Progrediente Multiple Sklerose: Therapie und Sicherheit
Hintergrund
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Bei der progredienten Form (PMS) verschlechtert sich die Behinderung kontinuierlich, oft mit oder ohne vorherige schubförmige Phase.
Für die progrediente MS stehen weniger krankheitsmodifizierende Therapien zur Verfügung als für andere Verlaufsformen. Die Behandlung zielt darauf ab, Schübe zu reduzieren und das Fortschreiten der Behinderung zu verlangsamen.
Dieser Cochrane-Review untersucht mittels Netzwerk-Metaanalyse die Wirksamkeit und Sicherheit verschiedener Immunmodulatoren und Immunsuppressiva im Vergleich zu Placebo. Die Evidenz basiert auf 23 Studien mit über 10.000 Teilnehmenden.
Empfehlungen
Der Cochrane-Review fasst die Evidenz zu verschiedenen krankheitsmodifizierenden Therapien bei progredienter Multipler Sklerose zusammen.
Reduktion von Schüben
Laut Review gibt es nur für wenige Medikamente eine moderate Evidenz bezüglich der Schubreduktion.
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Rituximab reduziert die Anzahl der Schübe nach 24 Monaten wahrscheinlich geringfügig (moderate Evidenz).
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Interferon beta-1b reduziert die Anzahl der Schübe nach 36 Monaten wahrscheinlich geringfügig (moderate Evidenz).
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Für alle anderen untersuchten Therapien liegt keine moderate oder hohe Evidenz für eine Überlegenheit gegenüber Placebo vor.
Fortschreiten der Behinderung
Bezüglich der Verzögerung der Behinderungsprogression nach 24 oder 36 Monaten zeigt der Review eine hohe Unsicherheit. Für keine der untersuchten Behandlungen konnte eine moderate oder hohe Evidenz im Vergleich zu Placebo festgestellt werden.
Sicherheit und Therapieabbrüche
Ein wesentlicher Aspekt der Therapien ist die Verträglichkeit. Der Review zeigt, dass bestimmte Medikamente häufiger zu Therapieabbrüchen aufgrund von unerwünschten Ereignissen führen.
| Medikament | Risiko für Therapieabbruch (vs. Placebo) | Evidenzgrad |
|---|---|---|
| Interferon beta-1a | Erhöht | Hoch |
| Rituximab | Wahrscheinlich erhöht | Moderat |
| Interferon beta-1b | Wahrscheinlich erhöht | Moderat |
| Glatirameracetat | Wahrscheinlich erhöht | Moderat |
| Fingolimod | Wahrscheinlich erhöht | Moderat |
| Siponimod | Wahrscheinlich erhöht | Moderat |
| Ocrelizumab | Wahrscheinlich erhöht | Moderat |
Hinsichtlich schwerer unerwünschter Ereignisse (SAE) liefert der Review für keine der Behandlungen eine moderate oder hohe Evidenz im Vergleich zu Placebo.
💡Praxis-Tipp
Der Review betont, dass die kurze Nachbeobachtungszeit der meisten Studien (zwei bis drei Jahre) die Beurteilung seltener und langfristiger Nebenwirkungen stark einschränkt. Es wird darauf hingewiesen, dass die progrediente Multiple Sklerose eine Erkrankung ist, die sich über Jahrzehnte entwickelt. Daher ist bei der Therapieentscheidung das potenziell erhöhte Risiko für Therapieabbrüche aufgrund unerwünschter Ereignisse sorgfältig abzuwägen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane-Review reduzieren Rituximab (nach 24 Monaten) und Interferon beta-1b (nach 36 Monaten) die Anzahl der Schübe wahrscheinlich geringfügig. Für andere Medikamente fehlt eine ausreichend sichere Evidenz.
Der Review stellt fest, dass die Evidenz bezüglich der Verzögerung der Behinderungsprogression für alle untersuchten Medikamente sehr unsicher ist. Es konnte keine moderate oder hohe Evidenz für einen Nutzen gegenüber Placebo gezeigt werden.
Eine Behandlung mit Interferon beta-1a führt laut Review gesichert zu mehr Therapieabbrüchen aufgrund von Nebenwirkungen. Auch bei Rituximab, Interferon beta-1b, Glatirameracetat und weiteren Medikamenten ist die Abbruchrate wahrscheinlich erhöht.
Die Aussagekraft wird durch kurze Nachbeobachtungszeiten von meist nur 12 bis 24 Monaten eingeschränkt. Der Review fordert zukünftig längere Studien, die Medikamente direkt miteinander vergleichen (Head-to-Head-Studien).
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Quelle: Cochrane Review: Immunomodulators and immunosuppressants for progressive multiple sclerosis: a network meta-analysis (Cochrane, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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