Ernährung bei ECMO: ELSO-Konsensus 2025
📋Auf einen Blick
- •Ein Ernährungsspezialist sollte zwingend Teil des multidisziplinären ECMO-Behandlungsteams sein.
- •Ein vollständiges Ernährungsassessment ist bei allen Patienten innerhalb von 72 Stunden nach Aufnahme durchzuführen.
- •Eine frühe enterale Ernährung (EN) wird empfohlen, bei unkontrolliertem Schock jedoch verzögert oder niedrig dosiert.
- •Energie- und Proteinziele sollten in den ersten 3 Tagen bei <70 % des berechneten Bedarfs liegen.
- •Parenterale Ernährung (PN) ist nach 72 Stunden EN-Intoleranz zu erwägen, erfordert aber ein Monitoring des Oxygenators.
Hintergrund
Patienten an der extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) stellen aufgrund schwerer akuter Erkrankungen, veränderter gastrointestinaler Motilität und anhaltender kataboler Zustände eine besondere Herausforderung für die Ernährungstherapie dar. Die ELSO-Konsensus-Leitlinie liefert spezifische Empfehlungen für diese vulnerable Patientengruppe.
Ernährungsassessment und Indikation
Ein Ernährungsspezialist (z. B. Diätassistent) sollte zwingend Teil des multidisziplinären ECMO-Teams sein (starker Konsens 100 %).
- Assessment: Vollständiges Ernährungsassessment innerhalb von 72 Stunden nach Aufnahme, danach wöchentlich.
- Tools: Subjective Global Assessment (SGA) oder GLIM-Kriterien sind akzeptabel.
- Indikation: Alle ECMO-Patienten müssen für eine medizinische Ernährungstherapie in Betracht gezogen werden, unabhängig vom vorherigen Ernährungsstatus.
Enterale Ernährung (EN) und Toleranzmanagement
Eine frühe enterale Ernährung (EN) wird empfohlen, sofern keine Kontraindikationen bestehen (starker Konsens 100 %). Bei unkontrolliertem schwerem Schock sollte die EN verzögert oder nur in niedriger Dosis begonnen werden.
Bei gastrointestinaler Intoleranz wird folgendes Stufenschema empfohlen:
| Maßnahme | Indikation / Ziel | Bemerkung |
|---|---|---|
| Prokinetika | Verzögerte Magenentleerung (GRV >250 ml/4h) | Konsens 87,5 % |
| Laxanzien | Prävention eines Ileus | Dosis anpassen, um Stuhlvolumen <1 L/Tag zu halten (starker Konsens 100 %) |
| Postpylorische Sonde | Persistierende, Prokinetika-refraktäre Entleerungsstörung | Alternativ parenterale Ernährung (PN), falls Anlage nicht möglich |
Parenterale Ernährung (PN)
Die parenterale Ernährung sollte erwogen werden, wenn nach 72 Stunden eine Intoleranz gegenüber der EN besteht oder kein enteraler Zugang geschaffen werden kann (starker Konsens 100 %).
- Monitoring bei PN: Triglyceridspiegel und visuelle Inspektion des Membranoxygenators auf Clotting (Konsens 87,5 %).
- Komplikationsmanagement: Bei Verdacht auf sauerstoffatorbezogene Komplikationen (Lipidinfiltration) sollte eine lipidfreie PN erwogen werden.
Energie- und Proteinziele
Da die indirekte Kalorimetrie durch den extrakorporalen Gasaustausch fehleranfällig ist, wird eine gewichtsbasierte Schätzung empfohlen.
| Phase | Energie | Protein |
|---|---|---|
| Tag 1-3 (Akutphase) | <70 % des Ziels | <70 % des Ziels |
| Ab Tag 4 | Steigerung auf Zielwert (Vermeidung von Underfeeding) | Steigerung auf Zielwert |
| Zielwert (Berechnung) | 25 kcal/kg KG/Tag | Max. 1,3 g/kg/Tag (weniger bei AKI/schwerer Krankheit) |
Wache und nicht-beatmete Patienten
Für wache ECMO-Patienten mit oraler Nahrungsaufnahme gilt: Wenn die orale Zufuhr über 72 Stunden trotz maximaler Förderung nur 50-75 % der Energie- und Proteinziele erreicht, muss eine Eskalation zur EN (allein oder supplementierend) dringend erwogen werden (starker Konsens 100 %).
💡Praxis-Tipp
Überwachen Sie bei parenteraler Ernährung (PN) regelmäßig die Triglyceride und inspizieren Sie den Membranoxygenator auf Clotting. Beginnen Sie die Ernährung in den ersten 3 Tagen hypokalorisch (<70 % des Ziels).