Abdominelle Schusswunden: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Abdominelle Schusswunden sind multisystemische Traumata mit hoher Morbidität und Mortalität. Sie verursachen bis zu 90 Prozent der Todesfälle im Zusammenhang mit penetrierenden Bauchverletzungen.
Die am häufigsten verletzten Organe sind der Dünndarm (50 Prozent) und der Dickdarm (40 Prozent). Auch die Leber (40 Prozent) und die intraabdominellen Gefäße (30 Prozent) sind häufig betroffen.
Die Verletzungsmuster sind aufgrund der hohen kinetischen Energie und der unvorhersehbaren Flugbahn der Projektile oft komplex. Zusätzlich können Splitter oder Fragmente der Kugeln weitere intraabdominelle Schäden verursachen.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Versorgung abdomineller Schusswunden:
Erstversorgung
Die initiale Beurteilung folgt dem ABC-Schema der Traumaversorgung (Atemwege, Atmung, Kreislauf).
Es wird eine sofortige Blutungskontrolle durch direkten Druck auf die Wunde empfohlen. Bei hämodynamischer Instabilität empfiehlt die Leitlinie eine aggressive Flüssigkeitsreanimation und die Bereitstellung von O-negativem Blut für Notfalltransfusionen.
Diagnostik
Bei hämodynamisch stabilen Personen ohne Peritonitis wird eine Computertomographie (CT) empfohlen. Diese dient der Erkennung von freier Flüssigkeit, Organschäden und aktiven Blutungen.
Bei hämodynamisch instabilen Personen ist laut Leitlinie das EFAST-Protokoll (Extended Focused Assessment with Sonography for Trauma) die radiologische Methode der Wahl.
| EFAST-Region | Zu beurteilende anatomische Strukturen |
|---|---|
| Rechter oberer Quadrant (RUQ) | Unterer Pol der rechten Niere, Subphrenischer Raum, Hepatorenaler Raum (Morrison-Pouch), Pleuraspalt |
| Linker oberer Quadrant (LUQ) | Unterer Pol der linken Niere, Subphrenischer Raum, Splenorenaler Raum, Pleuraspalt |
| Suprapubischer Raum | Pouch of Douglas (Frauen), Rektovesikaler Raum (Männer) |
| Subkostaler Raum | Perikard (Ausschluss Hämoperikard) |
| Pulmonal | Lungenumgebung (Ausschluss Pneumo-/Hämatothorax) |
Operative Therapie
Eine sofortige Laparotomie wird bei Anzeichen von peritonealer Blutung, Peritonitis, aktiver Blutung oder klinischer Verschlechterung zwingend empfohlen. Die Leitlinie betont, dass in diesen Fällen die operative Intervention nicht für diagnostische Tests verzögert werden darf.
Medikamentöse und Postoperative Therapie
Begleitend wird die Gabe von Tetanusprophylaxe, Breitbandantibiotika und Analgetika empfohlen. Postoperativ rät die Leitlinie zu einer frühen enteralen Ernährung, sofern dies möglich ist. Zudem wird eine medikamentöse Thromboseprophylaxe in der postoperativen Phase empfohlen.
Kontraindikationen
Die Leitlinie formuliert folgende Warnhinweise:
-
Bei Vorliegen einer Peritonitis oder hämodynamischer Instabilität darf die operative Intervention nicht zugunsten weiterer diagnostischer Tests verzögert werden.
-
Die Lokalisation der Schusswunde am Abdomen schließt Verletzungen von Strukturen außerhalb des Abdomens nicht aus, weshalb eine umfassende Untersuchung zwingend erforderlich ist.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist die sofortige chirurgische Intervention bei hämodynamisch instabilen Personen mit Peritonitis essenziell und darf unter keinen Umständen für bildgebende Diagnostik verzögert werden. Zudem wird betont, dass die Eintrittspforte am Abdomen aufgrund der unvorhersehbaren Projektilbahn auch Verletzungen extraabdomineller Strukturen verursachen kann.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie sind der Dünndarm (50 Prozent) und der Dickdarm (40 Prozent) am häufigsten betroffen. Auch die Leber und intraabdominelle Gefäße werden oft verletzt.
Die Leitlinie empfiehlt eine CT-Untersuchung bei hämodynamisch stabilen Personen, die keine Anzeichen einer Peritonitis aufweisen. Sie dient der Detektion von freier Flüssigkeit und Organschäden.
Bei hämodynamisch instabilen Personen wird das EFAST-Protokoll (Extended Focused Assessment with Sonography for Trauma) empfohlen. Es ermöglicht die schnelle Erkennung von Blutungen in den Körperhöhlen.
Eine sofortige Laparotomie wird bei peritonealer Blutung, Peritonitis, aktiver Blutung oder einer raschen klinischen Verschlechterung empfohlen. Bildgebende Diagnostik darf diesen Eingriff laut Leitlinie nicht verzögern.
Bei hämodynamischer Instabilität empfiehlt die Leitlinie die sofortige Bereitstellung von O-negativem Blut. Dies minimiert das Risiko schwerer Transfusionsreaktionen.
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Quelle: StatPearls: Abdominal Gunshot Wounds (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.