Akutes Abdomen: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Das akute Abdomen ist ein häufiger Vorstellungsgrund in der Notaufnahme. Die Ursachen reichen von benignen, selbstlimitierenden Erkrankungen bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen, die eine sofortige Intervention erfordern.
Zu den potenziell lebensbedrohlichen Ätiologien zählen unter anderem Infektionen, Ischämien, Perforationen oder ein rupturiertes Aortenaneurysma. Eine schnelle und strukturierte klinische Evaluation ist entscheidend, um kritisch kranke Patienten frühzeitig zu identifizieren.
Die Schmerzwahrnehmung wird pathophysiologisch in viszerale, somatoparietale und übertragene Schmerzen unterteilt. Diese Unterscheidung hilft bei der anatomischen Zuordnung der zugrunde liegenden Pathologie und leitet die weitere Diagnostik.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Evaluation und zum Management des akuten Abdomens:
Initiale Beurteilung und Triage
Patienten mit instabilen Vitalparametern oder Zeichen einer Peritonitis erfordern eine sofortige Evaluation und Resuscitation. Es wird empfohlen, die Anamnese detailliert zu erheben und eine vollständige körperliche Untersuchung inklusive Auskultation vor der Palpation durchzuführen.
Diagnostik nach Schmerzlokalisation
Die Leitlinie empfiehlt eine zielgerichtete Diagnostik basierend auf der Lokalisation der Beschwerden. Folgende Zuordnungen werden für die klinische Praxis hervorgehoben:
| Lokalisation | Häufige Differenzialdiagnosen | Empfohlene initiale Diagnostik |
|---|---|---|
| Rechter Oberbauch | Cholezystitis, Cholangitis, Gallenkolik | Ultraschall, Leberwerte, Lipase |
| Epigastrium | Myokardinfarkt, Pankreatitis, Ulkuskrankheit | EKG, Troponin, Ultraschall |
| Linker Oberbauch | Milzinfarkt, Milzruptur, Milzabszess | Ultraschall, Blutbild |
| Unterbauch | Appendizitis, Extrauteringravidität, Divertikulitis | Schwangerschaftstest, Ultraschall, CT |
Bildgebung bei spezifischen Gruppen
Bei Kindern wird aufgrund der Strahlenbelastung primär der Einsatz von Ultraschall und Röntgen empfohlen. Ein CT sollte laut Leitlinie bei pädiatrischen Patienten nach Möglichkeit vermieden werden.
Bei Verdacht auf eine gastrointestinale Perforation ist ein aufrechtes Röntgen-Thoraxbild die initiale Bildgebung der Wahl. Damit lässt sich freie intraabdominelle Luft schnell nachweisen.
Akutmanagement und Therapie
Die Leitlinie betont, dass eine adäquate Analgesie die klinische Beurteilung nicht verfälscht und nicht zurückgehalten werden sollte. Folgende Sofortmaßnahmen werden bei kritisch kranken Patienten empfohlen:
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Anlage großlumiger venöser Zugänge und Volumengabe
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Gabe von Breitbandantibiotika bei Verdacht auf Sepsis oder Peritoneal-Kontamination
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Frühzeitige Einbindung der Chirurgie, ohne auf finale Bildgebungsergebnisse zu warten
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt vor dem unkritischen Einsatz von Ketorolac zur Schmerztherapie. Es wird darauf hingewiesen, dass dieser Wirkstoff eine Gastritis, ein peptisches Ulkus oder eine akute Nierenschädigung verschlimmern kann.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont nachdrücklich, dass eine adäquate Schmerztherapie die klinische Beurteilung des Abdomens nicht verfälscht und Patienten nicht vorenthalten werden darf. Zudem wird darauf hingewiesen, dass bei kritischen Patienten chirurgische Konsile niemals durch das Warten auf Bildgebungsergebnisse verzögert werden sollten.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist ein aufrechtes Röntgen-Thoraxbild die initiale Untersuchung der Wahl. Damit lässt sich freie Luft unter dem Zwerchfell als Zeichen einer Perforation schnell nachweisen.
Ja, die Leitlinie empfiehlt eine frühzeitige und adäquate Analgesie. Es wird explizit darauf hingewiesen, dass Schmerzmittel die klinische Beurteilung nicht negativ beeinflussen.
Bei Kindern über einem Jahr ist die akute Appendizitis die häufigste Ursache. Bei Säuglingen wird laut Leitlinie häufiger eine Invagination oder eine inkarzerierte Hernie beobachtet.
Ein CT mit intravenösem Kontrastmittel wird empfohlen, wenn Ultraschall oder Röntgen keine ausreichenden diagnostischen Hinweise liefern. Bei Kindern sollte aufgrund der Strahlenbelastung jedoch primär darauf verzichtet werden.
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Quelle: StatPearls: Acute Abdomen (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.