WHO2024

Tuberkulose-Prävention: Indikation, Screening, Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die WHO-Leitlinie (2024) zur präventiven Tuberkulosebehandlung (TPT) aktualisiert die Empfehlungen von 2020. Sie zielt darauf ab, die Progression einer Tuberkuloseinfektion (TBI) zur aktiven Erkrankung bei Risikogruppen zu verhindern.

Weltweit ist etwa ein Viertel der Bevölkerung mit Mycobacterium tuberculosis infiziert. Das Lebenszeitrisiko für eine Reaktivierung liegt bei fünf bis zehn Prozent, ist aber bei Immunsuppression oder im Kindesalter deutlich erhöht.

Die aktualisierte Fassung integriert neue Evidenz zur Prävention bei Kontaktpersonen von multiresistenter Tuberkulose (MDR/RR-TB). Zudem wurden die Algorithmen zum Ausschluss einer aktiven Tuberkulose sowie zur Testung auf eine TBI angepasst.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die präventive Tuberkulosebehandlung:

Indikationsstellung und Risikogruppen

Laut Leitlinie wird eine TPT für Erwachsene, Jugendliche und Kinder mit HIV empfohlen, sofern eine aktive Tuberkulose ausgeschlossen wurde (starke Empfehlung). Dies gilt unabhängig vom Immunstatus oder einer antiretroviralen Therapie (ART).

Zudem wird die TPT für HIV-negative Haushaltskontakte von Personen mit bakteriologisch bestätigter Lungentuberkulose empfohlen. Für Kinder unter fünf Jahren gilt hierbei eine starke Empfehlung, für ältere Kinder und Erwachsene eine bedingte Empfehlung.

Weitere Risikogruppen, für die eine systematische Testung und Behandlung empfohlen wird, umfassen:

  • Personen vor Beginn einer Anti-TNF-Therapie

  • Dialysepatienten

  • Patienten vor einer Organ- oder Stammzelltransplantation

  • Patienten mit Silikose

Ausschluss einer aktiven Tuberkulose (Screening)

Vor Beginn einer TPT muss eine aktive Tuberkulose zwingend ausgeschlossen werden. Bei Menschen mit HIV wird ein klinischer Algorithmus basierend auf vier Symptomen (aktueller Husten, Fieber, Gewichtsverlust, Nachtschweiß) empfohlen.

Zur Erhöhung der Sensitivität und Spezifität können bei Menschen mit HIV zusätzlich folgende Methoden eingesetzt werden:

  • Röntgenthorax (CXR)

  • C-reaktives Protein (CRP) mit einem Cut-off von > 5 mg/l

  • Molekulare WHO-empfohlene Schnelltests (mWRD)

Bei HIV-negativen Haushaltskontakten ab fünf Jahren kann die Abwesenheit von TB-Symptomen und ein unauffälliger Röntgenthorax genutzt werden, um eine aktive Erkrankung auszuschließen.

Diagnostik der Tuberkuloseinfektion (TBI)

Die Leitlinie empfiehlt zur Feststellung einer TBI entweder einen Tuberkulin-Hauttest (TST) oder einen Interferon-Gamma-Release-Assay (IGRA) (starke Empfehlung).

Alternativ können neuere Mycobacterium tuberculosis-antigenbasierte Hauttests (TBST) verwendet werden (bedingte Empfehlung). Ein fehlender TBI-Test darf jedoch kein Hindernis für den Beginn einer TPT bei Menschen mit HIV oder bei Haushaltskontakten unter fünf Jahren sein.

Therapieoptionen

Für die Prävention einer medikamentensensiblen Tuberkulose empfiehlt die Leitlinie unabhängig vom HIV-Status bevorzugt Rifamycin-basierte Kurztherapien oder Isoniazid-Monotherapien.

Bei Kontaktpersonen von Patienten mit multiresistenter oder Rifampicin-resistenter Tuberkulose (MDR/RR-TB) wird eine sechsmonatige tägliche Gabe von Levofloxacin empfohlen (starke Empfehlung).

Dosierung

Die Leitlinie definiert folgende Therapieschemata für die präventive Behandlung:

TherapieschemaMedikamenteDauerIndikation / Besonderheiten
6H oder 9HIsoniazid (täglich)6 oder 9 MonateUnabhängig vom HIV-Status (starke Empfehlung)
3HPRifapentin + Isoniazid (wöchentlich)3 MonateUnabhängig vom HIV-Status (starke Empfehlung)
3HRIsoniazid + Rifampicin (täglich)3 MonateUnabhängig vom HIV-Status (starke Empfehlung)
1HPRifapentin + Isoniazid (täglich)1 MonatAlternative Option (bedingte Empfehlung)
4RRifampicin (täglich)4 MonateAlternative Option (bedingte Empfehlung)
6LfxLevofloxacin (täglich)6 MonateKontaktpersonen von MDR/RR-TB (starke Empfehlung)

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt spezifische Warnhinweise und Kontraindikationen für die präventive Therapie:

  • Aktive Hepatitis oder Symptome einer peripheren Neuropathie sprechen gegen Isoniazid-basierte Regime.

  • Bei Rifamycin-basierten Regimen (Rifampicin, Rifapentin) wird vor potenziellen Arzneimittelinteraktionen gewarnt, insbesondere bei gleichzeitiger Gabe von Proteaseinhibitoren oder Nevirapin im Rahmen einer ART.

  • Levofloxacin ist bei bekannter Fluorchinolon-Allergie oder bei potenziellen schweren Arzneimittelinteraktionen kontraindiziert.

  • Ein gleichzeitiger Alkoholkonsum sollte während jeglicher TPT vermieden werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist, dass eine fehlende Testmöglichkeit auf eine Tuberkuloseinfektion (mittels IGRA oder Hauttest) den Beginn einer präventiven Therapie nicht verzögern darf. Dies gilt insbesondere für Menschen mit HIV und für Haushaltskontakte unter fünf Jahren. Es wird betont, dass in diesen Hochrisikogruppen der klinische Ausschluss einer aktiven Tuberkulose ausreicht, um die Indikation zur Prävention zu stellen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird für Kontaktpersonen von Patienten mit multiresistenter Tuberkulose (MDR/RR-TB) eine sechsmonatige tägliche Gabe von Levofloxacin empfohlen. Diese starke Empfehlung gilt für Erwachsene, Jugendliche und Kinder.

Bei Menschen mit HIV empfiehlt die Leitlinie ein Screening auf vier Symptome: Husten, Fieber, Gewichtsverlust und Nachtschweiß. Zur Erhöhung der Genauigkeit können zusätzlich ein Röntgenthorax, der CRP-Wert oder molekulare Schnelltests herangezogen werden.

Die Leitlinie stellt klar, dass eine Schwangerschaft kein Ausschlusskriterium für eine präventive Therapie mit Isoniazid oder Rifampicin ist. Bei Levofloxacin wird eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung empfohlen, da die Datenlage zur Sicherheit in der Schwangerschaft begrenzt ist.

Es wird darauf hingewiesen, dass Rifamycine die Cytochrom-P450-Enzyme induzieren und den Abbau vieler Medikamente beschleunigen. Besondere Vorsicht wird bei bestimmten antiretroviralen Medikamenten (wie Proteaseinhibitoren), oralen Kontrazeptiva und Methadon empfohlen.

Ein IGRA oder Tuberkulin-Hauttest ist laut Leitlinie wünschenswert, um Personen mit dem höchsten Risiko zu identifizieren. Bei Menschen mit HIV oder Haushaltskontakten unter fünf Jahren ist ein solcher Test jedoch keine zwingende Voraussetzung für den Therapiebeginn.

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Quelle: WHO consolidated guidelines on tuberculosis Module 1: prevention - tuberculosis preventive treatment, second edition (WHO, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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