Pneumokokken-Impfung: Indikation und Impfschemata 2024
Hintergrund
Diese Zusammenfassung basiert auf den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (Stand 2024).
Pneumokokken-Erkrankungen, die durch das Bakterium Streptococcus pneumoniae ausgelöst werden, können zu schweren klinischen Verläufen wie Pneumonie, Meningitis und Sepsis führen. Eine prophylaktische Impfung ist eine zentrale Maßnahme, um vulnerable Personengruppen vor diesen potenziell lebensbedrohlichen Infektionen zu schützen.
Die STIKO definiert hierfür spezifische Zielgruppen und Impfschemata, um eine optimale Immunisierung zu gewährleisten. Dabei wird zwischen Standardimpfungen für bestimmte Altersgruppen und Indikationsimpfungen für Risikopatienten unterschieden.
Klinischer Kontext
Epidemiologie: Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) gehören weltweit zu den häufigsten Erregern bakterieller Atemwegsinfektionen und invasiver Erkrankungen. Besonders gefährdet sind Säuglinge, Kleinkinder, ältere Menschen sowie immungeschwächte Personen. Pathophysiologie: Die grampositiven Diplokokken besiedeln oft asymptomatisch den Nasenrachenraum und können bei lokaler Ausbreitung oder systemischer Streuung pathologisch werden. Ihre Polysaccharidkapsel ist der wichtigste Virulenzfaktor, da sie die Phagozytose durch das Immunsystem hemmt. Klinische Bedeutung: Infektionen reichen von Otitis media und Sinusitis bis hin zu lebensbedrohlichen invasiven Pneumokokken-Erkrankungen (IPE) wie schwerer Pneumonie, Meningitis und Sepsis. Eine schnelle Erkennung und kalkulierte Antibiose sind entscheidend, um die hohe Letalität der invasiven Verläufe zu senken. Diagnostische Grundlagen: Die Diagnose erfolgt klinisch und wird durch den direkten Erregernachweis mittels Kultur aus Blut, Liquor oder Sputum gesichert. Ergänzend können Antigentests im Urin oder Liquor sowie PCR-Verfahren zur schnellen Identifikation eingesetzt werden.
Wissenswertes
Pneumokokken sind die häufigste Ursache für ambulant erworbene bakterielle Pneumonien sowie für Otitis media und Sinusitis. Bei systemischer Streuung können sie schwere invasive Erkrankungen wie Meningitis und Sepsis auslösen.
Die Übertragung geschieht hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion beim Husten oder Niesen sowie durch direkten Kontakt mit kontaminierten Sekreten. Eine asymptomatische Besiedlung des Nasenrachenraums dient dabei als wichtiges Reservoir für die Verbreitung in der Bevölkerung.
Ein hohes Alter, Immunsuppression, Asplenie sowie chronische Herz- oder Lungenerkrankungen erhöhen das Risiko für einen schweren Verlauf deutlich. Auch Virusinfektionen wie Influenza können als Schrittmacher für eine bakterielle Superinfektion durch Pneumokokken wirken.
Bei unkomplizierten Infektionen werden häufig Aminopenicilline oder Makrolide eingesetzt. Bei schweren oder invasiven Verläufen kommen oft Cephalosporine der dritten Generation zum Einsatz, wobei lokale Resistenzmuster stets berücksichtigt werden müssen.
Der Goldstandard ist die Lumbalpunktion mit anschließender Liquordiagnostik, die typischerweise eine eitrige Pleozytose und einen positiven Erregernachweis in der Kultur zeigt. Vor Beginn der antibiotischen Therapie sollten zudem immer Blutkulturen abgenommen werden.
Die Kapsel schützt das Bakterium vor der Phagozytose durch Makrophagen und ist somit der entscheidende Virulenzfaktor. Zudem definieren die unterschiedlichen Kapselstrukturen die über 90 bekannten Serotypen, was für die spezifische Immunantwort von großer Bedeutung ist.
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💡Praxis-Tipp
Ein wichtiger Aspekt im klinischen Alltag ist die sequenzielle Impfung bei Risikopatienten. Es wird empfohlen, streng auf die korrekte Reihenfolge zu achten: Zuerst erfolgt die Immunisierung mit dem Konjugatimpfstoff (PCV13/15), bevor nach einem Intervall von 6 bis 12 Monaten der Polysaccharidimpfstoff (PPSV23) verabreicht wird. Zudem wird darauf hingewiesen, dass eine stattgehabte Pneumokokken-Infektion keine Kontraindikation darstellt, sondern die Impfung auch in diesem Fall indiziert ist.
Häufig gestellte Fragen
Die STIKO empfiehlt für Säuglinge ein 2+1-Schema mit den Konjugatimpfstoffen PCV13 oder PCV15. Die Impfdosen werden im 2., 4. und 11. Lebensmonat verabreicht.
Für gesunde Erwachsene ab einem Alter von 60 Jahren wird laut STIKO eine einmalige Impfung empfohlen. Hierfür kommt der Polysaccharidimpfstoff PPSV23 zum Einsatz.
Die sequenzielle Impfung ist für Risikopersonen, wie beispielsweise Immunsupprimierte oder Patienten mit Asplenie, indiziert. Dabei wird zunächst ein PCV-Impfstoff gegeben und nach 6 bis 12 Monaten mit dem PPSV23-Impfstoff ergänzt.
Eine generelle Auffrischung ist für gesunde Senioren nicht vorgesehen. Bei Risikopersonen sollte jedoch laut Leitlinie eine Wiederholungsimpfung mit PPSV23 nach 6 Jahren erwogen werden.
Ja, die Leitlinie empfiehlt die Impfung ausdrücklich auch bei einem Zustand nach einer bereits durchgemachten Pneumokokken-Erkrankung.
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Quelle: STIKO: Pneumokokken (RKI/STIKO, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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