CochraneIa2021

Späte Kortikoide bei BPD: Prävention bei Frühgeborenen

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die bronchopulmonale Dysplasie (BPD) stellt eine schwerwiegende chronische Lungenerkrankung bei Frühgeborenen dar. Eine anhaltende Entzündung der Lungen gilt als wahrscheinlichste Ursache für die Pathogenese.

Kortikosteroide besitzen starke entzündungshemmende Eigenschaften und werden zur Prävention oder Behandlung der BPD eingesetzt. Es besteht jedoch die Sorge, dass mögliche schädliche Wirkungen den klinischen Nutzen überwiegen könnten.

Der vorliegende Cochrane Review (2021) untersucht die relativen Vorteile und Risiken einer späten systemischen Kortikosteroidtherapie. Diese ist definiert als eine Behandlung, die sieben oder mehr Tage nach der Geburt bei Frühgeborenen mit sich entwickelnder oder etablierter BPD begonnen wird.

Empfehlungen

Der Cochrane Review fasst die Evidenz zur späten systemischen Kortikosteroidgabe zusammen und leitet daraus Implikationen für die Praxis ab.

Klinische Wirksamkeit

Laut Review reduziert die späte systemische Kortikosteroidgabe die Mortalität bis zum zuletzt berichteten Alter signifikant (hohe Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Zudem wird die Rate an BPD im Alter von 36 Wochen postmenstruell wahrscheinlich gesenkt (moderate Vertrauenswürdigkeit).

Die Autoren betonen, dass diese positiven Effekte auf die BPD-Reduktion in den Subgruppenanalysen primär auf Dexamethason zurückzuführen sind. Für Hydrocortison konnte dieser spezifische Nutzen nicht eindeutig belegt werden.

Neurologische und systemische Nebenwirkungen

Die Meta-Analyse zeigt, dass die späte Kortikosteroidgabe insgesamt wenig bis keinen Einfluss auf das Risiko einer Zerebralparese hat (hohe Vertrauenswürdigkeit). Auch das Risiko für schwere neurologische Beeinträchtigungen, Erblindung oder Taubheit ist laut den Daten nicht signifikant erhöht.

Allerdings weist der Review auf signifikante kurzfristige Komplikationen der Therapie hin. Dazu gehören:

  • Erhöhtes Risiko für Hyperglykämie und Glukosurie

  • Erhöhtes Risiko für arterielle Hypertonie

  • Vermehrtes Auftreten einer hypertrophen Kardiomyopathie

  • Erhöhte Rate an schwerer Retinopathie des Frühgeborenen (ROP)

Implikationen für die Praxis

Aufgrund der begrenzten methodischen Qualität der Langzeitstudien und der bekannten Nebenwirkungen formulieren die Autoren eine zurückhaltende Anwendungsempfehlung. Es wird angeraten, die späte systemische Kortikosteroidgabe streng zu indizieren.

Die Therapie sollte laut Review folgenden Gruppen vorbehalten bleiben:

  • Frühgeborene ab einem Alter von sieben Tagen

  • Säuglinge, die nicht von der mechanischen Beatmung (über einen Endotrachealtubus) entwöhnt werden können

Für nicht-intubierte Säuglinge reicht die Evidenz laut den Autoren nicht aus, um eine späte systemische Kortikosteroidgabe zur BPD-Prävention zu rechtfertigen.

Dosierung

Der Review evaluiert verschiedene Dosierungsschemata aus den eingeschlossenen randomisierten kontrollierten Studien. Die Autoren betonen, dass Dosis und Dauer der Behandlung so gering wie möglich gehalten werden sollten.

WirkstoffTypisches Dosierungsschema (Beispiele aus Studien)Therapiedauer
Dexamethason (Standard)Initial 0,5 bis 1,0 mg/kg/Tag, ausschleichend3 Tage bis 6 Wochen
Dexamethason (Low-Dose, DART-Studie)Initial 0,15 mg/kg/Tag, schrittweise Reduktion (Gesamtdosis 0,89 mg/kg)10 Tage
HydrocortisonGesamtdosis 17 mg/kg bis 72,5 mg/kg7 bis 22 Tage

Kontraindikationen

Der Review nennt keine absoluten Kontraindikationen, warnt jedoch vor dem routinemäßigen Einsatz bei nicht-intubierten Frühgeborenen aufgrund unzureichender Evidenz. Zudem wird auf die potenziell schädliche Wirkung von Dexamethason auf das unreife Gehirn hingewiesen, weshalb die Indikation streng gestellt werden muss.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Der Review betont, dass der Einsatz später systemischer Kortikoide auf Frühgeborene beschränkt bleiben sollte, die ab dem siebten Lebenstag nicht von der invasiven mechanischen Beatmung entwöhnt werden können. Es wird nachdrücklich angeraten, sowohl die Dosis als auch die Dauer der Kortikosteroidtherapie so gering wie möglich zu halten, um kurzfristige metabolische und kardiovaskuläre Nebenwirkungen zu minimieren.

Häufig gestellte Fragen

Laut dem Cochrane Review hat die späte systemische Kortikosteroidgabe (ab Tag 7) wenig bis keinen Einfluss auf das Risiko einer Zerebralparese. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz wird als hoch eingestuft.

Die Daten zeigen, dass Dexamethason die Rate an bronchopulmonaler Dysplasie (BPD) im Alter von 36 Wochen postmenstruell signifikant senkt. Für Hydrocortison konnte dieser spezifische Effekt in den analysierten Studien nicht nachgewiesen werden.

Der Review identifiziert signifikante kurzfristige Nebenwirkungen wie Hyperglykämie, arterielle Hypertonie und hypertrophe Kardiomyopathie. Zudem wird eine erhöhte Rate an schwerer Retinopathie des Frühgeborenen (ROP) beobachtet.

Die Autoren schlussfolgern, dass die aktuelle Evidenz nicht ausreicht, um den Einsatz später systemischer Kortikoide bei nicht-intubierten Säuglingen zu empfehlen. Die Therapie sollte auf beatmungsabhängige Kinder beschränkt bleiben.

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Quelle: Cochrane Review: Late (≥ 7 days) systemic postnatal corticosteroids for prevention of bronchopulmonary dysplasia in preterm infants (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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