Proximale Humerusfraktur beim Kind: Korrekturgrenzen

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AWMF|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Knöcherne Verletzungen des proximalen Oberarmes machen etwa 4 % der Extremitätenfrakturen im Kindesalter aus. Die Altersverteilung ist zweigipfelig mit der höchsten Inzidenz bei Kindern unter 3 Jahren sowie um das 12. Lebensjahr.

Als Ursachen kommen sowohl direkte als auch indirekte Traumen infrage. Besondere Beachtung erfordern Frakturen, die bei der Geburt oder im Rahmen von Kindesmisshandlungen entstehen. Zudem treten in diesem Segment pathologische Frakturen bei juvenilen Knochenzysten besonders häufig auf.

Leitsymptome sind Schwellung, Deformierung und eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung bis hin zur kompletten Pseudoparalyse. Geburtstraumatisch bedingte Frakturen werden aufgrund der Schonhaltung des Armes gelegentlich als Plexuslähmung fehlgedeutet.

Klinischer Kontext

Proximale Humerusfrakturen machen etwa fünf Prozent aller kindlichen Frakturen aus. Sie treten gehäuft in Wachstumsphasen auf, insbesondere bei älteren Kindern und Jugendlichen im Rahmen von Sportverletzungen.

Die Frakturen betreffen häufig die Epiphysenfuge (Salter-Harris-Klassifikation) oder die Metaphyse. Da das proximale Humeruswachstum für etwa 80 Prozent des Längenwachstums des Oberarms verantwortlich ist, besteht ein hohes Remodellierungspotenzial.

Aufgrund des enormen Korrekturpotenzials heilen viele dieser Frakturen unter konservativer Therapie folgenlos aus. Dennoch ist eine korrekte Einschätzung von Dislokation und Achsabweichung essenziell, um Wachstumsstörungen oder Funktionseinschränkungen zu vermeiden.

Die Diagnostik stützt sich primär auf die Anamnese, die klinische Untersuchung mit Prüfung von Durchblutung, Motorik und Sensibilität (DMS) sowie Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen. Bei unklaren Gelenkbeteiligungen oder komplexen Frakturverläufen kann ergänzend eine Magnetresonanztomografie oder Computertomografie indiziert sein.

Wissenswertes

Die Entscheidung hängt maßgeblich vom Alter des Kindes und dem Ausmaß der Dislokation ab. Aufgrund des hohen Remodellierungspotenzials am proximalen Humerus können die meisten Frakturen erfolgreich konservativ behandelt werden. Operative Verfahren kommen meist erst bei älteren Jugendlichen oder stark dislozierten Frakturen zum Einsatz.

Die Toleranz für Achsabweichungen ist stark altersabhängig und am proximalen Humerus besonders hoch. Bei Säuglingen und Kleinkindern werden oft Fehlstellungen bis zu 70 Grad toleriert, während bei älteren Jugendlichen deutlich geringere Abweichungen akzeptabel sind. Das enorme Korrekturpotenzial resultiert aus der Nähe zur sehr aktiven proximalen Epiphysenfuge.

Epiphysenfugenverletzungen am proximalen Humerus werden klassischerweise nach Salter und Harris eingeteilt. Am häufigsten finden sich hierbei Typ-II-Frakturen, bei denen die Frakturlinie durch die Wachstumsfuge verläuft und ein metaphysäres Keilfragment ausbricht. Diese Einteilung hilft bei der Einschätzung des Risikos für spätere Wachstumsstörungen.

Die Dauer der Ruhigstellung richtet sich nach dem Alter des Patienten und der Frakturmorphologie. In der Regel reicht eine Immobilisation mittels Gilchrist- oder Desault-Verband für etwa drei bis vier Wochen aus. Anschließend wird frühzeitig mit funktionellen Bewegungsübungen begonnen, um einer Schultersteife vorzubeugen.

Zu den möglichen Komplikationen zählen vorzeitiger Fugenschluss mit resultierender Armlängendifferenz oder Achsfehlstellung. Auch Begleitverletzungen des Nervus axillaris oder des Plexus brachialis können auftreten, weshalb eine sorgfältige neurologische Untersuchung unerlässlich ist. Pseudarthrosen sind im Kindesalter hingegen extrem selten.

Standardmäßig erfolgt die radiologische Diagnostik durch Röntgenaufnahmen der Schulter in zwei Ebenen, meist als a.p.-Aufnahme und transthorakale oder Y-Aufnahme. Eine exakte Darstellung ist wichtig, um den Dislokationsgrad und eine eventuelle Gelenkbeteiligung präzise beurteilen zu können.

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💡Praxis-Tipp

Geburtstraumatisch bedingte proximale Humerusfrakturen werden aufgrund der Schonhaltung des Armes (Pseudoparalyse) häufig als Plexuslähmung fehlgedeutet. Zudem wird betont, dass bei Kindern unter 5 Jahren ein enormes Spontankorrekturpotential besteht, weshalb Achsabweichungen bis zu 60° konservativ toleriert werden können.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt ein Röntgen in zwei Ebenen, bestehend aus einer a.p.-Aufnahme und einer axialen oder tangentialen Y-Aufnahme. Transthorakale Aufnahmen sollen nicht durchgeführt werden.

Es wird eine Ruhigstellung im Gilchrist- oder Desault-Verband für einen Zeitraum von 2 bis 3 Wochen empfohlen. Danach kann eine selbstkontrollierte Mobilisation erfolgen.

Eine Operation ist indiziert, wenn die altersentsprechenden Korrekturgrenzen überschritten werden oder Begleitverletzungen vorliegen. Bei Jugendlichen über 12 Jahren wird aufgrund des geringeren Korrekturpotentials primär eine operative Versorgung mittels intramedullärer Nagelung empfohlen.

Laut Leitlinie müssen stabile Frakturen, die konservativ behandelt werden, nicht radiologisch kontrolliert werden. Bei instabilen Frakturen erfolgen Kontrollen an Tag 0, 7 und 21.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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