Tuberkulose-Screening (LTBI): Indikation, IGRA und TST
Hintergrund
Tuberkulose, verursacht durch Mycobacterium tuberculosis, verläuft oft als latente Tuberkuloseinfektion (LTBI) ohne klinische Symptome. Laut der StatPearls-Leitlinie haben Personen mit einer LTBI ein lebenslanges Reaktivierungsrisiko von 5 bis 10 Prozent, welches bei Vorliegen einer Immunsuppression deutlich ansteigt.
Das höchste Risiko für einen Übergang in eine aktive Tuberkulose besteht in den ersten zwei bis fünf Jahren nach der Erstinfektion. Das primäre Ziel des Screenings ist es, Hochrisikopatienten zu identifizieren, um diesen eine präventive Therapie anbieten zu können.
Die Leitlinie betont, dass die Entscheidung zur Testung immer die Bereitschaft zur Behandlung eines positiven Ergebnisses voraussetzen sollte. Als primäre Screening-Methoden stehen der Tuberkulin-Hauttest (TST) und Interferon-Gamma-Release-Assays (IGRA) zur Verfügung.
Empfehlungen
Indikation zum Screening
Die Leitlinie empfiehlt ein Screening ausschließlich für Personen mit hohem Infektionsrisiko oder hohem Risiko für eine Krankheitsprogression. Ein Routine-Screening von Personen mit niedrigem Risiko wird nicht empfohlen.
Zu den Hochrisikogruppen für eine Infektion zählen laut Leitlinie:
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Kontaktpersonen von Patienten mit aktiver Tuberkulose
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Bewohner und Angestellte von Gemeinschaftseinrichtungen (z. B. Obdachlosenunterkünfte, Justizvollzugsanstalten)
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Einwanderer aus Endemiegebieten (mehr als 20 Fälle pro 100.000 Einwohner)
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Medizinisches Personal und Mitarbeiter in Mykobakterien-Laboren
Ein hohes Risiko für eine Reaktivierung besteht gemäß Leitlinie bei:
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Immunsuppression (z. B. HIV/AIDS, Organtransplantation, TNF-Inhibitor-Therapie)
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Terminaler Niereninsuffizienz mit Dialysepflicht
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Malignomen oder Silikose
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Radiologischem Nachweis einer abgeheilten Tuberkulose
Testauswahl
Die Leitlinie gibt spezifische Empfehlungen zur Wahl des Testverfahrens in Abhängigkeit von der jeweiligen Patientengruppe.
| Eigenschaft / Indikation | Tuberkulin-Hauttest (TST) | Interferon-Gamma-Release-Assay (IGRA) |
|---|---|---|
| Bevorzugte Altersgruppe | Kinder unter 5 Jahren | Personen ab 5 Jahren |
| Einfluss einer BCG-Impfung | Kreuzreaktivität möglich (falsch-positiv) | Keine Beeinflussung durch BCG-Impfung |
| Logistik | Zwei Termine erforderlich (Ablesen nach 48-72h) | Ein Termin (Blutentnahme), Ergebnisse in 24-48h |
| Spezielle Indikationen | Verdacht auf nachlassende Immunantwort, jährliche Reihentestungen | Mangelnde Compliance für Ablesetermin, vorherige BCG-Impfung |
Ein simultanes oder sequenzielles Testen mit beiden Verfahren wird im Regelfall nicht empfohlen. Eine Ausnahme bildet ein hohes klinisches Risiko bei initial negativem, unbestimmtem oder grenzwertigem Testergebnis.
Diagnostischer Workflow bei positivem Screening
Bei einem positiven Screening-Ergebnis wird laut Leitlinie eine Röntgenaufnahme des Thorax sowie eine klinische Evaluation empfohlen, um eine aktive Tuberkulose auszuschließen.
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Zeigt das Röntgenbild keine Auffälligkeiten, wird die Diagnose einer LTBI gestellt und eine präventive Therapie empfohlen.
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Bei Hinweisen auf eine aktive Tuberkulose müssen drei serielle Sputumkulturen auf säurefeste Stäbchen im Abstand von acht Stunden gewonnen werden.
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Erst wenn alle drei Sputumausstriche negativ sind, kann eine aktive Tuberkulose ausgeschlossen und eine LTBI-Therapie erwogen werden.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, Screening-Tests bei Personen mit niedrigem Risiko durchzuführen, da hier die Wahrscheinlichkeit für falsch-positive Ergebnisse stark ansteigt. Zudem wird explizit darauf hingewiesen, dass weder der TST noch der IGRA dazu geeignet sind, eine aktive Tuberkulose auszuschließen, da beide Tests bei einer floriden Erkrankung falsch-negativ ausfallen können.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist der Tuberkulin-Hauttest (TST) die Methode der Wahl bei Kindern unter 5 Jahren. IGRAs werden für diese Altersgruppe primär nicht empfohlen.
Eine BCG-Impfung kann beim Tuberkulin-Hauttest (TST) zu falsch-positiven Ergebnissen führen. Die Leitlinie empfiehlt in diesen Fällen die Nutzung eines IGRA, da dieser Test nicht durch eine vorherige BCG-Impfung beeinflusst wird.
Es wird empfohlen, umgehend eine Röntgenaufnahme des Thorax und eine klinische Untersuchung durchzuführen. Dies dient dem Ausschluss einer aktiven Tuberkulose, bevor eine präventive Therapie der latenten Infektion eingeleitet wird.
Die Leitlinie rät davon ab, einen TST oder IGRA zu wiederholen, wenn dieser bereits in der Vergangenheit positiv war. Das positive Ergebnis bleibt in der Regel bestehen und Differenzen bei Wiederholungstests sind klinisch schwer zu interpretieren.
Bei radiologischen oder klinischen Hinweisen auf eine aktive Tuberkulose wird die Gewinnung von drei seriellen Sputumkulturen im Abstand von jeweils acht Stunden empfohlen. Eines der Sputa sollte ein frühes Morgensputum sein.
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Quelle: StatPearls: Tuberculosis Screening (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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