Bispektralindex (BIS) in der Anästhesie: StatPearls
Hintergrund
Die Überwachung der Narkosetiefe ist entscheidend, um hämodynamische Schwankungen durch zu tiefe Anästhesie sowie intraoperative Wachzustände (Awareness) bei zu flacher Narkose zu vermeiden. Ein intraoperativer Wachzustand stellt eine schwerwiegende Komplikation dar, die zu langfristigen psychologischen Folgen wie Angststörungen und posttraumatischen Belastungsstörungen führen kann.
Der Bispektralindex (BIS) ist ein etabliertes, von der FDA zugelassenes Verfahren zur objektiven Beurteilung der hypnotischen Medikamentenwirkung. Das System analysiert das Elektroenzephalogramm (EEG) des Patienten und berechnet mithilfe eines Algorithmus einen dimensionslosen Wert.
Laut Leitlinie trägt die BIS-Überwachung dazu bei, das Risiko für postoperative kognitive Dysfunktionen (POCD) und postoperatives Delir (POD) zu senken. Zudem wird eine schnellere Erholung und eine verkürzte Aufenthaltsdauer im Aufwachraum ermöglicht.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie beschreibt folgende Kernaspekte zur Anwendung und Interpretation des Bispektralindex:
Zielwerte und Interpretation
Der BIS-Wert wird auf einer Skala von 0 bis 100 abgebildet und dient der Steuerung der Narkosetiefe. Die Leitlinie definiert folgende klinische Zustände anhand der BIS-Werte:
| BIS-Wert | Klinische Bedeutung |
|---|---|
| 100 | Wach und aufmerksam |
| 40 - 60 | Adäquate Allgemeinanästhesie (verhindert Awareness) |
| < 40 | Tiefer hypnotischer Zustand |
| 0 | Vollständige Inaktivität des Gehirns |
Anwendung und Technik
Für die Messung wird ein Sensor mit vier Elektroden auf der zuvor gereinigten Stirn des Patienten platziert. Die Leitlinie beschreibt, dass der Monitor neben dem BIS-Wert auch Roh-EEG-Wellen, einen Trendgraphen sowie Indikatoren für die Signalqualität (SQI) und Muskelaktivität (EMG) anzeigt.
Es wird darauf hingewiesen, dass ein hoher SQI-Wert für eine zuverlässigere Messung spricht. Eine erhöhte EMG-Aktivität kann hingegen zu falsch hohen BIS-Werten führen und die Interpretation erschweren.
Klinische Besonderheiten
Die Leitlinie betont, dass der BIS-Algorithmus eine zeitliche Verzögerung von bis zu 104 Sekunden bei der Reaktion auf die Narkoseeinleitung aufweisen kann. Diese Verzögerung muss bei der Anpassung der Anästhesietiefe berücksichtigt werden.
Zudem wird hervorgehoben, dass der BIS-Wert immer im klinischen Gesamtbild interpretiert werden sollte und nicht als alleiniger Parameter für die Narkosesteuerung dienen darf.
Alternative Überwachungsverfahren
Laut Leitlinie stehen verschiedene alternative Technologien zur Verfügung, die je nach klinischer Situation eingesetzt werden können:
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Spektrale Entropie (nutzt EEG- und EMG-Daten für Response und State Entropy)
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Narcotrend-Index (klassifiziert die Narkosetiefe in sechs Stufen von A bis F)
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Patient State Index (PSI, Skala von 0 bis 100)
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A-line Autoregressive Index (AAI, basiert auf akustisch evozierten Potenzialen)
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt verschiedene Faktoren, die die Zuverlässigkeit des BIS-Monitors einschränken oder die Werte verfälschen können:
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Anästhetika: Medikamente wie Ketamin und Lachgas können den BIS-Wert trotz tiefer Sedierung erhöhen.
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Alter: Bei Säuglingen unter 6 Monaten ist die Titration aufgrund der noch stattfindenden Gehirnreifung und Synapsenbildung erschwert.
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Hypothermie: Der BIS-Wert sinkt um 1,12 Einheiten pro Grad Celsius Körpertemperaturabfall.
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Neurologische Beeinträchtigungen: Bei dieser Patientengruppe ist der BIS-Wert oft unzuverlässig und generell niedriger, da subkortikale Strukturen nicht erfasst werden.
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Medizinische Geräte: Elektrokauter können Artefakte verursachen und die Signalqualität (SQI) verringern.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie kann die Reaktion des BIS-Monitors auf Veränderungen der Narkosetiefe um bis zu 104 Sekunden verzögert sein. Zudem wird davor gewarnt, dass bestimmte Anästhetika wie Ketamin oder Lachgas zu falsch hohen BIS-Werten führen, weshalb der Wert stets im klinischen Gesamtbild interpretiert werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt für eine adäquate Allgemeinanästhesie einen BIS-Wert zwischen 40 und 60. Dieser Bereich minimiert das Risiko für intraoperative Wachzustände.
Laut Leitlinie führt die Gabe von Lachgas zu einem Anstieg des BIS-Wertes. Dies liegt an den neurostimulierenden Eigenschaften des Medikaments, obwohl der Patient klinisch ausreichend sediert ist.
Bei Säuglingen unter 6 Monaten ist die Steuerung der Anästhesie mittels BIS laut Leitlinie herausfordernd. Die abweichenden EEG-Muster in dieser Altersgruppe schränken die Zuverlässigkeit der Messung ein.
Eine Senkung der Körpertemperatur führt zu einer Abnahme des BIS-Wertes. Die Leitlinie gibt an, dass der Wert pro Grad Celsius Temperaturabfall um 1,12 Einheiten sinkt.
Der Signal Quality Index (SQI) gibt an, wie zuverlässig das abgeleitete EEG-Signal ist. Ein höherer SQI-Wert spricht laut Leitlinie für eine verlässlichere Berechnung des BIS-Wertes.
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Quelle: StatPearls: Bispectral Index (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.