Acute-on-Chronic Liver Failure (ACLF): StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Das Acute-on-Chronic Liver Failure (ACLF) ist ein klinisches Syndrom, das durch eine plötzliche hepatische Dekompensation bei bestehender chronischer Lebererkrankung gekennzeichnet ist. Laut der StatPearls-Leitlinie geht es mit extrahepatischem Organversagen und einer hohen Kurzzeitmortalität einher.
Die genaue Definition variiert je nach Fachgesellschaft (EASL, APASL, NACSELD). Gemeinsam ist allen Definitionen die hohe Sterblichkeit, die je nach Anzahl der versagenden Organe zwischen 30 % und 50 % liegt.
Als Auslöser fungieren häufig bakterielle Infektionen, akute alkoholische Leberschäden oder die Reaktivierung einer Virushepatitis. In etwa 40 bis 50 % der Fälle lässt sich jedoch kein eindeutiges präzipitierendes Ereignis identifizieren.
Empfehlungen
Diagnostik und Klassifikation
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer umfassenden Labordiagnostik und Bildgebung zur Identifikation von Auslösern und Organversagen. Typische Befunde umfassen eine Erhöhung der INR auf 1,5 oder höher, Hyperbilirubinämie sowie Zeichen einer akuten Nierenschädigung.
Zur Risikostratifizierung und Prognoseabschätzung werden verschiedene Klassifikationssysteme herangezogen:
| System | Fokus | Besonderheit |
|---|---|---|
| EASL-CLIF | Breites Spektrum, hepatische und extrahepatische Insulte | Detaillierte Risikostratifizierung nach Schweregrad des Organversagens |
| NACSELD | Zirrhose-Patienten | Fokus ausschließlich auf extrahepatischem Organversagen |
| APASL (AARC) | Leberzentrierte Pathogenese | Numerischer Score zur Überlebensvorhersage, besonders für Transplantationen |
Allgemeine Therapiemaßnahmen
Die Behandlung erfordert eine stationäre Aufnahme, idealerweise in einem Zentrum mit der Möglichkeit zur Lebertransplantation. Es wird eine konsequente supportive Therapie empfohlen.
Zu den zentralen unterstützenden Maßnahmen gehören:
-
Aufrechterhaltung eines mittleren arteriellen Drucks (MAP) von mindestens 75 mmHg zur Sicherstellung der Organperfusion
-
Sicherstellung der Ernährung mit 1 bis 1,5 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich
-
Blutzuckereinstellung auf Zielwerte zwischen 160 und 200 mg/dL
-
Absetzen aller nicht essenziellen, potenziell hepatotoxischen oder nephrotoxischen Medikamente
Spezifisches Komplikationsmanagement
Bei Vorliegen einer spontan bakteriellen Peritonitis (SBP) wird die intravenöse Gabe von Albumin empfohlen, um einer Nierenfunktionsstörung vorzubeugen. Für andere bakterielle Infektionen wird diese Maßnahme laut Leitlinie nicht routinemäßig unterstützt.
Weitere spezifische Empfehlungen umfassen:
-
Bei Nierenversagen wird eine kontinuierliche Nierenersatztherapie gegenüber der intermittierenden Hämodialyse bevorzugt
-
Bei einer hepatischen Enzephalopathie ab Grad 3 wird eine Intubation zum Atemwegsschutz empfohlen
-
Eine routinemäßige Korrektur der Koagulopathie ohne aktive Blutung wird nicht empfohlen
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende spezifische Zielwerte und Dosierungsgrenzen im Rahmen der supportiven Therapie:
| Parameter / Substanz | Dosierung / Zielwert | Indikation / Anmerkung |
|---|---|---|
| Protein | 1 - 1,5 g/kg Körpergewicht/Tag | Tägliche Ernährungssicherung |
| Blutzucker | 160 - 200 mg/dL | Zielbereich zur Vermeidung von Hypoglykämien |
| Glukose-Infusion | 10 % oder 20 % | Bei manifester Hypoglykämie |
| Paracetamol (Acetaminophen) | < 2 g/Tag | Maximale Tagesdosis zur Vermeidung von Hepatotoxizität |
Kontraindikationen
Es wird ausdrücklich vor der Anwendung von potenziell hepatotoxischen und nephrotoxischen Substanzen gewarnt.
Zudem formuliert die Leitlinie folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
-
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) sind zu vermeiden
-
Unbeaufsichtigte pflanzliche Heilmittel oder Bodybuilding-Nahrungsergänzungsmittel dürfen nicht eingenommen werden
-
Der Einsatz von rekombinantem Faktor VII sollte aufgrund des Thromboserisikos nur mit äußerster Vorsicht erfolgen
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist die routinemäßige Korrektur der laborchemischen Koagulopathie (z. B. erhöhte INR) mittels Blutprodukten. Die Leitlinie betont, dass dies ohne Vorliegen einer aktiven Blutung oder eines geplanten invasiven Eingriffs nicht erforderlich ist. Zudem wird darauf hingewiesen, dass eine aktive Infektion fast die Hälfte der Patienten von der Warteliste für eine lebensrettende Lebertransplantation ausschließt, weshalb eine frühzeitige Infektionskontrolle essenziell ist.
Häufig gestellte Fragen
Das akute Leberversagen tritt bei Patienten ohne vorherige Lebererkrankung auf. Das Acute-on-Chronic Liver Failure (ACLF) beschreibt hingegen eine plötzliche hepatische Dekompensation bei Patienten, die bereits an einer chronischen Lebererkrankung leiden.
In westlichen Ländern sind bakterielle Infektionen und akute alkoholische Leberschäden die häufigsten Auslöser. In Asien spielen zudem Reaktivierungen einer chronischen Hepatitis B sowie akute Hepatitis A und E eine große Rolle.
Laut Leitlinie wird eine Intubation zum Schutz der Atemwege empfohlen, wenn die hepatische Enzephalopathie den Grad 2 überschreitet. Bei einer Enzephalopathie ab Grad 3 wird zudem ein Schädel-CT angeraten, um ein Hirnödem auszuschließen.
Die intravenöse Gabe von Albumin wird spezifisch bei Patienten mit spontan bakterieller Peritonitis (SBP) empfohlen, um Nierenfunktionsstörungen vorzubeugen. Bei anderen bakteriellen Infektionen wird der routinemäßige Einsatz von Albumin durch die aktuelle Evidenz nicht gestützt.
Die Leitlinie verweist auf verschiedene Systeme, wobei der CLIF Organ Failure Score häufig zur Vorhersage der Mortalität genutzt wird. Ein CLIF-Score über 64 rechtfertigt eine sofortige Evaluation für eine Lebertransplantation.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: StatPearls: Acute-on-Chronic Liver Failure (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.