Video-assistierte Thorakoskopie (VATS): StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die video-assistierte Thorakoskopie (VATS) hat sich als minimalinvasiver Standard für viele thorakale Eingriffe etabliert. Laut StatPearls-Leitlinie ersetzt sie zunehmend die offene Thorakotomie bei pulmonalen, ösophagealen und kardialen Erkrankungen.
Zu den wesentlichen Vorteilen der VATS zählen reduzierte postoperative Schmerzen, kürzere Krankenhausaufenthalte und eine schnellere Erholung der Atemfunktion. Dies ist besonders für ältere Patienten oder solche mit chronischen Lungenerkrankungen von Bedeutung.
Der Eingriff erfordert in der Regel eine Ein-Lungen-Ventilation und ein spezialisiertes perioperatives Management. Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer sorgfältigen Patientenselektion zur Minimierung von Komplikationen.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernaspekte für die Durchführung einer VATS:
Präoperative Evaluation
Die Leitlinie betont die Notwendigkeit einer umfassenden präoperativen Beurteilung der kardiopulmonalen Reserve. Dies dient der Einschätzung, ob der Patient eine Ein-Lungen-Ventilation toleriert.
Folgende Zielwerte werden für die Lungenfunktion und Belastbarkeit definiert:
| Parameter | Grenzwert / Zielwert | Klinische Bedeutung |
|---|---|---|
| FEV1 | > 60 % | Toleranz für anatomische Lappenresektion wahrscheinlich |
| FEV1 | < 30 % | Risiko für postoperative Beatmungs- oder Sauerstoffpflichtigkeit |
| Postoperatives FEV1 (berechnet) | > 35-40 % | Ausreichende postoperative pulmonale Reserve |
| DLCO | > 40 % | Ausreichende Diffusionskapazität für Operation |
| VO2 max | > 10 mL/min/kg | Geeignete kardiopulmonale Reserve für den Eingriff |
Intraoperatives Management
Für die Durchführung der VATS wird standardmäßig eine Ein-Lungen-Ventilation unter Allgemeinanästhesie in Seitenlage empfohlen. Die Leitlinie beschreibt folgende Kernaspekte zur Beatmung:
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Die Beatmung sollte mit niedrigen Tidalvolumina (5-7 mL/kg) und erhöhtem Atemminutenvolumen erfolgen.
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Der Spitzeninspirationsdruck ist idealerweise unter 35 cm H2O zu halten.
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Bei auftretender Hypoxämie wird eine Erhöhung der FiO2 auf 100 % sowie das Absaugen der abhängigen Lunge empfohlen.
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Als weitere Maßnahme kann ein positiver endexspiratorischer Druck (PEEP) auf die beatmete Lunge appliziert werden.
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Die Anwendung von CPAP auf der operierten Seite sollte vermieden werden, da dies den chirurgischen Zugang erschwert.
Postoperative Betreuung
Ein strukturiertes postoperatives Management ist laut Leitlinie entscheidend für eine schnelle Genesung. Folgende Maßnahmen werden hervorgehoben:
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Schmerztherapie: Ein multimodaler Ansatz aus systemischen Analgetika und regionalen Verfahren (z. B. Epiduralanästhesie) wird empfohlen.
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Atemtherapie: Frühmobilisation und Atemübungen sollen Atelektasen vorbeugen.
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Flüssigkeitsmanagement: Eine restriktive Flüssigkeitstherapie wird angeraten, um das Risiko eines Lungenödems zu minimieren.
Kontraindikationen
Laut Leitlinie gibt es spezifische Kontraindikationen für die Durchführung einer VATS.
Absolute Kontraindikationen
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Unfähigkeit, eine Ein-Lungen-Ventilation zu tolerieren
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Intraluminale Atemwegsmassen, die die Platzierung eines Doppellumentubus verhindern
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Schwere Adhäsionen im Pleuraraum
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Hämodynamische Instabilität
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Zustand nach Talkum-Pleurodese
Relative Kontraindikationen
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Vorangegangene Thorakotomien oder Bestrahlungen bei thorakalen Malignomen
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Schwere Hypoxie, schwere COPD oder schwere pulmonale Hypertonie
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Vorliegen einer Koagulopathie
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie weist darauf hin, dass eine Blutung durch Gefäßverletzungen während der VATS eine sofortige Konversion zur offenen Thorakotomie erfordert. Es wird betont, dass das Operationsteam stets auf diesen Wechsel vorbereitet sein muss und bereits vor Beginn des Eingriffs ein adäquater großlumiger intravenöser Zugang etabliert sein sollte.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie bietet die VATS eine überlegene Schmerzkontrolle, kürzere Krankenhausaufenthalte und eine geringere Komplikationsrate. Zudem wird eine schnellere Erholung der Atemfunktion beschrieben.
Die Leitlinie beschreibt die Verwendung von Doppellumentuben oder Einzellumentuben mit Bronchialblockern als Standardverfahren. Die korrekte Lage des Tubus muss nach der endgültigen Lagerung des Patienten zwingend bronchoskopisch kontrolliert werden.
Ein intrapulmonaler Rechts-links-Shunt durch die kollabierte, nicht beatmete Lunge wird als häufigste Ursache für eine Hypoxämie genannt. Die Inzidenz hierfür wird in der Literatur mit bis zu 5 % angegeben.
Eine Konversion zur offenen Thorakotomie wird bei schweren Gefäßverletzungen mit Blutungen, unzureichender Ein-Lungen-Ventilation oder ausgedehnten Pleuraadhäsionen empfohlen. Auch technische Probleme mit der Videoausrüstung können diesen Schritt erforderlich machen.
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Quelle: StatPearls: Video-Assisted Thoracoscopy (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.