Transition Erwachsenenmedizin: Leitlinien-Empfehlung
Hintergrund
Der Übergang (Transition) von der pädiatrischen Versorgung in die Erwachsenenmedizin ist eine kritische Phase für Jugendliche mit chronischen Erkrankungen oder besonderem Betreuungsbedarf. Die NICE-Leitlinie bietet einen strukturierten Rahmen, um diesen Prozess für junge Menschen im Gesundheits- und Sozialwesen zu optimieren.
Ein unzureichend begleiteter Wechsel kann zu Behandlungsabbrüchen, schlechterer Adhärenz und negativen gesundheitlichen Folgen führen. Die Leitlinie betont daher die Notwendigkeit einer frühzeitigen, personenzentrierten und entwicklungsgerechten Planung.
Ziel ist es, junge Menschen aktiv in die Entscheidungsfindung einzubinden und ihre Eigenständigkeit zu fördern. Dabei wird eine enge Zusammenarbeit zwischen Kinder- und Erwachsenenmedizin sowie Hausärzten gefordert.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den Transitionsablauf:
Vorbereitung und Planung
Laut Leitlinie sollte die Transitionsplanung spätestens im 9. Schuljahr (Alter 13 bis 14 Jahre) beginnen. Bei Jugendlichen, die erst kurz vor dem Wechsel in das System eintreten, wird ein sofortiger Planungsbeginn empfohlen.
Es wird empfohlen, den Zeitpunkt des Wechsels nicht an einer starren Altersgrenze festzumachen. Der Transfer sollte in einer Phase relativer Stabilität für den Jugendlichen stattfinden.
Die Leitlinie rät zur Benennung einer festen Bezugsperson. Diese Fachkraft soll den Übergang koordinieren und als Bindeglied zwischen dem Jugendlichen und den verschiedenen Versorgungsbereichen fungieren.
Maßnahmen vor dem Transfer
Es wird empfohlen, dass eine Fachkraft der Erwachsenenmedizin den Jugendlichen noch vor dem eigentlichen Wechsel kennenlernt. Dies kann laut Leitlinie durch gemeinsame Termine oder überlappende Sprechstunden realisiert werden.
Die Leitlinie empfiehlt die Erstellung einer persönlichen Informationsmappe gemeinsam mit dem Jugendlichen. Diese sollte etwa drei Monate vor dem Wechsel vorliegen und folgende Elemente enthalten:
-
Ein Kurzprofil der Person
-
Informationen zur Erkrankung und zum Unterstützungsbedarf
-
Präferenzen zur Einbindung der Eltern
-
Notfallpläne und bisherige Krankenhausaufenthalte
Betreuung nach dem Wechsel
Um Kontinuität zu gewährleisten, wird empfohlen, dass der Jugendliche bei den ersten beiden Terminen in der Erwachsenenmedizin von derselben medizinischen Fachkraft betreut wird.
Erscheint ein Jugendlicher nach dem Wechsel nicht zu Terminen, fordert die Leitlinie eine proaktive Kontaktaufnahme. Bei anhaltend fehlender Anbindung sollte eine Rücküberweisung an die ursprüngliche Bezugsperson erfolgen, um alternative Unterstützungswege zu finden.
Strukturelle Voraussetzungen
Die Leitlinie empfiehlt eine enge, integrierte Zusammenarbeit der Führungskräfte aus Kinder- und Erwachsenenmedizin. Es wird geraten, gemeinsame Transitions- und Informationsaustauschprotokolle zu entwickeln.
Zudem wird eine systematische Lückenanalyse empfohlen. Diese soll Jugendliche identifizieren, die aus der pädiatrischen Versorgung herausfallen, aber die Kriterien für die Erwachsenenmedizin nicht erfüllen.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler in der Praxis ist der abrupte Wechsel in die Erwachsenenmedizin an einem festen Geburtstag. Die Leitlinie betont, dass der Transferzeitpunkt flexibel gewählt werden sollte und in einer Phase gesundheitlicher und sozialer Stabilität stattfinden muss. Zudem wird dringend empfohlen, Hausärzte frühzeitig in die Transitionsplanung einzubinden, insbesondere wenn Jugendliche die Kriterien für spezialisierte Erwachsenenangebote nicht erfüllen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie sollte die Planung für den Übergang in die Erwachsenenmedizin spätestens im Alter von 13 bis 14 Jahren (9. Schuljahr) starten. Bei späterem Eintritt in das Versorgungssystem wird ein sofortiger Beginn der Planung empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt die Benennung einer festen Bezugsperson für jeden Jugendlichen. Diese Fachkraft koordiniert die Termine, unterstützt bei der Navigation durch das Gesundheitssystem und dient als zentrales Bindeglied zwischen allen Beteiligten.
Es wird empfohlen, bei verpassten Terminen proaktiv Kontakt zum Jugendlichen und dessen Familie aufzunehmen. Gelingt keine Anbindung an die Erwachsenenmedizin, rät die Leitlinie zu einer Rücksprache mit der ursprünglichen pädiatrischen Bezugsperson, um alternative Lösungswege zu evaluieren.
Die Leitlinie stuft die Einbindung von Hausärzten als essenziell ein, besonders wenn Jugendliche die Kriterien für fachärztliche Erwachsenenangebote nicht erfüllen. Es wird empfohlen, sicherzustellen, dass jeder Jugendliche hausärztlich angebunden ist und der Hausarzt an den jährlichen Planungsgesprächen teilnimmt.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: NICE Guideline on Transition from Children's to Adults' Services (NICE, 2016). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
NG213: Disabled children and young people up to 25 with severe complex needs: integrated service delivery and organisation across health, social care and education
NICE Guideline on Juvenile Idiopathic Arthritis
NG27: Transition between inpatient hospital settings and community or care home settings for adults with social care needs
Children's experience of healthcare
NICE NG96: Familial hypercholesterolaemia
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen