Trastuzumab-Deruxtecan: Therapie bei Mammakarzinom
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A22-80 bewertet den Zusatznutzen von Trastuzumab-Deruxtecan bei erwachsenen Personen mit inoperablem oder metastasiertem HER2-positivem Mammakarzinom. Die Bewertung bezieht sich auf Betroffene, die bereits mindestens eine gegen HER2 gerichtete Vorbehandlung erhalten haben.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) Trastuzumab Emtansin festgelegt. Die Datengrundlage der Bewertung bildet die offene, randomisierte Phase-3-Studie DESTINY-Breast03.
Das IQWiG weist auf Unsicherheiten bezüglich der Übertragbarkeit der Studienergebnisse auf den deutschen Versorgungsalltag hin. Dies liegt unter anderem an einer umfangreicheren Vorbehandlung der Studienpopulation im Vergleich zu den aktuellen Leitlinienempfehlungen.
Empfehlungen
Die Nutzenbewertung des IQWiG kommt zu differenzierten Ergebnissen bezüglich des Zusatznutzens, der stark vom Alter der behandelten Personen abhängt.
Gesamtüberleben und Gesamtaussage
Für das Gesamtüberleben zeigt sich ein signifikanter Vorteil für Trastuzumab-Deruxtecan, der jedoch einer Effektmodifikation durch das Alter unterliegt.
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Bei Personen unter 65 Jahren ergibt sich ein Anhaltspunkt für einen erheblichen Zusatznutzen beim Gesamtüberleben.
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Bei Personen ab 65 Jahren zeigt sich kein signifikanter Unterschied, weshalb ein Zusatznutzen für diese Gruppe nicht belegt ist.
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In der Gesamtschau wird für Personen unter 65 Jahren ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen abgeleitet.
Morbidität und Lebensqualität
In den Bereichen Symptomatik und gesundheitsbezogene Lebensqualität zeigen sich laut Bericht sowohl positive als auch negative Effekte.
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Vorteile zeigen sich bei Symptomen im Armbereich sowie bei der Rollenfunktion und der kognitiven Funktion (letzteres nur ohne viszerale Erkrankung).
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Nachteile bestehen bei Übelkeit, Erbrechen, Appetitverlust, Diarrhö sowie beim Körperbild.
Nebenwirkungen
Das IQWiG stellt bei den unerwünschten Ereignissen ein gemischtes Bild mit Vor- und Nachteilen fest.
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Ein geringerer Schaden zeigt sich unter anderem bei verminderter Thrombozytenzahl, Nasenbluten und Pyrexie.
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Ein höherer Schaden wird bei Neutropenie, Leukozytenzahlverminderung, gastrointestinalen Erkrankungen und Hauterkrankungen beobachtet.
Dosierung
Die im IQWiG-Bericht zitierte Fachinformation gibt folgende Dosierung für Trastuzumab-Deruxtecan vor:
| Medikament | Dosis | Zyklus | Infusionsdauer |
|---|---|---|---|
| Trastuzumab-Deruxtecan | 5,4 mg/kg Körpergewicht | Alle 3 Wochen (21 Tage) | Initial 90 Min., danach 30 Min. bei guter Verträglichkeit |
Es wird darauf hingewiesen, dass bei schweren infusionsbedingten Reaktionen die Therapie dauerhaft abzusetzen ist. Dosisreduktionen bei Toxizität sind in Stufen (4,4 mg/kg und 3,2 mg/kg) möglich, eine anschließende Dosiserhöhung ist jedoch nicht erlaubt.
Kontraindikationen
Laut Bericht ist das Medikament bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile kontraindiziert.
Es wird vor dem Risiko einer interstitiellen Lungenerkrankung (ILD) beziehungsweise Pneumonitis gewarnt, die tödlich verlaufen kann. Bei symptomatischer ILD (Grad 2 oder höher) ist das Medikament dauerhaft abzusetzen und eine Kortikosteroidtherapie einzuleiten.
Weitere Warnhinweise betreffen das Risiko einer Neutropenie sowie eine mögliche Abnahme der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF). Bei einer LVEF unter 40 % oder einem Abfall von mehr als 20 % vom Ausgangswert ist die Therapie dauerhaft zu beenden.
💡Praxis-Tipp
Der IQWiG-Bericht hebt das Risiko für interstitielle Lungenerkrankungen (ILD) und Pneumonitis unter Trastuzumab-Deruxtecan hervor. Es wird beschrieben, dass bei Auftreten einer symptomatischer ILD ab Grad 2 die Therapie dauerhaft abgesetzt und umgehend mit Kortikosteroiden behandelt werden muss. Eine engmaschige Überwachung auf respiratorische Symptome wird als essenziell erachtet.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bewertung ist ein Zusatznutzen für Personen ab 65 Jahren nicht belegt. Es zeigte sich in dieser Altersgruppe kein statistisch signifikanter Überlebensvorteil gegenüber Trastuzumab Emtansin.
Das Anwendungsgebiet umfasst Personen, die bereits mindestens eine gegen HER2 gerichtete Vorbehandlung erhalten haben. In der bewerteten Zulassungsstudie waren die Teilnehmenden zuvor mit Trastuzumab und einem Taxan behandelt worden.
Die empfohlene Dosis beträgt 5,4 mg/kg Körpergewicht und wird alle drei Wochen als intravenöse Infusion verabreicht. Die erste Infusion dauert 90 Minuten, Folgeinfusionen können bei guter Verträglichkeit auf 30 Minuten verkürzt werden.
Der Bericht verweist auf die Notwendigkeit, die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) vor Therapiebeginn und in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren. Fällt die LVEF unter 40 % oder um mehr als 20 % ab, ist das Medikament dauerhaft abzusetzen.
Nein, die Vorgaben besagen, dass die Dosis nach einer toxizitätsbedingten Reduktion nicht wieder erhöht werden darf. Die Therapie muss dann auf der niedrigeren Dosisstufe fortgeführt werden.
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Quelle: IQWiG A22-80: Trastuzumab-Deruxtecan (Mammakarzinom) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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