Süßstoffe (NSS): Risiken und Leitlinien-Empfehlung
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie (2023) befasst sich mit der Nutzung von Nicht-Zucker-Süßstoffen (NSS) als Alternative zu freien Zuckern. Angesichts der weltweit steigenden Raten von Adipositas und nichtübertragbaren Krankheiten (NCDs) werden Süßstoffe häufig zur Gewichtskontrolle vermarktet.
Die Leitlinie bewertet die gesundheitlichen Auswirkungen des habituellen Konsums von NSS innerhalb der zulässigen Tagesdosis (ADI). Ziel ist es, evidenzbasierte Empfehlungen für die Prävention einer ungesunden Gewichtszunahme und ernährungsbedingter NCDs zu geben.
Die Empfehlungen gelten für die Allgemeinbevölkerung, einschließlich Kinder und Schwangere. Ausgenommen sind Personen mit bereits bestehendem Diabetes mellitus, da die Krankheitsbewältigung nicht Gegenstand dieser Leitlinie ist.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert eine zentrale Empfehlung zum Umgang mit Nicht-Zucker-Süßstoffen (NSS).
Kernempfehlung
Laut Leitlinie wird empfohlen, NSS nicht als Mittel zur Gewichtskontrolle oder zur Verringerung des Risikos für nichtübertragbare Krankheiten (NCDs) zu verwenden (bedingte Empfehlung).
Anwendungsbereich und Ausnahmen
Die Empfehlung bezieht sich auf alle synthetischen und natürlich vorkommenden oder modifizierten nicht-nutritiven Süßstoffe (z. B. Aspartam, Sucralose, Stevia, Saccharin). Die Leitlinie definiert folgende Ausnahmen, für die die Empfehlung nicht gilt:
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Personen mit bereits bestehendem Diabetes mellitus
-
Zuckeralkohole (Polyole) und kalorienarme Zucker
-
Medikamente sowie Körperpflege- und Hygieneprodukte (z. B. Zahnpasta), die NSS in geringen Mengen enthalten
Evidenz zu gesundheitlichen Auswirkungen
Die Leitlinie stützt sich auf eine systematische Auswertung von Kurzzeit- und Langzeitstudien bei Erwachsenen. Es wird folgender Vergleich der Effekte beschrieben:
| Studienart | Beobachteter Zeitraum | Auswirkungen auf Körpergewicht | Kardiometabolische Risiken |
|---|---|---|---|
| Randomisiert-kontrollierte Studien (RCTs) | Kurzfristig (meist < 3 Monate) | Geringfügige Reduktion (bei Zuckerersatz) | Keine signifikanten Effekte auf Marker |
| Beobachtungsstudien | Langfristig (bis zu 10 Jahre) | Assoziation mit erhöhtem BMI und Adipositas | Erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes und CVDs |
Evidenz bei Schwangeren und Kindern
Für Schwangere weist die Leitlinie auf mögliche unerwünschte Effekte hin. Beobachtungsstudien zeigen eine Assoziation zwischen einem höheren NSS-Konsum und einem erhöhten Risiko für Frühgeburten (niedrige Evidenz).
Bei Kindern liefert die Evidenz keine Belege für einen langfristigen Nutzen von NSS in Bezug auf das Körpergewicht. Die Leitlinie überträgt daher die bei Erwachsenen beobachteten potenziellen Langzeitrisiken auch auf Kinder und Jugendliche.
Alternativen zu freien Zuckern
Die Leitlinie betont, dass NSS keine essenziellen Nahrungsbestandteile sind und keinen Nährwert haben. Zur Reduktion der Aufnahme freier Zucker wird der Konsum von Lebensmitteln mit natürlich vorkommendem Zucker (z. B. Obst) sowie von ungesüßten Nahrungsmitteln und Getränken empfohlen.
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt vor potenziellen langfristigen Risiken bei habituellem Konsum von Nicht-Zucker-Süßstoffen.
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Erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Erwachsenen
-
Erhöhte Gesamtmortalität bei langfristiger Nutzung
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Erhöhtes Risiko für Frühgeburten bei Konsum während der Schwangerschaft
💡Praxis-Tipp
Ein wichtiger Hinweis für die Praxis ist, dass der kurzfristige Gewichtsverlust durch Süßstoffe in Studien primär auf eine reduzierte Kalorienzufuhr zurückzuführen ist und sich nicht in einem langfristigen gesundheitlichen Nutzen niederschlägt. Die Leitlinie rät davon ab, freie Zucker einfach durch Süßstoffe zu ersetzen, da dies die allgemeine Ernährungsqualität nicht verbessert. Stattdessen wird empfohlen, die Gesamtsüße der Ernährung schrittweise zu reduzieren und auf ungesüßte Alternativen umzustellen.
Häufig gestellte Fragen
Nein, die Leitlinie schließt Personen mit bereits bestehendem Diabetes mellitus explizit aus. Die Bewertung der gesundheitlichen Auswirkungen von Süßstoffen zur Krankheitsbewältigung bei Diabetes war nicht Gegenstand der Untersuchung.
Laut Leitlinie fallen Zuckeralkohole (Polyole) und kalorienarme Zucker nicht unter die Definition von Nicht-Zucker-Süßstoffen (NSS). Die Empfehlung, diese nicht zur Gewichtskontrolle zu nutzen, gilt für diese Stoffgruppen somit nicht.
Die Leitlinie verweist auf Beobachtungsstudien, die einen Zusammenhang zwischen einem höheren Süßstoffkonsum in der Schwangerschaft und einem erhöhten Risiko für Frühgeburten zeigen. Daher wird auch bei Schwangeren von der Nutzung zur Gewichtskontrolle abgeraten.
Es wird berichtet, dass Süßstoffe in Kurzzeitstudien zwar zu einer geringfügigen Gewichtsreduktion führen können, wenn sie Zucker ersetzen. Langfristig fehlt jedoch die Evidenz für einen Nutzen zur Gewichtskontrolle, weshalb die Leitlinie von dieser Anwendung abrät.
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Quelle: Use of non-sugar sweeteners: WHO guideline (WHO, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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