ClariMedClariMed
Society of Critical Care Medicine (SCCM)2016Critical CareNutrition

Ernährung bei ECMO: ELSO-Konsensus 2025

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Society of Critical Care Medicine (SCCM) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein Ernährungsspezialist sollte zwingend Teil des multidisziplinären ECMO-Behandlungsteams sein.
  • Ein vollständiges Ernährungsassessment ist bei allen Patienten innerhalb von 72 Stunden nach Aufnahme durchzuführen.
  • Eine frühe enterale Ernährung (EN) wird empfohlen, bei unkontrolliertem Schock jedoch verzögert oder niedrig dosiert.
  • Energie- und Proteinziele sollten in den ersten 3 Tagen bei <70 % des berechneten Bedarfs liegen.
  • Parenterale Ernährung (PN) ist nach 72 Stunden EN-Intoleranz zu erwägen, erfordert aber ein Monitoring des Oxygenators.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Patienten an der extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) stellen aufgrund schwerer akuter Erkrankungen, veränderter gastrointestinaler Motilität und anhaltender kataboler Zustände eine besondere Herausforderung für die Ernährungstherapie dar. Die ELSO-Konsensus-Leitlinie liefert spezifische Empfehlungen für diese vulnerable Patientengruppe.

Ernährungsassessment und Indikation

Ein Ernährungsspezialist (z. B. Diätassistent) sollte zwingend Teil des multidisziplinären ECMO-Teams sein (starker Konsens 100 %).

  • Assessment: Vollständiges Ernährungsassessment innerhalb von 72 Stunden nach Aufnahme, danach wöchentlich.
  • Tools: Subjective Global Assessment (SGA) oder GLIM-Kriterien sind akzeptabel.
  • Indikation: Alle ECMO-Patienten müssen für eine medizinische Ernährungstherapie in Betracht gezogen werden, unabhängig vom vorherigen Ernährungsstatus.

Enterale Ernährung (EN) und Toleranzmanagement

Eine frühe enterale Ernährung (EN) wird empfohlen, sofern keine Kontraindikationen bestehen (starker Konsens 100 %). Bei unkontrolliertem schwerem Schock sollte die EN verzögert oder nur in niedriger Dosis begonnen werden.

Bei gastrointestinaler Intoleranz wird folgendes Stufenschema empfohlen:

MaßnahmeIndikation / ZielBemerkung
ProkinetikaVerzögerte Magenentleerung (GRV >250 ml/4h)Konsens 87,5 %
LaxanzienPrävention eines IleusDosis anpassen, um Stuhlvolumen <1 L/Tag zu halten (starker Konsens 100 %)
Postpylorische SondePersistierende, Prokinetika-refraktäre EntleerungsstörungAlternativ parenterale Ernährung (PN), falls Anlage nicht möglich

Parenterale Ernährung (PN)

Die parenterale Ernährung sollte erwogen werden, wenn nach 72 Stunden eine Intoleranz gegenüber der EN besteht oder kein enteraler Zugang geschaffen werden kann (starker Konsens 100 %).

  • Monitoring bei PN: Triglyceridspiegel und visuelle Inspektion des Membranoxygenators auf Clotting (Konsens 87,5 %).
  • Komplikationsmanagement: Bei Verdacht auf sauerstoffatorbezogene Komplikationen (Lipidinfiltration) sollte eine lipidfreie PN erwogen werden.

Energie- und Proteinziele

Da die indirekte Kalorimetrie durch den extrakorporalen Gasaustausch fehleranfällig ist, wird eine gewichtsbasierte Schätzung empfohlen.

PhaseEnergieProtein
Tag 1-3 (Akutphase)<70 % des Ziels<70 % des Ziels
Ab Tag 4Steigerung auf Zielwert (Vermeidung von Underfeeding)Steigerung auf Zielwert
Zielwert (Berechnung)25 kcal/kg KG/TagMax. 1,3 g/kg/Tag (weniger bei AKI/schwerer Krankheit)

Wache und nicht-beatmete Patienten

Für wache ECMO-Patienten mit oraler Nahrungsaufnahme gilt: Wenn die orale Zufuhr über 72 Stunden trotz maximaler Förderung nur 50-75 % der Energie- und Proteinziele erreicht, muss eine Eskalation zur EN (allein oder supplementierend) dringend erwogen werden (starker Konsens 100 %).

💡Praxis-Tipp

Überwachen Sie bei parenteraler Ernährung (PN) regelmäßig die Triglyceride und inspizieren Sie den Membranoxygenator auf Clotting. Beginnen Sie die Ernährung in den ersten 3 Tagen hypokalorisch (<70 % des Ziels).

Häufig gestellte Fragen

Eine frühe enterale Ernährung wird empfohlen, außer bei Patienten mit unkontrolliertem schwerem Schock. Hier sollte die Ernährung verzögert oder niedrig dosiert gestartet werden.
Mangels validierter indirekter Kalorimetrie wird ein Zielwert von 25 kcal/kg KG/Tag empfohlen. In den ersten 3 Tagen sollten jedoch <70 % dieses Ziels angestrebt werden.
Maximal 1,3 g/kg/Tag. Bei akutem Nierenversagen (AKI) oder sehr hoher Krankheitsschwere sollte die Dosis eher niedriger angesetzt werden.
Nach 72 Stunden Intoleranz gegenüber der enteralen Ernährung oder wenn kein enteraler Zugang (z. B. postpylorische Sonde) geschaffen werden kann.
Die Triglyceridspiegel müssen überwacht und der Membranoxygenator visuell auf Clotting geprüft werden, da Lipide das System beeinträchtigen können.

Verwandte Leitlinien