Sepsis bei Kindern: Therapie des septischen Schocks
Hintergrund
Sepsis und der septische Schock sind lebensbedrohliche Notfälle, die ein schnelles und zielgerichtetes klinisches Handeln erfordern. Kinder, vom Säuglings- bis zum Jugendalter, stellen hierbei eine besonders vulnerable Patientengruppe dar.
Die "Surviving Sepsis Campaign Children Guidelines 2026" stellen ein Update der vorherigen Leitlinienversion aus dem Jahr 2020 dar. Ein Gremium aus 68 internationalen Experten, das 13 Organisationen repräsentiert, hat die aktuellen Empfehlungen erarbeitet.
Die Methodik basierte auf dem GRADE-Ansatz zur Bewertung der Evidenzqualität. Diese Zusammenfassung basiert ausschließlich auf dem Abstract der Leitlinie, da der Volltext für diese Auswertung nicht vorlag.
Klinischer Kontext
Die pädiatrische Sepsis ist weltweit eine der führenden Todesursachen bei Kindern und Säuglingen. Die Inzidenz ist besonders in den ersten Lebensjahren sowie bei Frühgeborenen und immunsupprimierten Patienten stark erhöht.
Der Erkrankung liegt eine dysregulierte Wirtsantwort auf eine Infektion zugrunde, die zu lebensbedrohlichen Organdysfunktionen führt. Dabei kommt es zu einer komplexen Interaktion aus pro- und antiinflammatorischen Kaskaden, endothelialer Schädigung und Mikrozirkulationsstörungen.
Für behandelnde Ärzte stellt die frühzeitige Erkennung eine enorme Herausforderung dar, da die initialen Symptome bei Kindern oft unspezifisch sind. Ein verzögerter Therapiebeginn korreliert jedoch direkt mit einer signifikant erhöhten Mortalität und Morbidität.
Die Diagnose stützt sich auf die klinische Beurteilung von Vitalparametern, Perfusionszeichen und dem Bewusstseinszustand in Kombination mit laborchemischen Infektions- und Organparametern. Blutkulturen und eine rasche Fokussuche sind essenziell, um den Erreger zu identifizieren und gezielt zu behandeln.
Wissenswertes
Die physiologischen Vitalparameter bei Kindern verändern sich mit dem Alter, weshalb Tachykardie, Tachypnoe und Blutdruckwerte immer alterskorrigiert beurteilt werden müssen. Eine Hypotonie ist bei Kindern oft ein spätes Zeichen einer Sepsis und deutet auf eine bereits fortgeschrittene Dekompensation hin.
Zu den frühen, aber oft unspezifischen Warnzeichen gehören Verhaltensänderungen, Lethargie, Trinkschwäche und eine verlängerte Rekapillarisierungszeit. Auch eine unerklärliche Tachykardie oder Tachypnoe, die nicht durch Fieber allein erklärbar ist, gilt als wichtiges klinisches Alarmsignal.
Die empirische antimikrobielle Therapie richtet sich nach dem vermuteten Fokus, dem Alter des Kindes und lokalen Resistenzmustern. Bei Neugeborenen und jungen Säuglingen müssen typische Erreger wie Gruppe-B-Streptokokken, E. coli und Listerien zwingend abgedeckt werden.
Die Volumengabe ist ein zentraler Pfeiler der initialen Stabilisierung, wobei balancierte kristalloide Lösungen bevorzugt eingesetzt werden. Die Menge und Geschwindigkeit der Flüssigkeitsgabe muss engmaschig reevaluiert werden, um eine drohende Volumenüberladung zu vermeiden.
Bei persistierender Schocksymptomatik trotz adäquater Volumengabe ist der frühzeitige Einsatz von vasoaktiven Substanzen indiziert. Epinephrin oder Norepinephrin werden häufig als Mittel der ersten Wahl eingesetzt, abhängig vom vorliegenden hämodynamischen Phänotyp des Schocks.
Die Sensitivität von Blutkulturen korreliert direkt mit dem abgenommenen Blutvolumen, weshalb alters- und gewichtsadaptierte Mindestmengen angestrebt werden. Die Abnahme sollte idealerweise vor der ersten Antibiotikagabe erfolgen, darf diese jedoch bei kritisch kranken Kindern nicht signifikant verzögern.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Da die Leitlinie betont, dass die meisten Aspekte der pädiatrischen Sepsisversorgung auf einer relativ niedrigen Evidenzqualität beruhen, wird eine kritische klinische Einzelfallentscheidung empfohlen. Bei fehlender Evidenz können die von der Leitlinie formulierten "In our practice"-Statements als praxisnahe Orientierungshilfe dienen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie richtet sich an Behandler von Säuglingen, Schulkindern und Jugendlichen mit Sepsis oder septischem Schock.
Laut Leitlinie ist die Evidenzqualität in der pädiatrischen Sepsisversorgung weiterhin relativ niedrig. Nur drei der Empfehlungen basieren auf einer hohen oder moderaten Evidenzsicherheit.
Diese Statements wurden vom Expertenpanel für Fragestellungen entwickelt, bei denen die Evidenz für eine formelle Empfehlung nicht ausreicht. Sie sollen eine Orientierung basierend auf etablierten Praxisgewohnheiten bieten.
Die vollständige Liste der Empfehlungen, Tabellen und ergänzenden Materialien ist laut Abstract auf der Website der Society of Critical Care Medicine (SCCM) abrufbar.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: SSC: Surviving Sepsis Campaign Children Guidelines 2026 (IDSA, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Surviving Sepsis Campaign International Guidelines for the Management of Septic Shock and Sepsis-Associated Organ Dysfunction in Children
Surviving Sepsis Campaign Adult Guidelines 2021
SSC: Surviving Sepsis Campaign Adult Guidelines 2026
Surviving Sepsis Campaign: International Guidelines for Management of Sepsis and Septic Shock 2021
ACEP: Suspected Sepsis Report
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen