Sepsis bei Kindern: Diagnostik und Frühtherapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2025)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Sepsis bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der eine sofortige Erkennung und Behandlung erfordert. Die NICE-Leitlinie NG254 liefert strukturierte Vorgaben zur Diagnostik und zum frühen klinischen Management.

Zu den besonders vulnerablen Gruppen gehören Säuglinge unter einem Jahr, Kinder mit chronischen Erkrankungen oder Immunschwäche sowie Kinder nach kürzlichen chirurgischen Eingriffen. Auch Kommunikationsbarrieren oder kognitive Einschränkungen erhöhen das Risiko für ein verspätetes Erkennen der Symptome.

Die Leitlinie betont, dass die klinische Präsentation oft unspezifisch ist. Ein fehlendes Fieber schließt eine Sepsis nicht aus, weshalb eine strukturierte Risikostratifizierung anhand verschiedener klinischer Parameter essenziell ist.

Empfehlungen

Klinische Einschätzung und Risikostratifizierung

Die NICE-Leitlinie empfiehlt eine strukturierte Erfassung der Vitalparameter. Dazu gehören Temperatur, Herzfrequenz, Atemfrequenz, Bewusstseinslage, Sauerstoffsättigung und bei Kindern unter 12 Jahren die Rekapillarisierungszeit.

Anhand dieser Parameter wird das Risiko für einen schweren Verlauf in die Stufen hoch, moderat bis hoch und niedrig eingeteilt.

Es wird empfohlen, bei der körperlichen Untersuchung besonders auf folgende klinische Warnzeichen zu achten:

  • Marmorierte oder aschfahle Hautfarbe

  • Zyanose von Haut, Lippen oder Zunge

  • Nicht wegdrückbare petechiale oder purpuriforme Ausschläge

Diagnostik bei hohem Risiko

Bei Vorliegen von mindestens einem Hochrisiko-Kriterium empfiehlt die Leitlinie eine sofortige ärztliche Beurteilung durch einen erfahrenen Kliniker.

Folgende venöse Blutuntersuchungen werden vor der ersten Antibiotikagabe empfohlen:

  • Blutgasanalyse inklusive Glukose und Laktat

  • Blutkulturen und großes Blutbild

  • CRP, Harnstoff, Elektrolyte, Kreatinin, Leberwerte und Gerinnungsstatus

Frühtherapie und Monitoring

Laut Leitlinie wird die Gabe eines Breitbandantibiotikums innerhalb von einer Stunde nach Feststellung eines Hochrisiko-Kriteriums empfohlen.

Bei einem Laktatwert über 4 mmol/l oder Zeichen eines Schocks wird eine sofortige intravenöse Flüssigkeitsgabe empfohlen. Gleichzeitig sollte ein Spezialist für Intensivmedizin zur weiteren Therapieplanung hinzugezogen werden.

Es wird eine kontinuierliche Überwachung oder eine Kontrolle mindestens alle 30 Minuten empfohlen. Reagiert das Kind nicht innerhalb einer Stunde auf die Maßnahmen, ist ein Facharzt hinzuzuziehen.

Fokussuche

Zur Identifikation des Infektionsherdes wird bei allen Kindern eine Urinuntersuchung und ein Röntgen-Thorax empfohlen.

Bei Säuglingen unter einem Monat sowie bei unklarem Zustand im Alter von 1 bis 3 Monaten wird eine Lumbalpunktion empfohlen, sofern keine Kontraindikationen vorliegen.

Dosierung

Die Leitlinie gibt spezifische Dosierungsempfehlungen für die empirische Antibiotikatherapie und die Volumengabe bei Verdacht auf Sepsis.

Empirische Antibiotikatherapie

PatientengruppeMedikamentDosierung
Neugeborene (< 28 Tage), im KrankenhausBenzylpenicillin + GentamicinIntravenös nach lokalem Standard
Neugeborene (< 28 Tage), ambulant erworben, > 40 SSWCeftriaxon50 mg/kg 1x täglich
Neugeborene (< 28 Tage), ambulant erworben, ≤ 40 SSWCefotaxim50 mg/kg alle 6-12 Stunden
Säuglinge (< 3 Monate)Ampicillin oder AmoxicillinZusätzlich zur Basistherapie (Listerien-Schutz)
Kinder und Jugendliche (28 Tage bis < 16 Jahre)Ceftriaxon80 mg/kg 1x täglich (max. 4 g/Tag)

Intravenöse Volumentherapie

PatientengruppeFlüssigkeitstypDosierung
Neugeborene (< 28 Tage)Glukosefreie Kristalloide (Na 130-154 mmol/l)Bolus von 10-20 ml/kg über < 10 Minuten
Kinder (< 16 Jahre)Glukosefreie Kristalloide (Na 130-154 mmol/l)Bolus von 10 ml/kg über < 10 Minuten (max. 250 ml)

Kontraindikationen

Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, sich zum Ausschluss einer Sepsis allein auf das Vorhandensein oder Fehlen von Fieber zu verlassen.

Bei Neugeborenen, die eine intravenöse Kalziuminfusion erhalten, ist Ceftriaxon kontraindiziert. In diesem Fall wird stattdessen die Gabe von Cefotaxim empfohlen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fallstrick ist die alleinige Fokussierung auf die Körpertemperatur. Die Leitlinie betont, dass insbesondere Säuglinge, Kinder mit chronischen Erkrankungen oder schwer kranke Kinder mit Sepsis oft kein Fieber entwickeln. Zudem wird darauf hingewiesen, dass ein unauffälliger Blutdruck eine Sepsis bei Kindern nicht ausschließt.

Häufig gestellte Fragen

Die NICE-Leitlinie empfiehlt die Gabe eines Breitbandantibiotikums innerhalb von einer Stunde, sobald mindestens ein Hochrisiko-Kriterium für eine Sepsis festgestellt wurde. Blutkulturen sollten idealerweise vor der Gabe abgenommen werden.

Es wird die Verwendung von glukosefreien Kristalloiden mit einem Natriumgehalt von 130 bis 154 mmol/l empfohlen. Die Leitlinie rät zu Boli von 10 ml/kg (bzw. 10-20 ml/kg bei Neugeborenen) über einen Zeitraum von weniger als 10 Minuten.

Laut Leitlinie sollte bei Säuglingen unter 3 Monaten zusätzlich zur kalkulierten Basistherapie ein Antibiotikum verabreicht werden, das gegen Listerien wirksam ist. Hierfür werden Ampicillin oder Amoxicillin empfohlen.

Ein normaler Blutdruck schließt eine Sepsis bei Kindern unter 16 Jahren nicht aus. Die Leitlinie weist darauf hin, dass der Blutdruck immer im Kontext der anderen Vitalparameter und des klinischen Gesamtbildes interpretiert werden sollte.

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Quelle: Suspected sepsis in under 16s: recognition, diagnosis and early management (NICE, 2025). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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