NICE

Soziale Phobie (SAD): Screening, Diagnostik, Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die soziale Phobie gehört zu den häufigsten Angststörungen und ist durch eine anhaltende Angst vor sozialen Situationen oder Leistungssituationen gekennzeichnet. Betroffene fürchten, sich peinlich oder demütigend zu verhalten, was zu starkem Vermeidungsverhalten führt.

Die Erkrankung beginnt oft früh, mit einem medianen Alter von 13 Jahren, und verläuft häufig chronisch. Sie beeinträchtigt die soziale, schulische und berufliche Funktionsfähigkeit erheblich und geht oft mit Komorbiditäten wie Depressionen oder Substanzmissbrauch einher.

Trotz des hohen Leidensdrucks sucht laut NICE-Leitlinie nur etwa die Hälfte der Betroffenen professionelle Hilfe auf, oft erst nach vielen Jahren. Eine frühzeitige Erkennung in der Primärversorgung und im schulischen Umfeld ist daher von großer Bedeutung.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Versorgung von Menschen mit sozialer Phobie:

Zugang und Kommunikation

Es wird empfohlen, Termine flexibel und außerhalb von Stoßzeiten anzubieten. Zudem sollten detaillierte Vorabinformationen zu Räumlichkeiten und Abläufen bereitgestellt werden.

Bei Kindern und Jugendlichen sollte die Kommunikation an das Alter angepasst werden. Es wird angeraten, die Eltern eng in den Prozess einzubeziehen.

Screening und Diagnostik

Zur Identifikation bei Erwachsenen wird der 3-Item Mini-Social Phobia Inventory (Mini-SPIN) oder zwei gezielte Fragen zu Vermeidungsverhalten und Scham empfohlen. Bei einem Mini-SPIN-Score von 6 oder mehr sollte ein umfassendes Assessment erfolgen.

Das Assessment sollte Angst, Vermeidung, Leidensdruck und funktionelle Beeinträchtigungen erfassen. Zudem wird empfohlen, auf Komorbiditäten wie Depressionen, Autismus oder Substanzmissbrauch zu achten.

Therapie bei Erwachsenen

Als Erstlinientherapie wird eine spezifisch für die soziale Phobie entwickelte, individuelle kognitive Verhaltenstherapie (KVT) empfohlen.

Falls eine KVT abgelehnt wird, kommen folgende Optionen in Betracht:

  • KVT-basierte angeleitete Selbsthilfe

  • Pharmakotherapie mit einem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)

  • Kurzzeitige psychodynamische Psychotherapie (bei Ablehnung von KVT und Medikamenten)

Bei unzureichendem Ansprechen auf ein SSRI nach 10 bis 12 Wochen wird die Kombination mit einer individuellen KVT empfohlen.

Therapie bei Kindern und Jugendlichen

Für Kinder und Jugendliche wird eine individuelle oder gruppenbasierte KVT empfohlen. Es wird betont, dass Eltern oder Betreuungspersonen in die Behandlung einbezogen werden sollten.

Eine routinemäßige medikamentöse Therapie der sozialen Phobie bei Kindern und Jugendlichen wird nicht empfohlen.

Dosierung

Für Erwachsene, die eine medikamentöse Therapie bevorzugen oder bei denen eine KVT nicht ausreichend wirkt, werden folgende pharmakologische Optionen empfohlen:

TherapielinieWirkstoffklasseEmpfohlene Wirkstoffe
ErstlinientherapieSSRIEscitalopram, Sertralin
ZweitlinientherapieSSRI oder SNRIFluvoxamin, Paroxetin, Venlafaxin
DrittlinientherapieMAO-HemmerPhenelzin, Moclobemid

Es wird empfohlen, die Medikation bei gutem Ansprechen in den ersten 3 Monaten für mindestens weitere 6 Monate fortzuführen.

Kontraindikationen

Es wird von folgenden Interventionen zur Behandlung der sozialen Phobie abgeraten:

  • Routinemäßige Gabe von Antikonvulsiva, trizyklischen Antidepressiva, Benzodiazepinen oder Antipsychotika bei Erwachsenen

  • Johanniskraut oder andere rezeptfreie Präparate gegen Angstzustände

  • Botulinumtoxin zur Behandlung von Hyperhidrose bei sozialer Phobie

  • Endoskopische thorakale Sympathektomie gegen Erröten oder Schwitzen

  • Achtsamkeitsbasierte Interventionen (z. B. MBSR, MBCT) als Routinebehandlung

ClariMed durchsucht 14.000+ weitere Leitlinien
Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Es wird empfohlen, bei Personen unter 30 Jahren, die ein SSRI oder SNRI erhalten, das erhöhte Risiko für suizidale Gedanken und Selbstverletzungen zu beachten und diese innerhalb der ersten Woche nach Verschreibung engmaschig zu überwachen.

Häufig gestellte Fragen

Es wird der 3-Item Mini-Social Phobia Inventory (Mini-SPIN) oder die gezielte Abfrage von Vermeidungsverhalten und Scham empfohlen. Bei Auffälligkeiten sollte ein umfassendes klinisches Assessment erfolgen.

Als Erstlinientherapie wird eine spezifisch für die soziale Phobie entwickelte, individuelle kognitive Verhaltenstherapie (KVT) empfohlen. Gruppenbasierte KVT sollte bei Erwachsenen nicht routinemäßig der Einzeltherapie vorgezogen werden.

Eine routinemäßige medikamentöse Therapie der sozialen Phobie bei Kindern und Jugendlichen wird nicht empfohlen. Stattdessen wird eine individuelle oder gruppenbasierte KVT unter Einbezug der Eltern angeraten.

Wenn die Symptome in den ersten 3 Monaten gut auf die Medikation ansprechen, wird empfohlen, diese für mindestens weitere 6 Monate beizubehalten. Beim Absetzen sollte die Dosis schrittweise reduziert werden.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: CG159: Social anxiety disorder: recognition, assessment and treatment (NICE). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien

Über Google hier gelandet?

ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien

AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.

Kostenloses Konto erstellen
Keine Kreditkarte. DSGVO-konform. In Deutschland gehostet.