Reverse-Transkriptase-Inhibitoren: StatPearls
Hintergrund
Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (RTIs) sind eine zentrale Wirkstoffklasse in der antiretroviralen Therapie (ART). Die StatPearls-Zusammenfassung beschreibt ihren Einsatz primär bei Infektionen mit HIV-1 sowie bei Hepatitis B.
Die Medikamente werden zudem zur Postexpositionsprophylaxe (PEP), zur Präexpositionsprophylaxe (PrEP) und zur Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung eingesetzt. Bei der PrEP zeigen Studien eine Risikoreduktion von 67 bis 75 Prozent.
Die Klasse unterteilt sich in nukleosidale/nukleotidale Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTIs) und nicht-nukleosidale Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTIs). NRTIs wirken als Prodrugs und führen zum Kettenabbruch der DNA, während NNRTIs direkt an das Enzym binden und dessen räumliche Konfiguration verändern.
Empfehlungen
Die StatPearls-Zusammenfassung formuliert folgende Kernaspekte für den klinischen Einsatz:
Therapiestart und Standardregime
Es wird empfohlen, die Therapie idealerweise am Tag der Diagnosestellung zu beginnen. Der Standard der HIV-Behandlung erfordert eine Kombinationstherapie nach der "2+1"-Methode.
Dabei werden zwei NRTIs mit einem NNRTI, einem Protease-Inhibitor (mit Ritonavir-Booster) oder einem Integrase-Inhibitor kombiniert. Für neue HIV-Infektionen empfiehlt die International Antiretroviral Society (IAS) primär Integrase-Inhibitor-basierte Regime:
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Dolutegravir + Tenofoviralafenamid + Emtricitabin
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Bictegravir + Tenofoviralafenamid + Emtricitabin
Prophylaxe-Regime
Für die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) wird die Kombination aus Tenofovirdisoproxilfumarat und Emtricitabin empfohlen.
Bei der Postexpositionsprophylaxe (PEP) ist eine vierwöchige Therapie vorgesehen. Hierbei wird bevorzugt Dolutegravir in Kombination mit Tenofovirdisoproxilfumarat und Emtricitabin eingesetzt. Alternativ kann Raltegravir anstelle von Dolutegravir verwendet werden.
Zur Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung während Schwangerschaft und Geburt gilt eine Zidovudin-basierte Therapie als Mittel der Wahl.
Monitoring der Therapie
Ein engmaschiges Monitoring von Viruslast und CD4-Zellzahl ist essenziell, um die Therapieadhärenz und Wirksamkeit zu überprüfen. Die Leitlinie gibt folgende Intervalle vor:
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Viruslast: Erste Kontrolle innerhalb von 6 Wochen nach Therapiestart. Bei Werten unter 50 Kopien/mL erfolgt die Kontrolle alle 3 Monate im ersten Jahr, danach alle 6 Monate.
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CD4-Zellzahl: Kontrolle alle 6 Monate, bis die Werte für mindestens ein Jahr über 250/Mikroliter liegen. Danach kann die Messung pausiert werden, sofern kein Therapieversagen oder eine Immunsuppression vorliegt.
Ein Therapieversagen (HAART-Versagen) wird definiert als eine Viruslast von über 200 Kopien/mL in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Messungen. In diesem Fall wird eine erneute Überprüfung des HIV-Genotyps und der Medikamentenresistenzen empfohlen.
Dosierung
Die Quelle listet folgende verfügbare Dosierungen und Darreichungsformen für NRTIs und NNRTIs auf:
| Wirkstoffklasse | Medikament | Darreichungsform und Dosierung |
|---|---|---|
| NRTI | Abacavir | Lösung: 20 mg/1ml; Tablette: 300 mg, 600 mg |
| NRTI | Lamivudin | Lösung: 10 mg/1ml; Tablette: 150 mg, 300 mg |
| NRTI | Stavudin | Lösung: 1 mg/1ml; Tablette: 15 mg, 20 mg, 40 mg |
| NRTI | Didanosin | Lösung: 10 mg/1ml; Tablette: 125 mg, 250 mg, 400 mg |
| NRTI | Zidovudin | Tablette: 100 mg, 300 mg; IV-Lösung: 10 mg/1ml; Sirup: 10 mg/1ml, 50 mg/5ml |
| NRTI | Emtricitabin | Lösung: 10 mg/1ml; Tablette: 200 mg |
| NRTI | Zalcitabin | Tablette: 0,375 mg, 0,75 mg |
| NRTI | Tenofovir | Tablette: 150 mg, 200 mg, 300 mg |
| NNRTI | Nevirapin | Lösung: 50 mg/5ml; Tablette: 50 mg, 200 mg, 400 mg |
| NNRTI | Efavirenz | Lösung: 30 mg/1ml; Tablette: 50 mg, 200 mg, 600 mg |
| NNRTI | Rilpivirin | Tablette: 25 mg |
| NNRTI | Delavirdin | Tablette: 100 mg, 200 mg |
| NNRTI | Etravirin | Tablette: 25 mg, 100 mg, 200 mg |
Kontraindikationen
Eine bekannte Überempfindlichkeit gegen einen Reverse-Transkriptase-Inhibitor stellt eine absolute Kontraindikation dar. Darüber hinaus nennt der Text folgende spezifische Kontraindikationen und Warnhinweise:
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Abacavir: Kontraindiziert bei Vorliegen der Allele HLA-B*5701, HLA-DR7 und HLA-DQ3 aufgrund eines hohen Risikos für lebensbedrohliche Überempfindlichkeitsreaktionen.
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Nevirapin: Kontraindiziert bei erhöhten oder abnormalen Ausgangswerten von ALT oder AST wegen der Gefahr schwerer Hepatotoxizität.
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Didanosin: Darf nicht gleichzeitig mit Allopurinol eingenommen werden, da klinisch signifikante Wechselwirkungen auftreten.
Zusätzlich wird auf substanzspezifische Nebenwirkungen hingewiesen. NRTIs können mitochondriale Toxizität (Myopathie, Lipoatrophie, Neuropathie, Laktatazidose) verursachen. NNRTIs sind mit schweren Hautausschlägen (Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse) sowie ZNS-Veränderungen (Efavirenz) assoziiert.
💡Praxis-Tipp
Ein Therapieversagen wird häufig durch mangelnde Adhärenz verursacht und begünstigt die Entstehung von Resistenzen. Laut StatPearls erhöhen bereits Therapieunterbrechungen von mehr als zwei aufeinanderfolgenden Tagen in den ersten drei Monaten das Resistenzrisiko signifikant. Es wird daher empfohlen, die Wichtigkeit der strikten Medikamenteneinnahme bei jedem Patientenkontakt zu betonen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt, die Therapie idealerweise noch am Tag der Diagnosestellung zu beginnen. Dies soll eine maximale Wirksamkeit gewährleisten und das Fortschreiten der Erkrankung schnellstmöglich verlangsamen.
Zur Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung während der Schwangerschaft und Geburt wird eine Zidovudin-basierte antiretrovirale Therapie empfohlen.
Ein Therapieversagen liegt laut Text vor, wenn die HIV-Viruslast in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Messungen einen Wert von 200 Kopien/mL überschreitet. In diesem Fall wird eine Überprüfung der Resistenzen empfohlen.
Im Gegensatz zu anderen NNRTIs ist Efavirenz für zentralnervöse Veränderungen bekannt. Dazu gehören laut Quelle Stimmungsschwankungen, Schlaflosigkeit und störende Träume.
Patienten mit dem Allel HLA-B*5701 haben ein sehr hohes Risiko für eine lebensbedrohliche Überempfindlichkeitsreaktion auf Abacavir. Bei Nachweis dieses Allels oder der Allele HLA-DR7 und HLA-DQ3 ist das Medikament kontraindiziert.
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Quelle: StatPearls: Reverse Transcriptase Inhibitors (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.