Radiosynoviorthese (RSO): Indikation und Durchführung

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AWMF|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Radiosynoviorthese (RSO) ist ein nuklearmedizinisches Therapieverfahren zur lokalen Behandlung chronisch-entzündlicher Gelenkerkrankungen. Durch die intraartikuläre Injektion eines beta-strahlenden Radiopharmakons wird die entzündlich veränderte Synovialis gezielt bestrahlt.

Das in kolloidaler Form applizierte Radiopharmakon wird von oberflächlichen Zellen phagozytiert, was zu einer lokalen Strahlenreaktion mit Koagulation und Nekrosen führt. Da die Eindringtiefe der Beta-Strahler nur wenige Millimeter beträgt, bleibt der Gelenkknorpel bei diesem Vorgang weitgehend geschont.

Ziel der Behandlung ist die Resynovialisierung mit Fibrosierung und Sklerosierung innerhalb von etwa sechs Wochen. Dies führt laut Leitlinie zu einer Schmerzlinderung, der Wiederherstellung der Gelenkfunktion und bei Patienten mit Hämophilie zu einer nachhaltigen Reduktion der Blutungsfrequenz.

Klinischer Kontext

Die Radiosynoviorthese (RSO) ist ein nuklearmedizinisches Therapieverfahren zur Behandlung chronisch-entzündlicher Gelenkerkrankungen. Sie kommt vor allem bei rheumatoider Arthritis, aktivierter Arthrose oder der villonodulären Synovialitis zum Einsatz, wenn systemische Therapien oder intraartikuläre Glukokortikoid-Injektionen keine ausreichende Linderung verschaffen. Die Prävalenz solcher therapierefraktärer Synovialitiden ist insbesondere im rheumatologischen Formenkreis hoch.

Bei der RSO werden Betastrahler wie Yttrium-90, Rhenium-186 oder Erbium-169 direkt in den Gelenkspalt injiziert. Die radioaktiven Partikel werden von den oberflächlichen Zellen der Synovialis phagozytiert, wodurch die Betastrahlung eine gezielte Nekrose des entzündlich verdickten Gewebes induziert. Im weiteren Verlauf kommt es zu einer Fibrosierung, die zu einer Reduktion von Gelenkergüssen und Schmerzen führt.

Klinisch bietet die RSO eine minimalinvasive Alternative zur chirurgischen Synovektomie und kann die Gelenkfunktion langfristig erhalten. Die Indikationsstellung erfordert eine sorgfältige Diagnostik, die neben der klinischen Untersuchung meist auf sonografischen oder magnetresonanztomografischen Nachweisen einer floriden Synovialitis basiert.

Wissenswertes

Die RSO am Kniegelenk ist indiziert bei chronischer Synovialitis, beispielsweise im Rahmen einer rheumatoiden Arthritis oder einer rezidivierend aktivierten Gonarthrose. Voraussetzung ist ein therapierefraktärer Verlauf nach Ausschöpfung konservativer und medikamentöser Maßnahmen.

Die Wahl des Radionuklids richtet sich nach der Größe des Gelenks und der Eindringtiefe der Betastrahlung. Für große Gelenke wie das Knie wird meist Yttrium-90 verwendet, für mittelgroße Gelenke Rhenium-186 und für kleine Finger- oder Zehengelenke Erbium-169.

Absolute Kontraindikationen sind lokale Haut- oder Gelenkinfektionen, eine Schwangerschaft sowie die Stillzeit. Auch massive Gelenkinstabilitäten oder rupturierte Baker-Zysten sprechen gegen die Durchführung des Eingriffs.

Nach der Injektion des Radionuklids ist eine strikte Ruhigstellung des behandelten Gelenks für etwa 48 Stunden erforderlich. Dies minimiert den lymphatischen Abtransport der radioaktiven Partikel und reduziert die Strahlenbelastung für den restlichen Körper.

Zu den seltenen Komplikationen zählen Infektionen, strahleninduzierte Nekrosen an der Einstichstelle oder eine vorübergehende Verstärkung der Entzündungssymptomatik. Bei unsachgemäßer Injektion kann es zu Gewebeschäden außerhalb der Gelenkkapsel kommen.

Die RSO ist ein minimalinvasives Verfahren mit geringerem Operationsrisiko und kürzerer Rekonvaleszenz im Vergleich zur chirurgischen Synovektomie. Bei stark fortgeschrittenen destruierenden Gelenkveränderungen oder massiven mechanischen Blockaden ist jedoch oft das chirurgische Vorgehen überlegen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Vor einer Radiosynoviorthese des Kniegelenks wird dringend empfohlen, sonographisch eine Poplitealzyste (Bakerzyste) auszuschließen. Bei Vorliegen eines Ventilmechanismus oder großem Volumen sollte eine vorherige Entleerung erwogen werden, um eine Zystenruptur durch einen transitorischen Reizerguss nach der RSO zu vermeiden. Zudem wird auf eine strikte 48-stündige Ruhigstellung des Gelenks hingewiesen, um einen Reflux der Radioaktivität in den Stichkanal und daraus resultierende Hautnekrosen zu verhindern.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt eine Ruhigstellung und Entlastung des behandelten Gelenks für etwa 48 Stunden, beispielsweise durch eine Schiene. Dies soll einen bewegungsbedingten Reflux der Aktivität über den Punktionskanal verhindern.

Laut Leitlinie ist ein Absetzen von Vitamin-K-Antagonisten oder neuen oralen Antikoagulanzien meist nicht zwingend erforderlich, da die Gelenkpunktion ein niedriges Blutungsrisiko aufweist. Bei einem INR-Wert zwischen 2 und 3 gilt der Eingriff als risikoarm.

Ein unzureichender Therapieerfolg liegt vor, wenn die Schmerzsymptomatik nicht um mindestens 50 Prozent sinkt. Das kürzeste Intervall für eine erneute Behandlung (Re-RSO) beträgt gemäß den Fachinformationen mindestens 6 Monate.

Es wird empfohlen, nach der Nuklidinjektion mit Glukokortikoiden (bevorzugt Triamcinolonhexacetonid) nachzuspritzen. Eine Ausnahme bildet das Hüftgelenk, bei dem die Kombination von Rhenium-186-Sulfid mit einem mikrokristallinen Retard-Kortikoid vermieden werden sollte.

Die effektive Ganzkörper-Strahlenexposition ist laut Leitlinie vergleichbar mit häufig angewendeten Röntgenuntersuchungen. Bei Frauen bis 50 Jahren und Männern bis 60 Jahren wird während der Durchleuchtung das Anlegen eines Gonadenschutzes empfohlen.

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Quelle: AWMF 031-023: Radiosynoviorthese (AWMF). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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