Tuberkulose (TBC): Diagnostik, Therapie und Resistenzen
Hintergrund
Tuberkulose ist in Deutschland eine seltene, aber wichtige Differenzialdiagnose. Weltweit gehört sie mit circa 10 Millionen Neuerkrankungen pro Jahr zu den häufigsten Infektionskrankheiten.
Die AWMF-Leitlinie bietet umfassende Empfehlungen zur Diagnostik, Therapie und Prävention der Tuberkulose im Erwachsenenalter. Sie berücksichtigt dabei auch die zunehmenden Herausforderungen durch Medikamentenresistenzen.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Unterscheidung zwischen medikamentensensibler und resistenter Tuberkulose sowie der Behandlung von Koinfektionen wie HIV. Auch die Diagnostik und präventive Therapie der latenten tuberkulösen Infektion (LTBI) wird detailliert behandelt.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt eindringlich davor, bei einer Isoniazid-Monoresistenz oder Unverträglichkeit lediglich eine Dreifachtherapie in der Initialphase durchzuführen. Eine unerkannte Resistenz kann bei einer solchen Kombination rasch zur Selektion Rifampicin-resistenter Mutationen führen. Es wird daher empfohlen, bei Unverträglichkeiten analog zu einer Monoresistenz zu verfahren und die Therapie entsprechend den Leitlinienvorgaben anzupassen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt für die medikamentensensible Tuberkulose eine Gesamttherapiedauer von sechs Monaten. Diese besteht aus zwei Monaten Vierfachtherapie und vier Monaten Zweifachtherapie.
Es wird empfohlen, vor Therapiebeginn und anschließend alle vier Wochen eine augenärztliche Kontrolle durchzuführen. Laut Leitlinie dient dies der Früherkennung einer retrobulbären Neuritis, die sich oft als Rot-Grün-Schwäche äußert.
Die Leitlinie empfiehlt, die antiretrovirale Therapie (ART) möglichst zeitnah nach Beginn der Tuberkulosetherapie zu starten. Es wird zudem auf erhebliche Wechselwirkungen, insbesondere zwischen Rifampicin und Protease-Inhibitoren, hingewiesen.
Bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 15 Jahren wird gemäß Leitlinie bevorzugt ein Interferon-Gamma Release Assay (IGRA) eingesetzt. Zwingende Voraussetzung für die Diagnose ist der vorherige Ausschluss einer aktiven Tuberkulose.
Eine stationäre Behandlung wird unter anderem bei Hämoptysen, respiratorischer Insuffizienz oder dem Verdacht auf multiresistente Erreger empfohlen. Auch aus Gründen des Infektionsschutzes kann laut Leitlinie eine initiale Isolierung im Krankenhaus erforderlich sein.
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Quelle: Tuberkulose im Erwachsenenalter (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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