Periprothetische Gelenkinfektion (PJI): Diagnostik

Diese Leitlinie stammt aus 2019 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AAOS (2019)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Periprothetische Gelenkinfektionen (PJI) stellen eine schwerwiegende Komplikation nach dem Einsatz von Gelenkendoprothesen dar. Eine frühzeitige und präzise Diagnostik ist entscheidend, um den Erhalt der Prothese und die Mobilität zu sichern.

Diese Zusammenfassung basiert auf dem Abstract der Leitlinie der American Academy of Orthopaedic Surgeons (AAOS) zur Diagnose und Prävention der PJI. Die Leitlinie fasst die verfügbare Literatur zusammen, um Chirurgen und andere qualifizierte Ärzte bei der Behandlung zu unterstützen.

Klinischer Kontext

Epidemiologie: Periprothetische Gelenkinfektionen treten bei etwa ein bis zwei Prozent aller primären Endoprothesen auf, wobei die Raten bei Revisionsoperationen deutlich höher liegen. Besonders gefährdet sind Patienten mit Komorbiditäten wie Diabetes mellitus, Adipositas oder immunsuppressiven Erkrankungen. Pathophysiologie: Die Pathogenese wird maßgeblich durch die Bildung eines bakteriellen Biofilms auf der Implantatoberfläche bestimmt. Dieser Biofilm schützt die Erreger vor dem körpereigenen Immunsystem und vermindert die Wirksamkeit systemischer Antibiotika drastisch. Klinische Bedeutung: Für behandelnde Ärzte stellt die Infektion eine schwerwiegende Komplikation dar, die oft mehrfache chirurgische Eingriffe und lange Hospitalisierungszeiten erfordert. Ein rasches Erkennen ist essenziell, um den Erhalt der Prothese zu ermöglichen und die Morbidität der Patienten zu minimieren. Diagnostische Grundlagen: Die Diagnostik stützt sich auf eine Kombination aus klinischen Zeichen, laborchemischen Entzündungsparametern im Serum und der Analyse von Gelenkpunktat. Der direkte Erregernachweis durch mikrobiologische Kulturen oder molekularbiologische Verfahren aus Gewebeproben sichert die Diagnose abschließend.

Wissenswertes

Die häufigsten Auslöser sind koagulase-negative Staphylokokken wie Staphylococcus epidermidis sowie Staphylococcus aureus. Seltener finden sich gramnegative Bakterien, Enterokokken oder Pilze als Ursache der Infektion.

Frühinfektionen treten innerhalb der ersten Wochen nach der Operation auf und sind meist durch hochvirulente Erreger mit akuten Entzündungszeichen gekennzeichnet. Spätinfektionen manifestieren sich oft Monate bis Jahre später, verlaufen schleichend und werden häufig durch niedrigvirulente Keime verursacht.

Die Gelenkpunktion ist ein zentraler diagnostischer Schritt zur Gewinnung von Synovialflüssigkeit vor Beginn einer Antibiotikatherapie. Die Bestimmung der Zellzahl, des Anteils polymorphkerniger Leukozyten und die mikrobiologische Kultur sind entscheidend für die Diagnosestellung.

Der zweizeitige Wechsel gilt als Goldstandard bei chronischen Infektionen mit etabliertem Biofilm oder wenn der Erreger unbekannt beziehungsweise schwer zu behandeln ist. Hierbei wird die infizierte Prothese entfernt, ein antibiotikahaltiger Platzhalter eingesetzt und die Neuimplantation erst nach Sanierung der Infektion durchgeführt.

Eine perioperative intravenöse Antibiotikaprophylaxe, typischerweise mit einem Cephalosporin der ersten oder zweiten Generation, ist obligatorisch. Zudem sind die Optimierung von Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus und eine konsequente präoperative Hautantisepsis essenziell.

Das C-reaktive Protein (CRP) ist ein wichtiger, aber unspezifischer Suchtest, der bei akuten Infektionen meist deutlich erhöht ist. Bei chronischen oder durch niedrigvirulente Erreger verursachten Infektionen kann das CRP jedoch auch im Normbereich liegen.

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💡Praxis-Tipp

Ein wichtiger Praxis-Hinweis der Leitlinie betrifft die intraoperative Diagnostik: Während histopathologische Gewebeproben bei der Diagnosestellung einer PJI hilfreich sind, wird von der Verwendung von Gram-Färbungen abgeraten, da diese keinen diagnostischen Mehrwert bieten. Zudem betont die Leitlinie die strikte Notwendigkeit einer zweiwöchigen Antibiotikapause vor der Probenentnahme, um falsch-negative Befunde zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie sollten zur Diagnostik einer PJI die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), das C-reaktive Protein (CRP) und/oder Interleukin-6 (IL-6) im Serum bestimmt werden.

Die Leitlinie empfiehlt, eine bestehende Antibiotikatherapie für zwei Wochen vor der Entnahme von diagnostischen Proben auszusetzen. Dies verhindert falsch-negative Kulturergebnisse.

Gemäß der AAOS-Leitlinie helfen intraoperative Gram-Färbungen bei der Diagnose einer PJI nicht weiter. Stattdessen wird die Entnahme von histopathologischen Proben empfohlen.

Die Leitlinie identifiziert Adipositas sowie vorangegangene intraartikuläre Gelenkinjektionen als Faktoren, die mit einem erhöhten Risiko für eine PJI assoziiert sind.

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Quelle: AAOS/ADA Clinical Practice Guideline: Diagnosis and Prevention of Periprosthetic Joint Infections (AAOS, 2019). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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