Therapeutische Keratoplastik: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die therapeutische Keratoplastik (TPK) bezeichnet den Ersatz einer erkrankten Wirtshornhaut durch ein Spendertransplantat. Ziel ist es, einen infektiösen Fokus zu eliminieren und die anatomische Integrität des Auges wiederherzustellen.
Eine tektonische Keratoplastik wird spezifisch zur Behebung anatomischer Defekte wie Hornhautperforationen oder Descemetocele durchgeführt. Die visuelle Rehabilitation ist bei diesen Eingriffen ein sekundäres Ziel.
Da der Eingriff an einem entzündeten und infizierten Auge erfolgt, unterscheiden sich das medizinische Management und die Überlebensrate des Transplantats deutlich von einer konventionellen optischen Keratoplastik.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur therapeutischen Keratoplastik:
Indikationen
Die Leitlinie empfiehlt den Eingriff bei infektiöser Keratitis, die nach einer maximalen medikamentösen Therapie nicht abheilt. Das Zeitfenster für ein Nichtansprechen liegt in der Regel bei 2 Wochen.
Bei spezifischen Erregern oder Komplikationen wird laut Leitlinie eine frühere Intervention empfohlen:
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Bei Pseudomonas-Keratitis nach 7 bis 10 Tagen
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Bei Pythium-Keratitis nach weniger als 7 bis 10 Tagen
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Bei akuten Komplikationen wie Hornhautperforationen, Descemetocelen oder rascher Hornhautschmelze
Präoperative Vorbereitung
Es wird eine gezielte präoperative antimikrobielle Therapie empfohlen, um die mikrobielle Last zu reduzieren. Bei unklarer Ätiologie sollte eine Breitbandtherapie erfolgen.
Die Leitlinie rät in den meisten Fällen von präoperativen topischen Steroiden ab, da diese den Infektionsprozess verschlimmern können.
Zur Dekompression des Glaskörpers wird routinemäßig die präoperative Gabe von 50 bis 100 ml intravenösem Mannitol empfohlen.
Chirurgisches Vorgehen
Laut Leitlinie sollte das Spendergewebe 0,5 bis 1 mm größer als das trepanierte Wirtsbett gewählt werden. Die Fixierung des Transplantats sollte mit Einzelknüpfnähten bei einer Nahttiefe von 90 % erfolgen.
Bezüglich des Linsenmanagements werden folgende Vorgehensweisen empfohlen:
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Die Linse sollte nach Möglichkeit erhalten bleiben, da sie als Barriere gegen die Ausbreitung der Infektion in das hintere Segment dient.
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Eine Linsenentfernung wird bei retroiridalen Exsudaten, Katarakt oder einem Linsenabszess empfohlen.
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Bei pseudophaken Personen mit Endophthalmitis sollte die Intraokularlinse explantiert werden.
Postoperatives Management
Postoperativ wird eine initiale antimikrobielle Therapie in hoher Frequenz (6- bis 8-mal täglich) empfohlen.
Topische Steroide sollten erst nach einer kurzen Ruhephase initiiert werden, wenn das Auge frei von Infektionen ist. Bei negativen Kulturen wird ein Steroidbeginn nach 2 Wochen empfohlen, bei positiven Kulturen sollte 3 bis 4 Wochen gewartet werden.
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende spezifische Dosierungen für die Begleitmedikation im Rahmen der Operation:
| Indikation | Medikament | Dosierung |
|---|---|---|
| Glaskörperdekompression (präoperativ) | Mannitol (intravenös) | 50-100 ml |
| Glaskörperdekompression (Alternative) | Glycerol (oral) | 20-30 ml |
| Intravitreale Injektion (bei unbekanntem Erreger) | Vancomycin | 1 mg in 0,1 ml |
| Intravitreale Injektion (bei unbekanntem Erreger) | Ceftazidim | 2,5 mg in 0,1 ml |
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise für die Begleittherapie und Operationstechnik:
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Intravenöses Mannitol: Kontraindiziert bei Anurie, Nierenerkrankungen, Lungenstauung, schwerer Dehydratation, aktiven intrakraniellen Blutungen, fortschreitender Herzinsuffizienz und Überempfindlichkeit.
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Anästhesie: Depolarisierende Muskelrelaxanzien sollten vermieden werden, da sie den Augeninnendruck bei einem offenen Bulbus erhöhen können.
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Nahttechnik: Durchgreifende Nähte (100 % Tiefe) sind zu vermeiden, da sie einen Leckagekanal bilden und als Nidus für Infektionen dienen können.
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Postoperative Medikation: Miotika und Prostaglandine sollten an einem entzündeten Auge vermieden werden.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist der verzögerte Einsatz von topischen Steroiden nach einer therapeutischen Keratoplastik. Es wird empfohlen, Steroide erst nach einer infektionsfreien Ruhephase von 2 bis 4 Wochen zu initiieren, abhängig von den prä- und postoperativen Kulturergebnissen. Zudem wird geraten, die eigene Linse nach Möglichkeit zu erhalten, da diese als wichtige anatomische Barriere gegen die Ausbreitung der Infektion in das hintere Augensegment dient.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist der Eingriff indiziert, wenn die Infektion nach einer maximalen medikamentösen Therapie von in der Regel zwei Wochen nicht abheilt. Bei aggressiven Erregern wie Pseudomonas kann eine frühere Intervention nach 7 bis 10 Tagen empfohlen werden.
Es wird empfohlen, das Spendergewebe 0,5 bis 1 mm größer als das trepanierte Wirtsbett zu wählen. Dies erleichtert die spannungsfreie Einnähung und berücksichtigt die Gewebeschrumpfung.
Die Leitlinie empfiehlt, die Linse in den meisten Fällen zu erhalten, da sie als Barriere gegen Infektionen des hinteren Segments wirkt. Eine Entfernung wird jedoch bei retroiridalen Exsudaten, Katarakt oder einem Linsenabszess angeraten.
Es wird empfohlen, topische Steroide erst nach einer infektionsfreien Phase zu starten. Bei negativen Kulturen kann dies nach zwei Wochen erfolgen, bei positiven Kulturen sollte drei bis vier Wochen gewartet werden.
Zur Reduktion des Glaskörperdrucks wird routinemäßig die präoperative intravenöse Gabe von 50 bis 100 ml Mannitol empfohlen. Alternativ kann orales Glycerol verabreicht werden.
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Quelle: StatPearls: Therapeutic Keratoplasty (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.