PADIS-Leitlinie (SCCM): Sedierung & Delir auf der ICU
📋Auf einen Blick
- •Dexmedetomidin wird gegenüber Propofol zur Sedierung bevorzugt (bedingte Empfehlung).
- •Erweiterte Frühmobilisation wird gegenüber der Standardmobilisation empfohlen.
- •Melatonin wird zur Behandlung von Schlafstörungen auf der Intensivstation empfohlen.
- •Für Benzodiazepine bei Angst und Antipsychotika bei Delir konnte keine Empfehlung ausgesprochen werden.
Hintergrund
Kritisch kranke Erwachsene haben während und nach einem Aufenthalt auf der Intensivstation (ICU) ein hohes Risiko für belastende Symptome. Das Management dieser Symptome beeinflusst die klinischen Outcomes direkt. Dieses fokussierte Update erweitert die PADIS-Leitlinie der Society of Critical Care Medicine (SCCM) aus dem Jahr 2018.
Die Leitliniengruppe bestand aus 24 interprofessionellen Mitgliedern (Pflegekräfte, Ärzte, Apotheker, Physiotherapeuten, Psychologen und ICU-Überlebende) und nutzte die GRADE-Methodik zur Bewertung der Evidenz.
Fünf Kernbereiche und Empfehlungen
Das Update fokussiert sich auf fünf Hauptbereiche bei erwachsenen Intensivpatienten. Für drei Bereiche konnten bedingte Empfehlungen ausgesprochen werden, für zwei Bereiche reichte die Evidenz nicht für eine Empfehlung aus.
| Klinischer Bereich | Intervention | Leitlinien-Statement |
|---|---|---|
| Agitation / Sedierung | Dexmedetomidin vs. Propofol | Bedingte Empfehlung für die Nutzung von Dexmedetomidin gegenüber Propofol |
| Immobilität | Mobilisation / Rehabilitation | Bedingte Empfehlung für erweiterte Mobilisation gegenüber Standard-Mobilisation |
| Schlafstörungen | Melatonin | Bedingte Empfehlung zur Verabreichung von Melatonin |
| Angst (neues Thema) | Benzodiazepine | Keine Empfehlung zur Gabe von Benzodiazepinen möglich |
| Delir | Antipsychotika | Keine Empfehlung zur Gabe von Antipsychotika möglich |
Fazit für die Praxis
Die Leitlinie bietet konkrete Empfehlungen für das pharmakologische Management von Agitation/Sedierung und Schlaf sowie für das nicht-pharmakologische Management der Immobilität. Alle Empfehlungen müssen stets im Kontext des individuellen klinischen Status des Patienten betrachtet werden.
💡Praxis-Tipp
Bevorzugen Sie bei der Sedierung von erwachsenen Intensivpatienten Dexmedetomidin gegenüber Propofol und setzen Sie frühzeitig auf erweiterte Mobilisationskonzepte.