Pertuzumab: Neoadjuvante Therapie bei Mammakarzinom
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A15-34 bewertet den Zusatznutzen von Pertuzumab in Kombination mit Trastuzumab und Chemotherapie. Das Anwendungsgebiet umfasst die neoadjuvante Behandlung von erwachsenen Patientinnen mit HER2-positivem, lokal fortgeschrittenem, entzündlichem oder frühem Brustkrebs mit hohem Rezidivrisiko.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde ein Schema aus Trastuzumab, einem Taxan (Docetaxel oder Paclitaxel) und gegebenenfalls einem Anthrazyklin festgelegt. Die Bewertung basiert maßgeblich auf der offenen, randomisierten Phase-II-Studie NeoSphere.
In dieser Studie wurde die Kombination von Pertuzumab, Trastuzumab und Docetaxel mit der Gabe von Trastuzumab und Docetaxel verglichen. Die Übertragbarkeit der Studienergebnisse auf den deutschen Versorgungskontext wird vom IQWiG jedoch als eingeschränkt bewertet.
Empfehlungen
Das IQWiG kommt in seiner Dossierbewertung zu folgenden zentralen Ergebnissen bezüglich des Zusatznutzens.
Mortalität und Morbidität
Für den Endpunkt Gesamtmortalität zeigt sich laut Bericht kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen. Ein Zusatznutzen ist in diesem Bereich folglich nicht belegt.
Auch für die Endpunkte Rezidivrate und krankheitsfreies Überleben lässt sich kein statistisch signifikanter Vorteil ableiten. Gleiches gilt für die Rate an brusterhaltenden Operationen.
Unerwünschte Ereignisse und Lebensqualität
Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurde in der eingeschlossenen Studie nicht untersucht. Bei den schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (SUE) und schweren Nebenwirkungen (CTCAE-Grad ≥ 3) ergaben sich keine signifikanten Unterschiede.
Es zeigte sich jedoch ein statistisch signifikanter Unterschied zuungunsten der Pertuzumab-Kombination beim Endpunkt Therapieabbruch wegen unerwünschter Ereignisse. Hierbei handelte es sich laut Bewertung häufig um kardiale Ereignisse.
Gesamtaussage zum Zusatznutzen
In der Gesamtschau leitet das IQWiG folgende Bewertung ab:
-
Es besteht ein Anhaltspunkt für einen höheren Schaden im Bereich der Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen.
-
Für Mortalität, Morbidität und weitere Nebenwirkungen ist ein Zusatznutzen nicht belegt.
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Zusammenfassend ergibt sich ein Anhaltspunkt für einen geringeren Nutzen von Pertuzumab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie.
Dosierung
Der Bericht dokumentiert die in der NeoSphere-Studie verwendeten Dosierungen für die neoadjuvante Behandlungsphase (Zyklus 1 bis 4, alle 3 Wochen).
| Wirkstoff | Initialdosis (Zyklus 1) | Erhaltungsdosis (Zyklus 2-4) |
|---|---|---|
| Pertuzumab | 840 mg i.v. | 420 mg i.v. |
| Trastuzumab | 8 mg/kg i.v. | 6 mg/kg i.v. |
| Docetaxel | 75 mg/m2 i.v. | 100 mg/m2 i.v. |
In der adjuvanten Phase erhielten die Patientinnen Trastuzumab (6 mg/kg) teilweise parallel zu einem FEC-Regime (5-Fluorouracil 600 mg/m2, Epirubicin 90 mg/m2, Cyclophosphamid 600 mg/m2). Das IQWiG weist darauf hin, dass die simultane Gabe von Trastuzumab und Anthrazyklinen in Leitlinien aufgrund kardialer Risiken nicht empfohlen wird.
Kontraindikationen
Der Bericht warnt vor einem erhöhten Risiko für kardiale Nebenwirkungen, insbesondere bei der simultanen Gabe von Trastuzumab und Anthrazyklinen.
Es wird eine engmaschige Überwachung der kardialen Funktionen (linksventrikuläre Auswurffraktion, LVEF) vor und während der Therapie gefordert. Bei einem Abfall der LVEF unter 40 Prozent oder Symptomen einer Herzinsuffizienz muss die Therapie unterbrochen werden.
Schwere Überempfindlichkeitsreaktionen oder Anaphylaxie erfordern einen sofortigen Abbruch der Infusion. Pertuzumab wird in der Schwangerschaft nicht empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis des IQWiG-Berichts ist die kritische Bewertung der Studienmethodik hinsichtlich der Chemotherapie-Gabe. Die in der Studie durchgeführte Aufteilung der Chemotherapie in einen neoadjuvanten und einen adjuvanten Teil sowie die simultane Gabe von Trastuzumab und Anthrazyklinen weichen von gängigen Leitlinienempfehlungen ab. Dies schränkt die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den deutschen Versorgungsalltag stark ein.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bewertung ist ein Zusatznutzen für Pertuzumab in der neoadjuvanten Therapie nicht belegt. Es ergibt sich stattdessen ein Anhaltspunkt für einen geringeren Nutzen aufgrund vermehrter Therapieabbrüche durch Nebenwirkungen.
Der Bericht zeigt, dass Therapieabbrüche im Pertuzumab-Arm signifikant häufiger auftraten. Diese Abbrüche waren in der untersuchten Studie überwiegend auf kardiale Ereignisse zurückzuführen.
Das IQWiG stuft die pCR in dieser Bewertung als Surrogatendpunkt unklarer Validität ein. Aktuelle Meta-Analysen zeigen laut Bericht, dass die pCR derzeit nicht als valider Surrogatendpunkt für die Gesamtmortalität angesehen werden kann.
Die Initialdosis beträgt gemäß den Studiendaten 840 mg intravenös. In den folgenden Zyklen wird eine Erhaltungsdosis von 420 mg alle drei Wochen verabreicht.
Der Bericht weist darauf hin, dass Leitlinien von einer simultanen Gabe von Trastuzumab und Anthrazyklinen abraten. Grund dafür ist das deutlich erhöhte Risiko für kardiotoxische Nebenwirkungen.
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Quelle: IQWiG A15-34: Pertuzumab (neues Anwendungsgebiet) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (Dossierbewertung) (IQWiG, 2015). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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