Radioiodtest (I-131/I-123): Indikation und Vorbereitung
Hintergrund
Die S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN) und der AWMF beschreibt die fachgerechte Durchführung des Radioiodtests mit I-131 oder I-123 Natriumiodid. Der Fokus liegt auf der Diagnostik bei benignen Schilddrüsenerkrankungen.
In Deutschland ist die individuelle Aktivitätsermittlung vor einer Radioiodtherapie (RIT) rechtlich vorgeschrieben. Dies dient der Dosisoptimierung und der Überprüfung, ob eine RIT effizient durchführbar ist.
Ein weiteres Einsatzgebiet ist das Iod-Stoffwechselstudium bei der kongenitalen Hypothyreose. Hier hilft der Test bei der Differenzierung zwischen morphologischen Entwicklungsstörungen und genetischen Synthesestörungen.
Klinischer Kontext
Schilddrüsenerkrankungen sind in Deutschland sehr häufig, wobei Knoten und Funktionsstörungen einen großen Teil der endokrinologischen Konsultationen ausmachen. Der Radioiodtest wird spezifisch bei unklaren Hyperthyreosen oder zur Vorbereitung einer Radioiodtherapie eingesetzt.
Die Schilddrüse nimmt physiologisch Iod auf, um Schilddrüsenhormone zu synthetisieren. Beim Radioiodtest wird diese Funktion genutzt, indem radioaktive Isotope wie I-131 oder I-123 verabreicht werden, deren Aufnahme die regionale Stoffwechselaktivität widerspiegelt.
Für behandelnde Ärzte ist die Differenzierung von Schilddrüsenerkrankungen wie Morbus Basedow, Autonomien oder Thyreoiditiden entscheidend für die Therapieplanung. Der Test liefert essenzielle funktionelle Informationen, die morphologische Befunde aus dem Ultraschall ergänzen.
Nach oraler oder intravenöser Applikation des Tracers wird die prozentuale Aufnahme in die Schilddrüse zu definierten Zeitpunkten gemessen. Ergänzend kann ein Szintigramm angefertigt werden, um fokale von diffusen Speicherveränderungen zu unterscheiden.
Wissenswertes
I-123 hat eine kürzere Halbwertszeit und emittiert reine Gammastrahlung, was zu einer geringeren Strahlenexposition für den Patienten führt. I-131 wird aufgrund seiner längeren Halbwertszeit und Betastrahlung häufiger zur Vorbereitung einer therapeutischen Radioiodgabe genutzt.
Thyreostatika und Schilddrüsenhormone beeinflussen die Iodaufnahme und verfälschen das Testergebnis. Sie müssen in der Regel einige Tage bis Wochen vor der Untersuchung pausiert werden, abhängig vom genauen Präparat und der klinischen Situation.
Eine Schwangerschaft stellt eine absolute Kontraindikation für die Anwendung von radioaktiven Isotopen wie I-131 oder I-123 dar. Auch in der Stillzeit darf der Test nicht durchgeführt werden, da das Radioiod in die Muttermilch übergeht.
Eine strikte Iodkarenz ist essenziell, da eine hohe alimentäre Iodzufuhr die Aufnahme des Tracers blockiert. Patienten sollten vor der Untersuchung auf iodreiche Nahrungsmittel, iodhaltige Medikamente und Röntgenkontrastmittel verzichten.
Die normalen Uptake-Werte hängen stark von der regionalen Iodversorgung der Bevölkerung ab und variieren je nach Messzeitpunkt. In Iodmangelgebieten liegt die prozentuale Aufnahme typischerweise höher als in Regionen mit ausreichender Iodversorgung.
Der diagnostische Radioiodtest ist im Allgemeinen sehr gut verträglich und verursacht keine akuten spürbaren Nebenwirkungen. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Strahlenexposition, die durch die Wahl des geeigneten Isotops so gering wie möglich gehalten wird.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie weist darauf hin, dass Fehler bei der sonographischen Volumetrie des Zielvolumens unmittelbar zu Fehlberechnungen der Therapieaktivität führen. Es wird zudem betont, dass die Strahlenexposition der Schilddrüse durch den Test als integraler Bestandteil der nachfolgenden Radioiodtherapie zu betrachten ist und kein isoliertes stochastisches Risiko darstellt.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird das Absetzen einer thyreostatischen Medikation zwei bis drei Tage vor dem Radioiodtest empfohlen. Dies bewirkt eine Erhöhung des Radioiod-Uptakes und der effektiven Halbwertszeit.
Es wird empfohlen, stark iodhaltige Substanzen wie Röntgenkontrastmittel für acht Wochen vor der Untersuchung zu vermeiden. Bei klinischer Dringlichkeit kann dieses Intervall laut Leitlinie verkürzt werden.
Zur reinen Berechnung der Therapieaktivität ist laut Leitlinie eine einzelne Messung nach fünf bis acht Tagen ausreichend. Für die Bestimmung der effektiven Halbwertszeit sind mindestens zwei Messungen notwendig.
Der Depletionstest wird bei der kongenitalen Hypothyreose zur Diagnostik von Iodisationsstörungen eingesetzt. Dabei wird der Abfall der Radioiod-Aktivität in der Schilddrüse nach der Gabe von Natriumperchlorat gemessen.
Die Leitlinie empfiehlt, dass vier Stunden vor sowie eine Stunde nach der oralen Radioiodapplikation eine Nahrungskarenz eingehalten wird. Reichliche Mahlzeiten können die Resorption des Radioiods vermindern oder verzögern.
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Quelle: Radioiodtest mit I-131 oder I-123 Natriumiodid (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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