Histoplasmose: Leitlinie zu Diagnostik & Therapie (RKI)
📋Auf einen Blick
- •Histoplasmose wird durch Inhalation von Sporen aus kontaminiertem Vogel- oder Fledermauskot übertragen.
- •Etwa 95 % der akuten Infektionen verlaufen asymptomatisch oder mild als grippaler Infekt.
- •Bei Immunsuppression (z. B. HIV mit CD4 < 150/µl) drohen schwere disseminierte Verläufe mit hoher Letalität.
- •Die Diagnostik stützt sich auf die Expositionsanamnese, Antigennachweis im Urin, Serologie und Kultur.
- •Therapie der Wahl bei behandlungsbedürftigen Verläufen sind Itraconazol und Amphotericin B.
Hintergrund
Histoplasmose wird durch thermal dimorphe Pilze der Spezies Histoplasma capsulatum verursacht. Diese wachsen bei Umwelttemperaturen als Schimmelpilze und bei 37 °C im menschlichen Körper als kleine Hefepilze.
Das Erregerreservoir bilden Vogel- und Fledermauskot sowie damit kontaminierte Böden. Die Infektion erfolgt durch Inhalation aerosolisierter Sporen, typischerweise nach Aufenthalten in Fledermaushöhlen oder bei Bauarbeiten in Endemiegebieten (v. a. Nord- und Lateinamerika, Afrika, Asien). Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung findet nur in Ausnahmefällen nach der Transplantation infizierter Organe statt.
Klinische Symptomatik
Die Inkubationszeit beträgt meist 1 bis 3 Wochen. Etwa 95 % der akuten Infektionen verlaufen asymptomatisch oder mild und heilen innerhalb von 2 bis 3 Wochen aus. Reaktivierungen sind jedoch nach Monaten oder Jahren möglich.
| Verlaufsform | Patientengruppe | Typische Symptome |
|---|---|---|
| Akut pulmonal | Meist immunkompetent | Fieber, Husten, Brust-/Kopfschmerzen. Selten: Erythema nodosum/multiforme, Perikarditis. |
| Chronisch pulmonal | Ältere Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen | Progredienter Verlauf über Jahre, Bronchiektasien, Kavernenbildung. |
| Akut disseminiert | Kleinkinder, stark Immunsupprimierte (z. B. HIV CD4 < 150/µl) | Septische Symptomatik, hohes Fieber, Gewichtsabnahme, Panzytopenie, Hepatosplenomegalie. Letalität hoch (50 %). |
| Chronisch disseminiert | Ältere Personen (> 55 Jahre) | Subfebril, Anämie, Hepatosplenomegalie, ZNS-Beteiligung (Meningitis), mukosale Ulzera. |
Hinweis: Die afrikanische Variante (H. capsulatum var duboisii) zeigt häufig Haut- und Knochenläsionen.
Diagnostik
Die Expositionsanamnese (Reisen, Fledermaushöhlen) ist entscheidend, um die spezifische Diagnostik zu initiieren.
| Methode | Material | Bemerkung |
|---|---|---|
| Mikroskopie | BAL, Sputum, Biopsien | Nachweis von 2-4 µm großen Hefezellen (afrikanische Form: 10-15 µm), oft in Makrophagen. |
| Kultur | BAL, Blut, Knochenmark | BSL-2 (Primärkultur), BSL-3 bei Verdacht. Bebrütung bis zu 6 Wochen. |
| Serologie | Serum, Liquor | Immundiffusion (ID) und Komplementbindungsreaktion (KBR). KBR-Titer > 1:8 verdächtig, > 1:32 aktive Infektion. |
| Antigennachweis | Urin, Serum | Mittels ELISA. Gute Sensitivität (91 %) bei disseminierter Infektion und Immunsuppression. Auch als Verlaufsindikator. |
| PCR | BAL, Biopsien | Ermöglicht frühere Diagnose und Validierung der Mikroskopie. |
Therapie
Die Therapieentscheidung hängt vom Immunstatus und der klinischen Präsentation ab. Bei einer antimykotischen Therapie mit Azolen wird eine Spiegelbestimmung (Therapeutic Drug Monitoring) empfohlen.
| Indikation | Therapie | Bemerkung |
|---|---|---|
| Akut pulmonal (mild) | Keine | Heilt oft innerhalb eines Monats spontan aus. |
| Akut pulmonal (diffus/persistierend > 1 Monat) | Itraconazol p.o. | Therapiedauer bis zu 3 Monate. |
| Chronisch pulmonal | Itraconazol p.o. | Therapiedauer maximal 24 Monate. |
| Akut schwer disseminiert | Amphotericin B, dann Itraconazol | Initiale i.v.-Therapie, gefolgt von oraler Erhaltungstherapie. |
| Chronisch disseminiert (weniger schwer) | Itraconazol p.o. | Mindesttherapiedauer 1 Jahr. |
Wichtig: Immunsupprimierte und AIDS-Patienten sollten eine sekundäre Prophylaxe erhalten, bis die Immunsuppression aufgehoben ist.
Prävention und Meldepflicht
- Expositionsprophylaxe: Meiden von Hochrisikoaktivitäten (Fledermaushöhlen, Erdarbeiten in Endemiegebieten), besonders für stark Immunsupprimierte.
- Isolation: Nicht erforderlich, da keine reguläre Mensch-zu-Mensch-Übertragung stattfindet.
- Meldepflicht: Es besteht keine Meldepflicht gemäß IfSG in Deutschland.
💡Praxis-Tipp
Erfragen Sie bei unklaren pulmonalen oder systemischen Infektionen gezielt die Reiseanamnese (Amerika, Afrika, Asien) und Risikokontakte wie den Besuch von Fledermaushöhlen.