Postoperative Wundinfektionen: Prävention & Therapie
Hintergrund
Postoperative Wundinfektionen (Surgical Site Infections, SSI) machen einen erheblichen Anteil nosokomialer Infektionen aus. Sie entstehen meist durch die Kontamination der Inzision mit der körpereigenen Flora des Operierten während des Eingriffs.
SSI führen zu einer erhöhten Morbidität, verlängerten Krankenhausaufenthalten und signifikanten Kosten für das Gesundheitssystem. Die meisten dieser Infektionen gelten als vermeidbar.
Die NICE-Leitlinie NG125 liefert evidenzbasierte Strategien zur Risikominimierung. Sie umfasst prä-, intra- und postoperative Maßnahmen für Erwachsene, Jugendliche und Kinder.
Empfehlungen
Die NICE-Leitlinie formuliert detaillierte Empfehlungen zur Vermeidung von postoperativen Wundinfektionen.
Präoperative Maßnahmen
Es wird empfohlen, dass am Tag vor oder am Tag der Operation geduscht oder gebadet wird. Hierbei sollte Seife verwendet werden.
Eine routinemäßige Haarentfernung wird nicht empfohlen. Falls erforderlich, sollte diese laut Leitlinie am Tag der Operation mit elektrischen Clippern mit Einmalkopf erfolgen. Rasierer erhöhen das Infektionsrisiko und sollten vermieden werden.
Die Leitlinie empfiehlt eine antibiotische Prophylaxe bei:
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Sauberen Eingriffen mit Implantation einer Prothese
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Sauber-kontaminierten Eingriffen
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Kontaminierten Eingriffen
Für saubere, unkomplizierte Eingriffe ohne Prothese wird von einer routinemäßigen Antibiotikaprophylaxe abgeraten. Die Gabe sollte intravenös bei Narkoseeinleitung erfolgen. Bei Verwendung einer Blutsperre ist eine frühere Gabe indiziert.
Intraoperative Maßnahmen
Das Operationsteam sollte vor der ersten Operation eine wässrige antiseptische Lösung verwenden. Dabei ist eine Einmalbürste für die Nägel einzusetzen. Bei Folgeoperationen wird ein alkoholisches Händedesinfektionsmittel oder eine antiseptische Lösung empfohlen.
Zur Hautdesinfektion unmittelbar vor der Inzision wird folgende Auswahl empfohlen:
| Situation | Wahl des Hautantiseptikums |
|---|---|
| Erste Wahl (außer bei Kontraindikation oder Schleimhautnähe) | Alkoholbasierte Chlorhexidin-Lösung |
| Alternative bei Schleimhautnähe | Wässrige Chlorhexidin-Lösung |
| Alternative bei Chlorhexidin-Kontraindikation | Alkoholbasierte Povidon-Jod-Lösung |
| Wenn Alkohol und Chlorhexidin ungeeignet sind | Wässrige Povidon-Jod-Lösung |
Die Leitlinie warnt davor, Diathermie zur chirurgischen Inzision zu nutzen. Dies dient der Senkung des Infektionsrisikos.
Von Wundspülungen oder intrakavitären Lavagen zur Reduktion von Wundinfektionen wird abgeraten. Antiseptika oder Antibiotika vor dem Wundverschluss sollten nur im Rahmen von klinischen Studien angewendet werden.
Als Ausnahme wird erwogen, bei herzchirurgischen Eingriffen Gentamicin-Kollagen-Implantate zu verwenden. Beim Wundverschluss wird der Einsatz von antimikrobiellen, Triclosan-beschichteten Nahtmaterialien empfohlen. Dies gilt insbesondere für die Kinderchirurgie.
Postoperative Maßnahmen
Für den Verbandswechsel wird eine aseptische Non-Touch-Technik empfohlen. Bis zu 48 Stunden nach der Operation sollte zur Wundreinigung sterile Kochsalzlösung verwendet werden.
Nach 48 Stunden ist laut Leitlinie das Duschen sicher möglich. Bei primär heilenden Wunden wird vom Einsatz topischer antimikrobieller Mittel abgeraten.
Bei Verdacht auf eine Wundinfektion wird eine systemische Antibiotikatherapie empfohlen. Diese sollte die wahrscheinlichen Erreger abdecken. Lokale Resistenzmuster sind dabei zu berücksichtigen.
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor schweren chemischen Verletzungen durch den Einsatz von Chlorhexidin bei Frühgeborenen. Dies betrifft sowohl alkoholische als auch wässrige Lösungen.
Bei Operationen in der Nähe von Schleimhäuten ist alkoholbasiertes Chlorhexidin kontraindiziert. Hier sollte auf wässrige Lösungen ausgewichen werden.
Bei einer bekannten Jodallergie dürfen keine jodhaltigen Inzisionsfolien verwendet werden.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist die Verwendung von Rasierern zur präoperativen Haarentfernung. Die Leitlinie betont, dass dies das Infektionsrisiko erhöht und stattdessen elektrische Clipper verwendet werden sollten. Zudem wird dringend empfohlen, bei der Nutzung alkoholischer Hautdesinfektion in Kombination mit Diathermie auf eine vollständige Verdunstung zu achten. Pfützenbildung muss zwingend vermieden werden, um Verbrennungen zu verhindern.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist das Duschen 48 Stunden nach dem chirurgischen Eingriff sicher möglich. Zur Wundreinigung in den ersten 48 Stunden wird sterile Kochsalzlösung empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt als erste Wahl eine alkoholbasierte Chlorhexidin-Lösung. Bei Kontraindikationen oder Operationen in Schleimhautnähe gibt es definierte Alternativen wie wässriges Chlorhexidin oder Povidon-Jod.
Es wird ausdrücklich davon abgeraten, Wundspülungen oder intrakavitäre Lavagen zur Reduktion von Wundinfektionen einzusetzen. Auch die Gabe von Antiseptika oder Antibiotika in die Wunde vor dem Verschluss wird außerhalb von Studien nicht empfohlen.
Eine nasale Dekolonisation mit Mupirocin und einer Chlorhexidin-Körperwaschung sollte erwogen werden, wenn Staphylococcus aureus ein wahrscheinlicher Erreger ist. Dies betrifft häufig herzchirurgische oder orthopädische Eingriffe.
Die Leitlinie empfiehlt, den Einsatz von antimikrobiellen, Triclosan-beschichteten Nähten zu erwägen. Dies gilt insbesondere für Eingriffe in der Kinderchirurgie.
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Quelle: NICE Guideline on Surgical Site Infections (NICE, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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