Secondary Survey: AMPLE und Head-to-Toe-Untersuchung
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie beschreibt den Secondary Survey als eine schnelle, aber gründliche Head-to-Toe-Untersuchung bei Traumapatienten. Ziel ist es, alle potenziell signifikanten Verletzungen zu identifizieren, die während des Primary Surveys nicht entdeckt wurden.
Diese Phase der Evaluation wird erst durchgeführt, wenn der Primary Survey abgeschlossen ist und lebensbedrohliche Zustände behandelt wurden. Bei Patienten mit Polytrauma können Evaluation und Management jedoch oft parallel stattfinden.
Da es sich bei einem Trauma um einen dynamischen Prozess handelt, wird eine regelmäßige Reevaluation empfohlen. Bei einer klinischen Verschlechterung muss laut Leitlinie sofort wieder mit dem Primary Survey (ABC-Schema) begonnen werden.
Empfehlungen
Voraussetzungen für den Secondary Survey
Laut Leitlinie darf der Secondary Survey erst unter bestimmten Bedingungen begonnen werden:
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Der Primary Survey ist vollständig abgeschlossen.
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Die Resuscitation wurde initiiert und lebensbedrohliche Zustände sind adressiert.
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Eine Normalisierung der Vitalparameter hat begonnen.
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Hämodynamisch instabile Patienten müssen vor einem Transfer in ein Traumazentrum stabilisiert werden.
Anamnese
Es wird empfohlen, den Unfallmechanismus genau zu erheben, da dieser Hinweise auf spezifische Verletzungsmuster liefert. Für eine fokussierte Anamnese schlägt die Leitlinie das AMPLE-Schema vor:
| Buchstabe | Bedeutung (Englisch) | Klinischer Fokus |
|---|---|---|
| A | Allergies | Bekannte Allergien |
| M | Medications | Aktuelle Medikamenteneinnahme |
| P | Previous medical history | Vorerkrankungen und Schwangerschaft |
| L | Last meal | Zeitpunkt der letzten Nahrungsaufnahme |
| E | Events/Environment | Unfallhergang und Umgebungseinflüsse (z.B. Chemikalien) |
Körperliche Untersuchung (Head-to-Toe)
Die Leitlinie fordert eine vollständige Entkleidung zur Untersuchung aller Körperregionen, wobei auf den Wärmeerhalt geachtet werden soll. Folgende Schwerpunkte werden definiert:
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Kopf und Gesicht: Palpation auf Frakturen und Beurteilung von Pupillen sowie Augenbeweglichkeit. Es wird auf Zeichen einer Schädelbasis-Fraktur (z.B. Battle-Zeichen, Liquoraustritt) geachtet.
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Hals: Die Halswirbelsäule wird unter manueller In-line-Immobilisation untersucht. Bei stumpfem Trauma wird bis zum Beweis des Gegenteils von einer HWS-Verletzung ausgegangen.
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Thorax und Abdomen: Palpation auf Krepitationen und Untersuchung auf Gurtmarken. Ein FAST-Ultraschall ist regulärer Bestandteil der Untersuchung.
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Becken und Urogenitaltrakt: Prüfung auf Beckeninstabilität. Eine digital-rektale Untersuchung wird nur bei Verdacht auf urethrale oder penetrierende rektale Verletzungen empfohlen.
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Extremitäten und Haut: Beurteilung von Neurovascular-Status und Kompartment-Zeichen. Der Rücken wird mittels Log-Roll-Manöver untersucht.
Reevaluation und Tertiary Survey
Laut Leitlinie besteht ein hohes Risiko für übersehene Verletzungen, insbesondere bei retroperitonealen oder hohlorganischen Traumata.
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Bei Patienten mit Multisystem-Trauma wird ein Tertiary Survey innerhalb der ersten 24 Stunden empfohlen.
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Der neurologische Status (inklusive Glasgow Coma Scale) muss regelmäßig reevaluiert werden.
Kontraindikationen
Laut Leitlinie gibt es klare Kontraindikationen für die Durchführung des Secondary Surveys sowie für bestimmte Maßnahmen:
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Instabilität: Bei Patienten, die zu instabil sind und nicht im Rahmen des Primary Surveys reanimiert und stabilisiert werden können, wird der Secondary Survey nicht durchgeführt.
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Magensonde: Bei Gesichtstraumata oder Hinweisen auf eine Schädelbasisfraktur ist die Einlage einer nasogastralen Sonde kontraindiziert.
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Blasenkatheter: Bei Blut am Meatus urethrae wird vor der Anlage eines Foley-Katheters zwingend eine retrograde Urethrographie gefordert.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, sich bei älteren Patienten auf normale Vitalparameter zu verlassen, da hämodynamische Veränderungen wie Tachykardie oder Hypotonie verzögert auftreten können. Zudem wird betont, dass das Fehlen einer abdominellen Druckschmerzhaftigkeit eine intraabdominelle Verletzung nicht ausschließt, insbesondere bei Vorliegen von ablenkenden Verletzungen oder einem veränderten Bewusstseinszustand.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie darf der Secondary Survey erst begonnen werden, wenn der Primary Survey abgeschlossen ist. Zudem müssen lebensbedrohliche Zustände identifiziert und behandelt sowie eine Normalisierung der Vitalparameter eingeleitet worden sein.
Die Leitlinie stellt die generelle Notwendigkeit der digital-rektalen Untersuchung in Frage. Sie wird nur noch empfohlen, wenn der Verdacht auf eine Urethraverletzung oder eine penetrierende rektale Verletzung besteht.
Es wird empfohlen, den Zervikalstützkragen unter manueller In-line-Immobilisation durch eine zweite Person kurzzeitig zu entfernen, um den Hals zu untersuchen. Bei stumpfem Trauma wird bis zum klinischen oder radiologischen Ausschluss von einer HWS-Verletzung ausgegangen.
Bei diesem Befund wird eine Verletzung der Harnröhre vermutet. Die Leitlinie fordert in diesem Fall die Durchführung einer retrograden Urethrographie, bevor ein Blasenkatheter gelegt wird.
Da bestimmte Verletzungen (z.B. Zwerchfell- oder Darmrupturen) initial okkult bleiben können, wird bei Patienten mit Multisystem-Trauma ein Tertiary Survey empfohlen. Dieser sollte laut Leitlinie innerhalb der ersten 24 Stunden nach Aufnahme erfolgen.
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Quelle: StatPearls: Trauma Secondary Survey (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
StatPearls: Trauma Assessment
StatPearls: Trauma Primary Survey
StatPearls: Trauma Care Principles
StatPearls: Polytraumatized Patient
StatPearls: Blunt Force Trauma
StatPearls: Waddell Triad
StatPearls: Physiology, Trauma
StatPearls: EMS Chest Injury
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