Syphilis: Stufendiagnostik, Stadien und Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: RKI/STIKO|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der RKI-Ratgeber beschreibt die venerische Syphilis, die durch das Bakterium Treponema pallidum ausgelöst wird. Die Übertragung erfolgt am häufigsten durch direkte sexuelle Kontakte, wobei der Erreger durch Mikroläsionen der Haut oder Schleimhaut in den Organismus eindringt.

Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich 14 bis 24 Tage. Unbehandelt kann die akute Infektion in einen chronischen Prozess übergehen, der in verschiedenen Stadien abläuft und unterschiedliche Organsysteme betreffen kann.

Eine Koinfektion mit HIV kommt häufig vor und kann den Krankheitsverlauf ungünstig beeinflussen. Laut RKI begünstigen syphilitische Ulzera die HIV-Übertragung, zudem ist bei einer Koinfektion das Risiko für die Ausbildung einer Neurosyphilis erhöht.

Klinischer Kontext

Epidemiologie: Die Syphilis (Lues) verzeichnet in den letzten Jahren weltweit und in Deutschland wieder steigende Inzidenzen, insbesondere bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM). Die Infektion wird meist durch ungeschützten sexuellen Kontakt übertragen, wobei auch eine vertikale Transmission (Lues connata) möglich ist. Pathophysiologie: Der Erreger Treponema pallidum ist ein mikroaerophiles Spirochäten-Bakterium, das über kleinste Läsionen der Haut oder Schleimhaut in den Organismus eindringt. Nach lokaler Vermehrung kommt es zur systemischen hämatogenen und lymphogenen Dissemination, was den chronischen, mehrphasigen Verlauf der Erkrankung erklärt. Klinische Bedeutung: Aufgrund der vielfältigen und oft unspezifischen Symptomatik wird die Syphilis auch als Chamäleon der Medizin bezeichnet. Unbehandelt kann die Infektion zu schweren neurologischen, kardiovaskulären und gummatösen Spätkomplikationen führen. Diagnostische Grundlagen: Die Diagnostik beruht primär auf einem zweistufigen serologischen Verfahren aus Suchtest (z. B. TPPA) und Bestätigungstest (z. B. FTA-ABS oder Immunoblot). Bei primärer Syphilis kann der Erreger zudem direkt aus dem Ulcus durum mittels PCR oder Dunkelfeldmikroskopie nachgewiesen werden.

Wissenswertes

Ein positiver Suchtest wie TPPA oder TPHA erfordert zwingend einen spezifischen Bestätigungstest, um falsch-positive Ergebnisse auszuschließen. Häufig wird hierfür ein FTA-ABS-Test oder ein Treponema-spezifischer Immunoblot herangezogen.

Die Standardbehandlung der frühen Syphilis besteht in der intramuskulären Gabe von Benzathin-Benzylpenicillin. Bei Penicillinallergie kommen alternative Antibiotika wie Doxycyclin oder Ceftriaxon zum Einsatz, wobei eine strenge klinische und serologische Verlaufskontrolle erforderlich ist.

Die Jarisch-Herxheimer-Reaktion ist eine akute systemische Entzündungsreaktion, die durch den raschen Zerfall der Treponemen nach Therapiebeginn ausgelöst wird. Zur Prophylaxe oder Abschwächung der Symptome kann kurz vor der Antibiotikagabe ein Glukokortikoid wie Prednisolon verabreicht werden.

Bei Verdacht auf eine Neurosyphilis ist eine Lumbalpunktion zur Liquordiagnostik indiziert. Typische Befunde sind eine lymphozytäre Pleozytose, eine Schrankenstörung sowie der Nachweis intrathekaler Treponema-spezifischer Antikörper über einen positiven ITpA-Index.

Zur Beurteilung der Therapiebedürftigkeit und des Therapieerfolgs wird in der Regel der VDRL- oder RPR-Titer bestimmt. Ein signifikanter Titerabfall im Verlauf spricht für ein Ansprechen der Behandlung, während persistierende oder steigende Titer auf ein Therapieversagen oder eine Reinfektion hindeuten.

Eine Lues latens erfordert eine antibiotische Therapie, um das Fortschreiten in ein symptomatisches Spätstadium zu verhindern. Die Dauer der Penicillinbehandlung richtet sich danach, ob die Infektion vor weniger oder mehr als einem Jahr erworben wurde.

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💡Praxis-Tipp

Der RKI-Ratgeber warnt vor der sogenannten Jarisch-Herxheimer-Reaktion, die durch einen raschen Erregerzerfall unter der Antibiotikatherapie ausgelöst werden kann. Es wird darauf hingewiesen, dass diese toxische systemische Reaktion mit Schüttelfrost und Fieber einhergeht und durch Cortison-Präparate behandelt werden kann. Zudem wird bei HIV-Koinfizierten mit hohen Lipoidantikörpertitern auf die Gefahr falsch negativer VDRL-/RPR-Suchtests durch das Prozonenphänomen aufmerksam gemacht.

Häufig gestellte Fragen

Laut RKI-Ratgeber besteht die Ansteckungsfähigkeit ohne Behandlung durchgängig während der Stadien I und II. Im Stadium III besteht trotz schwerwiegender Symptome keine Infektiosität mehr.

Als Suchtests haben sich der TPHA- und der TPPA-Test bewährt. Alternativ können vergleichbar sensitive Testverfahren wie polyvalente Chemilumineszenz- oder Enzymimmunoassays eingesetzt werden.

Die Leitlinie empfiehlt die quantitative Antikörperbestimmung mit dem VDRL- oder RPR-Test. Ein vierfacher Titerabfall (Reduktion um zwei Verdünnungsstufen) gilt als Hinweis auf eine erfolgreiche Behandlung.

Eine Liquoruntersuchung wird bei neurologischen Auffälligkeiten, klinischen Zeichen einer Lues III oder einem unbekannten Infektionszeitpunkt empfohlen. Auch bei HIV-Koinfizierten mit einer CD4-Zellzahl unter 200/µl wird diese Diagnostik angeraten.

Bei einer primären Syphilis wird die Benachrichtigung der Partner der vergangenen 3 Monate empfohlen. Bei einer sekundären oder früh latenten Syphilis sollte ein Zeitraum von bis zu 12 Monaten berücksichtigt werden.

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Quelle: RKI-Ratgeber: Syphilis (RKI/STIKO). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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