Laktatazidose: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie bietet eine umfassende Übersicht zur Diagnostik und Therapie der Laktatazidose. Eine Laktatazidose wird typischerweise als Serumlaktatkonzentration über 4 mmol/L definiert, oft begleitet von einem Blut-pH-Wert unter 7,35 und Bikarbonat unter 20 mmol/L.
Die Erkrankung wird in zwei Hauptkategorien unterteilt. Typ-A-Laktatazidosen entstehen durch Gewebehypoperfusion und Hypoxie, wie sie bei verschiedenen Schockformen oder regionalen Ischämien auftreten.
Typ-B-Laktatazidosen treten ohne offensichtliche Gewebehypoxie auf und werden häufig durch Medikamente, Malignome oder Toxine verursacht. Zudem beschreibt die Leitlinie die seltene D-Laktatazidose, die meist bei Kurzdarmsyndrom oder Malabsorption beobachtet wird.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Behandlung:
Diagnostik
Bei Verdacht auf eine metabolische Azidose wird die Bestimmung von Serumelektrolyten und eine arterielle Blutgasanalyse empfohlen. Wenn die Anionenlücke erhöht ist oder klinische Zeichen vorliegen, sollte das Serumlaktat gemessen werden.
Es wird betont, dass eine Hypoalbuminämie eine vergrößerte Anionenlücke maskieren kann. Daher wird bei kritisch Kranken die Berechnung der korrigierten Anionenlücke empfohlen.
Therapie bei septischem Schock
Da der septische Schock eine häufige Ursache der Typ-A-Laktatazidose ist, empfiehlt die Leitlinie folgendes Vorgehen:
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Gabe von Breitbandantibiotika innerhalb von 1 Stunde nach Erkennung der Sepsis
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Intravenöse Volumentherapie mit 30 ml/kg kristalloiden Lösungen innerhalb der ersten 3 Stunden
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Zielwert für den mittleren arteriellen Druck (MAP) von mindestens 65 mmHg
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Einsatz von Noradrenalin als Vasopressor der ersten Wahl bei persistierender Hypotension
Spezifische Interventionen
Die routinemäßige Gabe von Natriumbikarbonat wird bei Laktatazidose und Schock nicht empfohlen, da sie mit schlechteren Outcomes assoziiert sein kann. Eine selektive Bikarbonatgabe kann jedoch bei akutem Nierenversagen und einem pH-Wert über 7,2 nach initialer Reanimation erwogen werden.
Bei schwerer Laktatazidose, insbesondere bei Nierenversagen oder Metformin-Assoziation, wird eine frühzeitige Hämodialyse empfohlen. Bei Metformin-assoziierter Laktatazidose ist eine Dialyse innerhalb von 6 Stunden mit einer verbesserten Überlebensrate verbunden.
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende Dosierungen für Vasopressoren bei refraktärer Hypotension im Rahmen eines septischen Schocks:
| Medikament | Dosierung | Indikation / Bemerkung |
|---|---|---|
| Noradrenalin | k.A. | Vasopressor der ersten Wahl |
| Vasopressin | 0,03 U/min | Zusatztherapie, wenn MAP-Ziele nicht erreicht werden |
| Epinephrin (Adrenalin) | 20–50 mcg/min | Für zusätzliche hämodynamische Unterstützung |
| Phenylephrin | 200–300 mcg/min | Letzte Wahl bei refraktärer Hypotension |
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt vor der routinemäßigen Verabreichung von Natriumbikarbonat bei Laktatazidose und Schock. Dieser Einsatz wird nicht empfohlen und kann mit einer erhöhten Mortalität assoziiert sein.
💡Praxis-Tipp
Ein normaler Laktatwert schließt eine schwere Erkrankung nicht aus, insbesondere bei früher mesenterialer Ischämie oder Leberdysfunktion, da hier die Laktat-Clearance beeinträchtigt sein kann. Es wird darauf hingewiesen, dass die Beobachtung des Laktatverlaufs über die Zeit eine deutlich höhere Aussagekraft besitzt als eine einzelne Messung.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird die korrigierte Anionenlücke berechnet, indem zur gemessenen Anionenlücke der Wert 2,5 × (normales Albumin – gemessenes Albumin in g/dl) addiert wird. Dies ist besonders bei kritisch Kranken wichtig, da eine Hypoalbuminämie eine metabolische Azidose maskieren kann.
Die Leitlinie nennt als Ursachen für eine Typ-B-Laktatazidose unter anderem Medikamente wie Metformin oder Propofol, Malignome, Alkoholismus, HIV-Infektionen sowie einen Thiaminmangel. Bei diesen Formen liegt keine offensichtliche Gewebehypoperfusion vor.
Eine Hämodialyse wird bei schwerer Laktatazidose in Verbindung mit Nierenversagen empfohlen. Insbesondere bei einer Metformin-assoziierten Laktatazidose ist ein früher Dialysebeginn innerhalb von 6 Stunden mit einer besseren Überlebensrate assoziiert.
Gemäß der Leitlinie sind ein pH-Wert unter 7,2, Laktatwerte über 7 mmol/L und ein Bikarbonatwert unter 12 mmol/L mit einer erhöhten Mortalität verbunden. Auch ein hohes Alter und die Notwendigkeit von Vasopressoren gelten als ungünstige prognostische Faktoren.
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Quelle: StatPearls: Lactic Acidosis (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.