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Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN)2022AllgemeinmedizinInnere Medizin

Buprenorphin-Depot (Buvidal): Leitlinie (SIGN)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Indiziert ab 16 Jahren zur Opioid-Substitution, wenn Methadon ungeeignet ist.
  • Ausschließliche subkutane Injektion (wöchentlich oder monatlich); intravenöse Gabe ist streng kontraindiziert.
  • Vor Therapiebeginn müssen objektive Zeichen eines leichten bis mittelschweren Entzugs vorliegen.
  • Bei Umstellung von Methadon darf die maximale Tagesdosis 30 mg betragen (Karenzzeit mind. 24 Stunden).
  • Bei akuten Schmerzen unter Buvidal-Therapie können höhere Dosen kurzwirksamer Opioide erforderlich sein.
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Hintergrund

Die Opioid-Substitutionstherapie (OST) ist ein zentraler Baustein zur Reduktion des Missbrauchs von Opioiden und damit verbundener Schäden. Neben Methadon ist Buprenorphin eine etablierte Therapieoption. Langwirksames, injizierbares Buprenorphin (Buvidal®) ermöglicht als Depotpräparat Dosierungsintervalle von einer Woche bis zu einem Monat und bietet Patienten mehr Flexibilität im Alltag.

Indikation und Patientenauswahl

Buvidal® ist indiziert zur Behandlung der Opioidabhängigkeit bei Patienten ab 16 Jahren im Rahmen einer medizinischen, sozialen und psychologischen Betreuung.

  • Der Einsatz wird empfohlen, wenn Methadon ungeeignet ist und Buprenorphin als angemessen erachtet wird.
  • Die Patienten müssen in der Lage sein, eine informierte Einwilligung zu geben und die Risiken (z. B. Sedierung, Überdosierung bei Beikonsum) zu verstehen.

Kontraindikationen

Die Gabe von langwirksamem Buprenorphin ist kontraindiziert bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder Hilfsstoffe (z. B. Soja-Phosphatidylcholin, Ethanol bei wöchentlicher Gabe)
  • Schwerer Ateminsuffizienz
  • Schwerer Leberinsuffizienz
  • Akutem Alkoholismus oder Delirium tremens

Therapiebeginn und Umstellung

Um entzugsähnliche Symptome zu vermeiden, darf die Therapie erst begonnen werden, wenn objektive Zeichen eines leichten bis mittelschweren Entzugs vorliegen.

  • Kurzwirksame Opioide (z. B. Heroin): Frühestens 6 Stunden nach dem letzten Konsum.
  • Methadon: Dosis muss vorab auf maximal 30 mg/Tag reduziert werden. Die erste Buvidal-Gabe darf frühestens 24 Stunden nach der letzten Methadon-Dosis erfolgen.
  • Buprenorphin-naïve Patienten: Vor der ersten Depot-Injektion sollte eine Testdosis von 4 mg sublingualem Buprenorphin verabreicht und der Patient eine Stunde beobachtet werden, um die Verträglichkeit zu sichern.

Dosiskonvertierung (Sublingual zu Depot)

Sublinguales Buprenorphin (Tagesdosis)Buvidal wöchentlichBuvidal monatlich
8–10 mg16 mg64 mg
12–16 mg24 mg96 mg
18–24 mg32 mg128 mg
26–32 mg-160 mg

Applikation und Dosierung

Die Verabreichung darf ausschließlich durch medizinisches Fachpersonal erfolgen. Eine Mitgabe an den Patienten zur Selbstanwendung (Take-home) ist nicht gestattet.

  • Applikationsweg: Ausschließlich subkutan (Gesäß, Oberschenkel, Abdomen oder Oberarm).
  • Warnhinweis: Niemals intravasal, intramuskulär oder intradermal injizieren! Bei Kontakt mit Körperflüssigkeiten bildet das Präparat eine feste Masse, was zu schweren Gefäßverletzungen oder Thromboembolien führen kann.
  • Injektionsort: Die Einstichstellen müssen bei jeder Gabe gewechselt werden.

Schmerzmanagement unter Buprenorphin-Depot

Buvidal® ist nicht zur Schmerztherapie zugelassen.

  • Akuter Schmerz: Es kann eine Kombination aus hochaffinen Opioiden (z. B. Fentanyl), Nicht-Opioiden und Regionalanästhesie erforderlich sein. Aufgrund der Rezeptorblockade durch Buprenorphin werden oft höhere Dosen kurzwirksamer Opioide benötigt. Eine strenge Überwachung ist zwingend erforderlich.
  • Chronischer Schmerz: Multimodales Konzept unter Einbezug von Physiotherapie, psychologischer Unterstützung und nicht-opioiden Analgetika. Die Verschreibung multipler Opioide sollte vermieden werden.

💡Praxis-Tipp

Injizieren Sie Buvidal niemals intravasal, da das Depot bei Kontakt mit Blut eine feste Masse bildet und schwere Thromboembolien verursachen kann. Warten Sie bei Methadon-Patienten zwingend 24 Stunden nach der letzten Dosis (max. 30 mg).

Häufig gestellte Fragen

Wenn objektive Zeichen eines leichten bis mittelschweren Entzugs vorliegen. Bei kurzwirksamen Opioiden frühestens nach 6 Stunden, bei Methadon (max. 30 mg/Tag) frühestens nach 24 Stunden.
Ausschließlich subkutan (Gesäß, Oberschenkel, Abdomen, Oberarm). Die Injektionsstellen sollten regelmäßig gewechselt werden.
Es gibt ein Toleranzfenster: Die wöchentliche Dosis kann bis zu 2 Tage vor oder nach dem Termin gegeben werden, die monatliche Dosis bis zu einer Woche davor oder danach.
Bei akuten Schmerzen können höhere Dosen an kurzwirksamen Opioiden erforderlich sein, da Buprenorphin die Rezeptoren partiell blockiert. Eine engmaschige Überwachung ist notwendig.

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