Pneumonie & Diarrhö bei Kindern: Diagnostik & Therapie
Hintergrund
Pneumonie und Diarrhö sind weltweit für einen erheblichen Anteil der Kindersterblichkeit verantwortlich. Die WHO-Leitlinie von 2024 aktualisiert die klinischen Empfehlungen für die Behandlung von Kindern bis zu 10 Jahren.
Bisherige Leitlinien fokussierten sich primär auf Kinder unter 5 Jahren. Die aktuelle Aktualisierung schließt nun auch die Altersgruppe der 5- bis 9-Jährigen ein, um eine bestehende Versorgungslücke zu schließen.
Ziel ist es, evidenzbasierte Entscheidungen für die klinische Behandlung auf Gemeinde-, Primär- und Krankenhausebene zu unterstützen. Dabei wird auch der zunehmenden Bedeutung von Antibiotikaresistenzen Rechnung getragen.
Empfehlungen
Die WHO-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Behandlung von Kindern:
Pneumonie: Diagnostik
Laut Leitlinie wird bei fehlender Pulsoxymetrie zur Erkennung einer Hypoxämie bei Kindern von 2 bis 59 Monaten die Beurteilung klinischer Zeichen empfohlen (bedingte Empfehlung, sehr niedrige Evidenz).
Zu diesen Warnzeichen gehören:
-
Kopfnicken
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Nasenflügeln
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Stöhnen
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Schwere Tachypnoe (Atemfrequenz ≥20 Atemzüge pro Minute über dem altersspezifischen Grenzwert)
Für den Einsatz von Lungenultraschall oder digitalen Auskultationsalgorithmen gibt es aufgrund von Wissenslücken derzeit keine Empfehlung.
Pneumonie: Therapie (2 bis 59 Monate)
Bei einer Pneumonie, die sich nur durch schnelles Atmen äußert, wird eine orale Therapie mit Amoxicillin für 3 oder 5 Tage empfohlen (starke Empfehlung, moderate Evidenz).
Bei Einziehungen der Brustwand ohne allgemeine Gefahrenzeichen wird ebenfalls eine fünftägige orale Amoxicillin-Gabe im ambulanten Setting gegenüber injizierbaren Antibiotika bevorzugt (starke Empfehlung, moderate Evidenz).
In Regionen mit funktionierenden Gesundheitsprogrammen in der Gemeinde wird eine dortige Behandlung durch geschultes Personal vorgeschlagen (bedingte Empfehlung, niedrige Evidenz).
Diarrhö: Antibiotika und Probiotika
Die Leitlinie spricht sich bei akuter wässriger Diarrhö bei Kindern bis 10 Jahren gegen den routinemäßigen Einsatz von Antibiotika aus (bedingte Empfehlung, niedrige Evidenz).
Ebenso wird von der Gabe von Probiotika bei akuter wässriger Diarrhö abgeraten (bedingte Empfehlung, niedrige Evidenz).
Bei blutigen Stühlen (Dysenterie) wird hingegen eine antibiotische Therapie ausdrücklich empfohlen (starke Empfehlung, moderate/niedrige Evidenz).
Diarrhö: Rehydratation und Zink
Bei akuter wässriger Diarrhö mit Dehydration wird die Verwendung einer oralen Rehydratationslösung mit niedriger Osmolarität (LORS) empfohlen (starke Empfehlung, moderate Evidenz).
Zusätzlich wird eine begleitende Behandlung mit oralem Zink bei akuter wässriger und persistierender Diarrhö empfohlen (starke Empfehlung, moderate Evidenz).
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende spezifische Dosierungsschemata für Kinder:
| Indikation | Medikament | Dosierung | Dauer |
|---|---|---|---|
| Pneumonie (schnelles Atmen / Einziehungen) | Amoxicillin (oral) | 40 mg/kg/Dosis, 2-mal täglich (80 mg/kg/Tag) | 3 bis 5 Tage |
| Diarrhö mit blutigen Stühlen (1. Wahl) | Ciprofloxacin | 15 mg/kg/Dosis, 2-mal täglich | 3 Tage |
| Diarrhö mit blutigen Stühlen (2. Wahl) | Ceftriaxon | 50–80 mg/kg/Tag | 3 Tage |
| Akute wässrige oder persistierende Diarrhö | Zink (oral) | 5 mg/Tag | bis zu 14 Tage |
Kontraindikationen
Die Leitlinie rät vom Einsatz von Antibiotika bei akuter wässriger Diarrhö ohne Blutbeimengung ab, um unnötige Nebenwirkungen und Antibiotikaresistenzen zu vermeiden.
Ebenso wird der Einsatz von Probiotika bei akuter wässriger Diarrhö nicht empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist der strikte Verzicht auf Antibiotika bei unkomplizierter, akuter wässriger Diarrhö. Es wird jedoch betont, dass bei blutigen Stühlen zwingend und unverzüglich antibiotisch behandelt werden muss, um schwere Verläufe zu verhindern.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird bei fehlender Pulsoxymetrie die Beurteilung spezifischer klinischer Zeichen empfohlen. Dazu gehören Kopfnicken, Nasenflügeln, Stöhnen oder eine schwere Tachypnoe.
Die Leitlinie empfiehlt eine Therapiedauer von 3 bis 5 Tagen. In Gebieten mit niedriger HIV-Prävalenz ist eine dreitägige Gabe in der Regel ausreichend.
Es wird eine tägliche Dosis von 5 mg oralem Zink für bis zu 14 Tage vorgeschlagen. Diese niedrigere Dosis zeigt eine gute Wirksamkeit bei einem geringeren Risiko für Erbrechen.
Die Leitlinie spricht sich gegen den Einsatz von Probiotika bei akuter wässriger Diarrhö aus. Für persistierende Diarrhö gibt es aufgrund von Wissenslücken derzeit keine Empfehlung.
Als Erstlinientherapie wird Ciprofloxacin empfohlen. Bei Unverträglichkeiten oder unbekannter lokaler Resistenzlage kann Ceftriaxon als Zweitlinientherapie eingesetzt werden.
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Quelle: Guideline on management of pneumonia and diarrhoea in children up to 10 years of age (WHO, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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