CochraneIa2020

Stationäre Palliativversorgung: Evidenz und Nutzen

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die spezialisierte Palliativversorgung zielt darauf ab, die Lebensqualität von Menschen mit unheilbaren, fortgeschrittenen Erkrankungen zu verbessern. Dabei wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, der physische, psychologische, soziale und spirituelle Bedürfnisse der Patienten sowie ihrer Angehörigen berücksichtigt.

Immer mehr Krankenhäuser richten spezialisierte Palliativdienste ein. Diese können auf speziellen Stationen, als Konsiliardienst, in Ambulanzen oder als aufsuchendes Team im häuslichen Umfeld organisiert sein.

Der vorliegende Cochrane-Review untersucht die Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit dieser krankenhausbasierten Palliativversorgung im Vergleich zur Standardversorgung. Die Evidenz basiert auf 42 randomisierten kontrollierten Studien mit Patienten, die an Krebs oder anderen fortgeschrittenen Erkrankungen litten.

Die methodische Qualität der eingeschlossenen Studien wurde nach dem GRADE-System bewertet:

EvidenzgradBedeutung
HochSehr hohes Vertrauen, dass der wahre Effekt nahe am geschätzten Effekt liegt
ModeratModerates Vertrauen in den Effektschätzer
NiedrigBegrenztes Vertrauen in den Effektschätzer
Sehr niedrigSehr wenig Vertrauen in den Effektschätzer

Empfehlungen

Der Cochrane-Review fasst die Evidenz zur krankenhausbasierten spezialisierten Palliativversorgung (HSPC) wie folgt zusammen:

Lebensqualität und Symptomkontrolle

Laut Review gibt es Evidenz von niedriger bis sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit, dass HSPC im Vergleich zur Standardversorgung Vorteile bietet. Es wird eine geringfügige Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität der Patienten beobachtet (Standardisierte Mittelwertdifferenz [SMD] 0,26).

Zudem zeigt die Auswertung eine geringfügige Reduktion der allgemeinen Symptombelastung (SMD -0,26). Auch die Zufriedenheit der Patienten mit der erhaltenen Versorgung fällt unter HSPC höher aus.

Bevorzugter Sterbeort

Die Auswertung zeigt, dass Patienten, die eine HSPC erhalten, häufiger an ihrem bevorzugten Ort versterben. Gemessen an der Rate der Todesfälle im häuslichen Umfeld erhöht die Intervention die Wahrscheinlichkeit dafür signifikant (Odds Ratio 1,63).

Unklare Effekte und Sicherheit

Für einige Endpunkte reichte die Evidenz laut Review nicht aus, um sichere Schlüsse zu ziehen. So zeigte sich kein eindeutiger Unterschied bezüglich der Schmerzintensität oder der Belastung der Angehörigen.

Die Daten zur Wirtschaftlichkeit der HSPC waren über die Studien hinweg inkonsistent. Es wurden jedoch keine Hinweise auf schwere unerwünschte Ereignisse oder Schäden durch die HSPC gefunden.

Implikationen für die Praxis

Die Autoren des Reviews schlussfolgern, dass Kliniker den Einsatz von HSPC im Einzelfall in Betracht ziehen können. Ziel ist es dabei, die Lebensqualität und Symptombelastung zu verbessern. Es wird jedoch betont, dass keine Aussagen zu einer möglichen Lebensverlängerung durch diese Interventionen getroffen werden sollten.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Laut dem Cochrane-Review kann die krankenhausbasierte Palliativversorgung die Lebensqualität verbessern und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Patienten zu Hause versterben. Es wird jedoch betont, dass Behandler diese Interventionen nicht mit dem Versprechen einer Lebensverlängerung anbieten sollten. Zudem gibt es keine Hinweise darauf, dass die spezialisierte Palliativversorgung zu schweren unerwünschten Ereignissen führt.

Häufig gestellte Fragen

Der Cochrane-Review zeigt, dass eine spezialisierte Palliativversorgung im Krankenhaus die gesundheitsbezogene Lebensqualität und die Symptombelastung von Patienten geringfügig verbessern kann. Zudem steigt laut der Auswertung die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten an ihrem bevorzugten Ort, wie beispielsweise zu Hause, versterben.

Laut dem Review gibt es bislang keine eindeutige Evidenz dafür, dass die krankenhausbasierte Palliativversorgung Schmerzen besser lindert als die Standardversorgung. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Qualität der bisherigen Studien zu diesem spezifischen Endpunkt sehr niedrig ist.

Die Auswirkungen der krankenhausbasierten Palliativversorgung auf die Belastung von Angehörigen und ehrenamtlichen Betreuungspersonen sind derzeit unklar. Der Review fand in den wenigen dazu verfügbaren Studien keinen eindeutigen Unterschied zur Standardversorgung.

Die Evidenz zur Wirtschaftlichkeit der krankenhausbasierten Palliativversorgung ist laut dem Review inkonsistent. Während einige Studien keinen Unterschied in den Kosten zeigten, berichteten andere von Kosteneinsparungen, sodass keine abschließende Bewertung möglich ist.

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Quelle: Cochrane Review: The effectiveness and cost-effectiveness of hospital-based specialist palliative care for adults with advanced illness and their caregivers (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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