Periprothetische Gelenkinfektion: Diagnostik & Therapie
Hintergrund
Die AAOS-Leitlinie aus dem Jahr 2019 befasst sich mit der Prävention und Diagnostik von periprothetischen Gelenkinfektionen (PJI) bei Erwachsenen. Der Fokus liegt dabei auf primären Hüft- und Kniegelenkersatzoperationen.
Periprothetische Infektionen stellen eine schwerwiegende Komplikation dar, die mit einer erhöhten Mortalität und Morbidität einhergeht. Das Dokument zielt darauf ab, durch evidenzbasierte Strategien das Infektionsrisiko zu minimieren und die diagnostische Genauigkeit zu verbessern.
Die formulierten Empfehlungen bewerten verschiedene prä-, intra- und postoperative Maßnahmen. Die Behandlung einer bereits bestätigten PJI ist ausdrücklich nicht Gegenstand dieses Dokuments.
Klinischer Kontext
Epidemiologie: Periprothetische Gelenkinfektionen (PJI) treten bei etwa ein bis zwei Prozent der primären Endoprothesen und bei bis zu fünf Prozent der Revisionsoperationen auf. Sie stellen eine der häufigsten Ursachen für das Versagen von Gelenkersatz dar und belasten das Gesundheitssystem erheblich. Pathophysiologie: Die Pathogenese wird maßgeblich durch die Bildung von Biofilmen auf der Implantatoberfläche bestimmt. Bakterien wie Staphylokokken heften sich an das Fremdmaterial, produzieren eine extrazelluläre Matrix und entziehen sich so der Immunabwehr sowie der Wirkung vieler Antibiotika. Klinische Bedeutung: Eine frühzeitige Erkennung ist entscheidend, da eine verzögerte Therapie oft zum Verlust des Implantats und zu dauerhaften Funktionseinschränkungen führt. Die komplexe Behandlung erfordert in der Regel eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Orthopädie und Infektiologie. Diagnostische Grundlagen: Die Diagnostik stützt sich auf eine Kombination aus klinischen Zeichen, Entzündungsparametern im Serum und der Analyse der Synovialflüssigkeit. Die mikrobiologische Kultur sowie histopathologische Untersuchungen von periprothetischem Gewebe sichern die Diagnose ab.
Wissenswertes
Koagulase-negative Staphylokokken und Staphylococcus aureus sind die mit Abstand häufigsten Auslöser einer PJI. Seltener finden sich Streptokokken, Enterokokken oder gramnegative Stäbchenbakterien.
Die Differenzierung ist klinisch oft schwierig, da beide Entitäten schleichend mit Schmerzen einhergehen. Eine Gelenkpunktion mit Bestimmung der Zellzahl und Anlage von mikrobiologischen Kulturen ist hierbei der wichtigste diagnostische Schritt.
Die Sonikation von ausgebauten Implantatteilen dient der Ablösung von Biofilmen durch Ultraschall. Dies erhöht die Sensitivität der mikrobiologischen Diagnostik deutlich, insbesondere bei Patienten mit vorheriger Antibiotikatherapie.
Ein einzeitiger Wechsel kann bei bekannten, gut sensiblen Erregern und intakten Weichteilverhältnissen erwogen werden. Voraussetzung ist zudem ein immunkompetenter Patient ohne schwere systemische Sepsis.
Die Gesamtdauer der antimikrobiellen Therapie erstreckt sich meist über mehrere Wochen und wird oft in eine initiale intravenöse und eine anschließende orale Phase unterteilt. Die genaue Dauer hängt vom chirurgischen Konzept und dem nachgewiesenen Erreger ab.
DAIR steht für Debridement, Antibiotics and Implant Retention und wird bei akuten Frühinfektionen oder akuten hämatogenen Infektionen angewendet. Ziel ist der Erhalt der Prothese durch eine rasche chirurgische Spülung und gezielte Antibiotikagabe.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Bei Verdacht auf eine periprothetische Gelenkinfektion wird dringend empfohlen, mit der empirischen Antibiotikagabe zu warten, bis intraartikuläre Kulturen entnommen wurden, um die Erregerdiagnostik nicht zu verfälschen.
Häufig gestellte Fragen
Zur präoperativen Diagnostik wird die Bestimmung von Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), C-reaktivem Protein (CRP) und Interleukin-6 im Serum empfohlen. Von der Bestimmung der peripheren Leukozytenzahl oder des TNF-alpha wird hingegen abgeraten.
Es wird empfohlen, die Verabreichung von antimikrobiellen Mitteln zu vermeiden, bis entsprechende Kulturen entnommen wurden. Dies sichert eine zuverlässige Diagnosestellung und Erregeridentifikation.
Die Verwendung eines intraoperativen Gram-Präparats zum sicheren Ausschluss einer periprothetischen Gelenkinfektion wird nicht empfohlen. Die Evidenz spricht gegen den klinischen Nutzen für diesen spezifischen Zweck.
Es wird die universelle Anwendung von Chlorhexidin-Tüchern zur präoperativen Dekolonisation empfohlen. Bei bekannten MRSA-Trägern stellt die nasale Dekolonisation mit Mupirocin eine sinnvolle Ergänzung dar.
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Quelle: Periprosthetic Joint Infections (IDSA, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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