Morbus Crohn: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED), die durch eine transmurale Entzündung gekennzeichnet ist. Die Erkrankung kann jeden Abschnitt des Gastrointestinaltrakts betreffen, manifestiert sich jedoch am häufigsten im terminalen Ileum und im proximalen Kolon.
Die Pathogenese ist multifaktoriell und umfasst eine genetische Disposition (wie NOD2/CARD15-Mutationen), Umweltfaktoren wie Rauchen sowie eine dysregulierte Immunantwort. Letztere wird maßgeblich durch T-Helferzellen und proinflammatorische Zytokine wie TNF-alpha angetrieben.
Klinisch präsentieren sich Betroffene häufig mit abdominellen Schmerzen, chronischer Diarrhö, Gewichtsverlust und Fatigue. Zudem können extraintestinale Manifestationen an Gelenken, Haut, Augen und der Leber auftreten, die den gastrointestinalen Symptomen vorausgehen können.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie empfiehlt eine strukturierte Herangehensweise an Diagnostik, Therapie und Monitoring.
Diagnostik
Zur initialen Abklärung wird eine Kombination aus Stuhluntersuchungen, Bluttests, Bildgebung und Endoskopie empfohlen.
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Zum Ausschluss von Infektionen wird eine Stuhldiagnostik (inklusive Clostridioides difficile) angeraten.
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Zur Beurteilung der Krankheitsaktivität wird die Bestimmung von fäkalem Calprotectin und C-reaktivem Protein (CRP) empfohlen.
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Für die Beurteilung von transmuralen Entzündungen und Komplikationen wird eine Schnittbildgebung (MRT, CT) oder Ultraschall empfohlen.
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Die MRT wird insbesondere bei perianalen Fisteln und in der Pädiatrie bevorzugt.
Therapie bei leichter bis mittelschwerer Erkrankung
Die medikamentöse Strategie richtet sich nach der Schwere der Erkrankung und dem betroffenen Darmabschnitt.
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Kortikosteroide werden zur Induktion einer Remission bei akuten Schüben empfohlen, jedoch ausdrücklich nicht als Erhaltungstherapie.
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Immunmodulatoren (Thiopurine, Methotrexat) werden als steroidsparende Medikamente für die Erhaltungstherapie eingesetzt.
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Orale Aminosalizylate (Mesalazin) können bei leichtem Kolonbefall erwogen werden, sind jedoch bei Dünndarmbeteiligung ineffektiv.
Therapie bei mittelschwerer bis schwerer Erkrankung
Bei schwereren Verläufen wird eine Eskalation der Therapie empfohlen.
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Es wird der Einsatz von Biologika (allein oder in Kombination mit Immunmodulatoren) empfohlen.
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Anti-TNF-Wirkstoffe (wie Infliximab, Adalimumab) werden insbesondere bei steroidrefraktären Verläufen und fistulierender Erkrankung angeraten.
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Bei perianalen Fisteln wird laut Leitlinie Infliximab in Kombination mit einem Antibiotikum (wie Ciprofloxacin) empfohlen.
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Als weitere Therapieoptionen werden Integrin-Inhibitoren (Vedolizumab), IL-12/23-Inhibitoren (Ustekinumab, Risankizumab) und JAK-Inhibitoren (Upadacitinib) genannt.
Monitoring
Eine regelmäßige Überwachung ist essenziell, um asymptomatische Rezidive frühzeitig zu erkennen.
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Es wird eine regelmäßige Überwachung der Biomarker (fäkales Calprotectin und CRP) alle 6 bis 12 Monate bei Patienten in Remission empfohlen.
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Ein fäkales Calprotectin unter 150 µg/g und ein CRP unter 5 mg/L deuten auf eine minimale Entzündung hin.
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Eine endoskopische Kontrolle wird 6 bis 12 Monate nach Symptomauflösung empfohlen, um die mukosale Heilung zu dokumentieren.
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende spezifische Dosierungen für Immunmodulatoren in der Erhaltungstherapie:
| Medikament | Dosierung | Indikation |
|---|---|---|
| Azathioprin | 1,5–2,5 mg/kg/Tag | Erhaltungstherapie |
| 6-Mercaptopurin | 0,75–1,5 mg/kg/Tag | Erhaltungstherapie |
| Methotrexat (MTX) | 15–25 mg einmal wöchentlich | Erhaltungstherapie |
Kontraindikationen
Vor Beginn einer Therapie mit Thiopurinen wird die Bestimmung der Thiopurin-Methyltransferase (TPMT)-Aktivität empfohlen. Eine niedrige Aktivität erhöht das Risiko für toxische Nebenwirkungen signifikant.
Methotrexat ist teratogen. Es wird eine sichere Kontrazeption für mindestens 3 Monate nach der Einnahme für Frauen und Männer empfohlen.
Upadacitinib ist in der Schwangerschaft aufgrund von Teratogenität kontraindiziert. Zudem erhöht es das Risiko für Herpes-Zoster-Infektionen, weshalb eine vorherige Impfung angeraten wird.
Bei Anti-TNF-Therapien ist Vorsicht geboten bei Personen mit demyelinisierenden Erkrankungen, Herzinsuffizienz oder Malignomen wie Lymphomen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, Kortikosteroide als langfristige Erhaltungstherapie einzusetzen, da dies zu schweren Nebenwirkungen wie Osteoporose und Nebennierenrindeninsuffizienz führen kann. Es wird stattdessen empfohlen, frühzeitig steroidsparende Immunmodulatoren oder Biologika zu etablieren und Kortikosteroide strikt auf die Akutphase zu beschränken.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie werden fäkales Calprotectin und das C-reaktive Protein (CRP) zur Überwachung empfohlen. Werte unter 150 µg/g (Calprotectin) bzw. 5 mg/L (CRP) weisen auf eine minimale oder fehlende Entzündung hin.
Eine Operation wird bei Komplikationen wie fibrostenotischen Strikturen, therapierefraktären Fisteln, rezidivierenden Abszessen, Darmperforationen oder Dysplasien empfohlen. Die häufigste Indikation ist die fibrostenotische Erkrankung.
Die Leitlinie empfiehlt Infliximab zur Induktion und Erhaltung der Remission bei fistulierender Erkrankung. Es wird zudem angeraten, die Biologika-Therapie initial mit einem Antibiotikum wie Ciprofloxacin zu kombinieren.
Ja, es wird eine umfassende Überprüfung des Impfstatus sowie ein Screening auf latente Tuberkulose empfohlen, bevor eine immunsuppressive Therapie oder Biologika-Gabe begonnen wird.
Bei asymptomatischen Patienten mit einem fäkalen Calprotectin unter 50 µg/g kann laut Leitlinie auf eine routinemäßige endoskopische Evaluation verzichtet werden. Ein Rezidiv ist bei diesen Werten unwahrscheinlich.
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Quelle: StatPearls: Crohn Disease Stricturoplasty (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.