Phenelzin bei Depressionen: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die StatPearls-Zusammenfassung beschreibt Phenelzin als einen potenten, nicht-selektiven Monoaminoxidase-Hemmer (MAO-Hemmer). Es wird primär zur Behandlung von therapieresistenten Depressionen sowie als Anxiolytikum bei Erwachsenen eingesetzt.
Der Wirkstoff hemmt irreversibel die Enzyme MAO-A und MAO-B, was den Abbau von Serotonin, Noradrenalin und Dopamin verhindert. Zudem erhöht Phenelzin die Gamma-Aminobuttersäure-Spiegel (GABA) im Gehirn.
Aufgrund ausgeprägter Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Nahrungsmitteln gilt Phenelzin meist als Zweitlinientherapie. Es wird laut den Autoren vor allem dann in Betracht gezogen, wenn Erstlinien-Antidepressiva wie SSRI keine ausreichende Wirkung zeigen.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernaspekte für den klinischen Einsatz:
Indikationen
Es werden folgende primäre Einsatzgebiete für Phenelzin genannt:
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Therapieresistente Depressionen (insbesondere mit atypischen Merkmalen)
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Panikstörungen und soziale Angststörungen
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Off-Label-Einsatz bei Bulimia nervosa und Zwangsstörungen
Therapieüberwachung
Laut den Autoren wird eine engmaschige Überwachung verschiedener klinischer Parameter empfohlen. Dies gilt insbesondere bei Therapiebeginn und Dosisanpassungen.
Zu den wichtigsten Überwachungsparametern gehören:
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Blutdruck und Herzfrequenz (Risiko für orthostatische Hypotonie und hypertensive Krisen)
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Stimmung und Suizidalität (insbesondere bei jungen Erwachsenen)
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Blutzuckerspiegel bei Diabetikern, da MAO-Hemmer den Glukosestoffwechsel beeinflussen können
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Einhaltung der strengen Diätvorgaben
Management von Überdosierungen
Bei einer vermuteten Überdosierung wird eine symptomatische und unterstützende Behandlung empfohlen. Die Symptome können von Agitation bis hin zum Koma reichen.
Die Leitlinie schlägt folgende Maßnahmen vor:
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Magenspülung mittels Aktivkohle unter Sicherung der Atemwege
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Gabe von Diazepam bei exzessiver Stimulation des zentralen Nervensystems
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Einsatz von Chlorpromazin bei einer hypertensiven Krise infolge der Überdosierung
Dosierung
Die Dosierung von Phenelzin erfolgt in der Regel in mehreren Einzeldosen pro Tag. Beim Absetzen wird ein langsames Ausschleichen empfohlen, um Entzugssymptome zu minimieren.
Vor dem Wechsel auf ein anderes Antidepressivum muss eine Auswaschphase von drei bis vier Wochen eingehalten werden.
| Patientengruppe | Initiale Dosis | Erhaltungsdosis / Maximaldosis |
|---|---|---|
| Erwachsene (Depression) | 15 mg dreimal täglich | 60 bis 90 mg täglich (in 3-4 Einzeldosen) |
| Ältere Patienten (Depression) | 7,5 mg täglich | 15 bis 60 mg täglich (in 3-4 Einzeldosen) |
| Kinder (Selektiver Mutismus, Off-Label) | Keine Angabe | 30 bis 60 mg täglich (in Einzeldosen) |
Kontraindikationen
Die Anwendung von Phenelzin ist bei Überempfindlichkeit, Phäochromozytom, Herzinsuffizienz, schwerer Niereninsuffizienz und Lebererkrankungen kontraindiziert.
Medikamentöse Interaktionen
Die gleichzeitige Einnahme mit Sympathomimetika (z. B. Amphetamine, Kokain, Methylphenidat) ist streng kontraindiziert, da dies eine hypertensive Krise auslösen kann.
Zudem wird vor der Kombination mit folgenden Substanzen gewarnt:
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Serotonerge Wirkstoffe (SSRI, TCA, Johanniskraut) wegen der Gefahr eines Serotonin-Syndroms
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ZNS-Dämpfungsmittel wie Alkohol
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Opioide (insbesondere Pethidin/Meperidin), da dies zu Koma und Tod führen kann
Diätetische Restriktionen
Um eine lebensbedrohliche hypertensive Krise zu vermeiden, müssen tyraminreiche Lebensmittel strikt gemieden werden.
Dazu zählen laut den Autoren:
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Gereifter Käse und fermentierte Produkte
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Eingelegter Fisch und Hefeextrakte
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Trockenwürste, Salami und Pepperoni
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Ackerbohnen (Fava-Bohnen)
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Bier und Wein (auch alkoholfreie Varianten)
💡Praxis-Tipp
Die Autoren betonen nachdrücklich die Notwendigkeit einer strikten tyraminarmen Diät, da der Verzehr von gereiftem Käse oder fermentierten Lebensmitteln eine lebensbedrohliche hypertensive Krise auslösen kann. Zudem wird darauf hingewiesen, dass nach dem Absetzen von Phenelzin eine Auswaschphase von drei bis vier Wochen zwingend eingehalten werden muss, bevor ein anderes Antidepressivum angesetzt wird.
Häufig gestellte Fragen
Laut der Zusammenfassung dauert es in der Regel zwei bis drei Wochen, bis die antidepressive Wirkung von Phenelzin eintritt. Wenn nach sechs bis acht Wochen keine klinische Besserung erkennbar ist, kann eine Dosiserhöhung erforderlich sein.
Phenelzin wird in die Schwangerschaftsrisikokategorie C eingestuft und sollte während der Schwangerschaft vermieden werden. Die Autoren weisen darauf hin, dass der potenzielle Nutzen gegen die möglichen Risiken für Mutter und Fötus streng abgewogen werden muss.
Die gleichzeitige Anwendung von Phenelzin und Opioiden wird strengstens abgeraten. Insbesondere die Kombination mit Pethidin (Meperidin) ist kontraindiziert, da sie zu Krampfanfällen, Koma und sogar zum Tod führen kann.
Die Leitlinie warnt davor, dass Phenelzin sowohl eine ausgeprägte orthostatische Hypotonie als auch eine lebensbedrohliche hypertensive Krise verursachen kann. Letzteres tritt insbesondere bei Interaktionen mit Tyramin oder Sympathomimetika auf, weshalb eine regelmäßige Überwachung des Blutdrucks empfohlen wird.
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Quelle: StatPearls: Phenelzine (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.