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Histoplasmose: Leitlinie zu Diagnostik & Therapie (RKI)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Histoplasmose wird durch Inhalation von Sporen aus kontaminiertem Vogel- oder Fledermauskot übertragen.
  • Etwa 95 % der akuten Infektionen verlaufen asymptomatisch oder mild als grippaler Infekt.
  • Bei Immunsuppression (z. B. HIV mit CD4 < 150/µl) drohen schwere disseminierte Verläufe mit hoher Letalität.
  • Die Diagnostik stützt sich auf die Expositionsanamnese, Antigennachweis im Urin, Serologie und Kultur.
  • Therapie der Wahl bei behandlungsbedürftigen Verläufen sind Itraconazol und Amphotericin B.
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Hintergrund

Histoplasmose wird durch thermal dimorphe Pilze der Spezies Histoplasma capsulatum verursacht. Diese wachsen bei Umwelttemperaturen als Schimmelpilze und bei 37 °C im menschlichen Körper als kleine Hefepilze.

Das Erregerreservoir bilden Vogel- und Fledermauskot sowie damit kontaminierte Böden. Die Infektion erfolgt durch Inhalation aerosolisierter Sporen, typischerweise nach Aufenthalten in Fledermaushöhlen oder bei Bauarbeiten in Endemiegebieten (v. a. Nord- und Lateinamerika, Afrika, Asien). Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung findet nur in Ausnahmefällen nach der Transplantation infizierter Organe statt.

Klinische Symptomatik

Die Inkubationszeit beträgt meist 1 bis 3 Wochen. Etwa 95 % der akuten Infektionen verlaufen asymptomatisch oder mild und heilen innerhalb von 2 bis 3 Wochen aus. Reaktivierungen sind jedoch nach Monaten oder Jahren möglich.

VerlaufsformPatientengruppeTypische Symptome
Akut pulmonalMeist immunkompetentFieber, Husten, Brust-/Kopfschmerzen. Selten: Erythema nodosum/multiforme, Perikarditis.
Chronisch pulmonalÄltere Patienten mit chronischen LungenerkrankungenProgredienter Verlauf über Jahre, Bronchiektasien, Kavernenbildung.
Akut disseminiertKleinkinder, stark Immunsupprimierte (z. B. HIV CD4 < 150/µl)Septische Symptomatik, hohes Fieber, Gewichtsabnahme, Panzytopenie, Hepatosplenomegalie. Letalität hoch (50 %).
Chronisch disseminiertÄltere Personen (> 55 Jahre)Subfebril, Anämie, Hepatosplenomegalie, ZNS-Beteiligung (Meningitis), mukosale Ulzera.

Hinweis: Die afrikanische Variante (H. capsulatum var duboisii) zeigt häufig Haut- und Knochenläsionen.

Diagnostik

Die Expositionsanamnese (Reisen, Fledermaushöhlen) ist entscheidend, um die spezifische Diagnostik zu initiieren.

MethodeMaterialBemerkung
MikroskopieBAL, Sputum, BiopsienNachweis von 2-4 µm großen Hefezellen (afrikanische Form: 10-15 µm), oft in Makrophagen.
KulturBAL, Blut, KnochenmarkBSL-2 (Primärkultur), BSL-3 bei Verdacht. Bebrütung bis zu 6 Wochen.
SerologieSerum, LiquorImmundiffusion (ID) und Komplementbindungsreaktion (KBR). KBR-Titer > 1:8 verdächtig, > 1:32 aktive Infektion.
AntigennachweisUrin, SerumMittels ELISA. Gute Sensitivität (91 %) bei disseminierter Infektion und Immunsuppression. Auch als Verlaufsindikator.
PCRBAL, BiopsienErmöglicht frühere Diagnose und Validierung der Mikroskopie.

Therapie

Die Therapieentscheidung hängt vom Immunstatus und der klinischen Präsentation ab. Bei einer antimykotischen Therapie mit Azolen wird eine Spiegelbestimmung (Therapeutic Drug Monitoring) empfohlen.

IndikationTherapieBemerkung
Akut pulmonal (mild)KeineHeilt oft innerhalb eines Monats spontan aus.
Akut pulmonal (diffus/persistierend > 1 Monat)Itraconazol p.o.Therapiedauer bis zu 3 Monate.
Chronisch pulmonalItraconazol p.o.Therapiedauer maximal 24 Monate.
Akut schwer disseminiertAmphotericin B, dann ItraconazolInitiale i.v.-Therapie, gefolgt von oraler Erhaltungstherapie.
Chronisch disseminiert (weniger schwer)Itraconazol p.o.Mindesttherapiedauer 1 Jahr.

Wichtig: Immunsupprimierte und AIDS-Patienten sollten eine sekundäre Prophylaxe erhalten, bis die Immunsuppression aufgehoben ist.

Prävention und Meldepflicht

  • Expositionsprophylaxe: Meiden von Hochrisikoaktivitäten (Fledermaushöhlen, Erdarbeiten in Endemiegebieten), besonders für stark Immunsupprimierte.
  • Isolation: Nicht erforderlich, da keine reguläre Mensch-zu-Mensch-Übertragung stattfindet.
  • Meldepflicht: Es besteht keine Meldepflicht gemäß IfSG in Deutschland.

💡Praxis-Tipp

Erfragen Sie bei unklaren pulmonalen oder systemischen Infektionen gezielt die Reiseanamnese (Amerika, Afrika, Asien) und Risikokontakte wie den Besuch von Fledermaushöhlen.

Häufig gestellte Fragen

In der Regel nicht. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bisher nur nach der Transplantation infizierter Organe dokumentiert worden.
Nein, Patienten mit einer Histoplasmose sind nicht ansteckend und müssen in Gemeinschaftseinrichtungen oder Kliniken nicht isoliert werden.
Viele akute pulmonale Fälle heilen spontan aus. Eine Therapie (z. B. mit Itraconazol) ist indiziert bei diffuser Pneumonie, Symptomen über 1 Monat sowie bei chronischen oder disseminierten Verläufen.
Nein, für die Histoplasmose gilt gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG) keine Meldepflicht in Deutschland.

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