung).

  • Bei Personen über 45 Jahren kann ein Screening ab einer Inzidenz von über 150 Fällen pro 100.000 Einwohner nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung erwogen werden.

  • Geflüchteten Kindern unter 5 Jahren soll unabhängig von der Inzidenz im Herkunftsland immer ein TBI-Screening angeboten werden.

Für die Durchführung des TBI-Screenings wird primär ein Interferon-Gamma Release Assay (IGRA) empfohlen. Alternativ kann ein Tuberkulin-Hauttest eingesetzt werden.

Screening auf aktive Tuberkulose

Ein Screening auf aktive Tuberkulose sollte Personen ab 15 Jahren aus Ländern mit einer Inzidenz von über 100 Fällen pro 100.000 Einwohner angeboten werden. Voraussetzung ist, dass der Aufenthalt voraussichtlich länger als drei Monate dauert.

Ein solches Screening soll zwingend angeboten werden, wenn zusätzliche Risikofaktoren vorliegen. Dazu zählen unter anderem ein Kontakt zu infektiösen Personen, komplexe Fluchtrouten, eine HIV-Infektion oder eine immunsuppressive Therapie.

Die Untersuchung auf aktive Tuberkulose sollte durch eine Kombination aus Symptom-Screening und Thoraxröntgen erfolgen. Vor jedem Screening wird eine ausführliche Anamnese zu Risikofaktoren und früheren TB-Erkrankungen empfohlen.

Diagnostik bei Auffälligkeiten

Ergeben sich im Symptom-Screening oder im Thoraxröntgen Hinweise auf eine Tuberkulose, soll eine leitliniengerechte Abklärung erfolgen. Dies schließt zwingend eine mikrobiologische Untersuchung ein.

Bei Hinweisen auf eine extrapulmonale Tuberkulose wird eine organbezogene Erweiterung der Diagnostik empfohlen. Ein Beispiel hierfür ist eine einseitige Lymphknotenschwellung.

Präventive Therapie der TBI

Wird eine TBI nachgewiesen, soll eine präventive Therapie zur Verhinderung einer aktiven Tuberkulose durchgeführt werden. Es werden hierbei Rifamycin-basierte Kurzzeitregime bevorzugt.

Bei Herkunft aus Ländern mit einer hohen Rate an multiresistenten Erregern (MDR/RR-TB über 10 Prozent) wird ein besonderes Vorgehen angeraten. Hier wird eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung in Rücksprache mit einem spezialisierten Zentrum empfohlen.

Implementierung und Rahmenbedingungen

Das Screening auf TBI und Tuberkulose soll freiwillig, kostenfrei und unabhängig vom Aufenthaltsstatus angeboten werden. Das Ergebnis darf sich nicht auf den Aufenthaltsstatus auswirken.

Zudem wird empfohlen, Sprachbarrieren durch den Einsatz von Sprachmittlern abzubauen. Die Betroffenen sollen kultursensibel und wertschätzend aufgeklärt werden.

Dosierung

Die Leitlinie empfiehlt folgende Dosierungsschemata für die präventive Therapie der Tuberkuloseinfektion (TBI):

WirkstoffTherapiedauerDosierung (tägliche Einnahme)Indikation / Anmerkung
Rifampicin (RMP)4 Monate10 mg/kg KG (max. 600 mg/Tag)Bevorzugte Standardtherapie (starke Empfehlung)
Isoniazid (INH) + Rifampicin (RMP)3 MonateINH: 5 mg/kg KG (max. 300 mg/Tag) + RMP: 10 mg/kg KG (max. 600 mg/Tag)Bevorzugte Standardtherapie (starke Empfehlung)
Isoniazid (INH)6 bis 9 Monate5 mg/kg KG (max. 300 mg/Tag)Alternative bei Kontraindikationen oder Unverträglichkeit gegen RMP
Levofloxacin6 MonateDosierung nach FachinformationBei Kontakt zu INH- und RMP-resistenten, aber Fluorchinolon-sensiblen Stämmen

Kontraindikationen

Es wird auf ein erhöhtes Risiko für eine toxisch bedingte Hepatitis unter einer Isoniazid-Therapie bei Personen über 45 Jahren hingewiesen.

Zudem warnt die Leitlinie vor dem großen pharmakologischen Interaktionspotenzial der Rifamycine. Insbesondere bei Personen mit HIV-Infektion muss die Kompatibilität mit der antiretroviralen Therapie genau überprüft werden.

Eine Rifamycin-haltige präventive Therapie kann darüber hinaus zur Unwirksamkeit von hormonellen Kontrazeptiva führen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Bei der Verordnung einer präventiven Tuberkulosetherapie mit Rifamycinen wird empfohlen, weibliche Personen auf die mögliche Unwirksamkeit hormoneller Kontrazeptiva hinzuweisen und alternative Verhütungsmethoden zu besprechen.

Häufig gestellte Fragen

Ein Screening wird primär für Personen unter 35 Jahren empfohlen, die aus Ländern mit einer TB-Inzidenz von über 100 Fällen pro 100.000 Einwohner stammen. Bei Geflüchteten unter 5 Jahren soll das Screening unabhängig von der Inzidenz im Herkunftsland erfolgen.

Die Leitlinie empfiehlt primär die Durchführung eines Interferon-Gamma Release Assays (IGRA). Alternativ kann ein Tuberkulin-Hauttest verwendet werden.

Die bevorzugten Standardtherapien dauern drei bis vier Monate. Dies umfasst entweder eine viermonatige Monotherapie mit Rifampicin oder eine dreimonatige Kombination aus Isoniazid und Rifampicin.

Nein, das Screening soll freiwillig und unabhängig vom Aufenthaltsstatus angeboten werden. Die Ergebnisse dürfen sich laut Leitlinie nicht auf den Aufenthaltsstatus der betroffenen Personen auswirken.

Das Screening auf eine aktive Erkrankung sollte durch eine Kombination aus Symptom-Screening und Thoraxröntgen erfolgen. Vorab wird eine ausführliche Anamnese zu Risikofaktoren empfohlen.

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Quelle: S3-Leitlinie Tuberkuloseprävention bei neu zugewanderten Menschen (TB-Risk) (S3) (AWMF). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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