PTA bei Multipler Sklerose (CCSVI): Therapie-Evidenz
Hintergrund
Die chronische cerebrospinale venöse Insuffizienz (CCSVI) beschreibt eine Verengung der blutableitenden Venen aus Gehirn und Rückenmark. Es wurde die Hypothese aufgestellt, dass dieser eingeschränkte Blutabfluss eine Rolle bei der Pathogenese der Multiplen Sklerose (MS) spielen könnte.
Als mögliche Therapieform wurde die perkutane transluminale Angioplastie (PTA) zur Aufdehnung der betroffenen Venen vorgeschlagen. Dieser Eingriff erlangte unter dem Begriff "Liberation Treatment" große mediale Aufmerksamkeit und weckte hohe Erwartungen bei Betroffenen.
Der vorliegende Cochrane Review aus dem Jahr 2019 untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit der venösen PTA bei Erwachsenen mit MS und diagnostizierter CCSVI. Hierfür wurden drei randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 238 Teilnehmenden ausgewertet, bei denen die PTA mit einem Schein-Eingriff (Sham-Prozedur) verglichen wurde.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der Evidenzlage klare Schlussfolgerungen zur Anwendung der PTA bei Multipler Sklerose.
Fehlende klinische Wirksamkeit
Laut Meta-Analyse bietet die venöse PTA im Vergleich zu einem Schein-Eingriff keinen klinischen Nutzen für Menschen mit MS. Es wird betont, dass die Intervention aufgrund der nachgewiesenen Wirkungslosigkeit nicht empfohlen werden kann (Evidenzgrad moderate Qualität).
Die Auswertung der Studien zeigte keine signifikanten Verbesserungen bei folgenden Endpunkten:
-
Fortschreiten der Behinderung, gemessen anhand der Expanded Disability Status Scale (EDSS)
-
Kognitive und körperliche Funktionen sowie gesundheitsbezogene Lebensqualität
-
Reduktion der Schubrate über einen Beobachtungszeitraum von 12 Monaten
-
Wiederherstellung des venösen Blutflusses
Sicherheit des Eingriffs
Der Review bewertet die PTA als eine grundsätzlich sichere Technik. Es traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auf, die direkt auf die Venographie oder die PTA zurückzuführen waren.
Vergleich der Endpunkte (PTA vs. Schein-Eingriff)
| Klinischer Endpunkt | Effekt der PTA (vs. Schein-Eingriff) | Evidenzqualität (GRADE) |
|---|---|---|
| Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse | Kein signifikantes Risiko (RR 3,33; 95% CI 0,36-30,44) | Moderat |
| Verbesserung funktioneller Endpunkte (12 Monate) | Kein Nutzen (RR 0,84; 95% CI 0,55-1,30) | Moderat |
| Neue Schübe (12 Monate) | Keine Reduktion (RR 0,87; 95% CI 0,51-1,49) | Moderat |
Implikationen für die Forschung
Da alle noch laufenden Studien zu diesem Thema aufgrund von Rekrutierungsproblemen abgebrochen oder zurückgezogen wurden, gelten die Ergebnisse dieses Reviews als abschließend. Es wird gefolgert, dass keine weiteren randomisierten klinischen Studien zur PTA bei MS erforderlich sind.
💡Praxis-Tipp
Der Cochrane Review stellt unmissverständlich klar, dass die sogenannte "Befreiungstherapie" (Liberation Treatment) mittels venöser Angioplastie bei Multipler Sklerose wirkungslos ist. Es wird empfohlen, betroffene Personen proaktiv über die fehlende wissenschaftliche Evidenz aufzuklären, um unrealistische Erwartungen und unnötige Eingriffe zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review bietet die PTA keinen klinischen Nutzen hinsichtlich Behinderungsprogression, Schubrate oder Lebensqualität. Die Intervention wird daher für Menschen mit MS nicht empfohlen.
Die Hypothese, dass CCSVI eine ursächliche Rolle bei der Entstehung der Multiplen Sklerose spielt, konnte in kontrollierten Studien nicht bestätigt werden. Der Review zeigt, dass die Behebung venöser Verengungen den Krankheitsverlauf nicht positiv beeinflusst.
Die Meta-Analyse bewertet die PTA als ein sicheres Verfahren. Es wurde kein signifikant erhöhtes Risiko für schwerwiegende operative oder postoperative unerwünschte Ereignisse im Vergleich zu einem Schein-Eingriff festgestellt.
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Quelle: Cochrane Review: Percutaneous transluminal angioplasty for treatment of chronic cerebrospinal venous insufficiency (CCSVI) in people with multiple sclerosis (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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