Pembrolizumab bei Urothelkarzinom: Erstlinientherapie
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bewertet den Zusatznutzen von Pembrolizumab als Erstlinientherapie. Das Anwendungsgebiet umfasst Erwachsene mit lokal fortgeschrittenem oder metastasierendem Urothelkarzinom, die für eine cisplatinbasierte Therapie ungeeignet sind und deren Tumoren PD-L1 mit einem kombinierten positiven Score (CPS) ≥ 10 exprimieren.
Eine erneute Nutzenbewertung wurde durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse ausgelöst. Interimsergebnisse der noch laufenden KEYNOTE-361-Studie zeigten ein verringertes Überleben unter Pembrolizumab bei Patienten mit einer PD-L1-Expression von CPS < 10. Dies führte zu einer Einschränkung der Zulassung durch die EU-Kommission auf Patienten mit einem CPS ≥ 10.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie legte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) eine Chemotherapie nach Maßgabe des Arztes fest. Der pharmazeutische Unternehmer wählte für sein Dossier die Kombination aus Carboplatin und Gemcitabin als Vergleichstherapie.
Empfehlungen
Das IQWiG kommt bei der Bewertung der vorgelegten Evidenz zu folgenden Ergebnissen:
Bewertungsgrundlage
Der pharmazeutische Unternehmer legte für die Bewertung einen Vergleich einzelner Studienarme vor. Dabei wurden Daten der einarmigen Studie KEYNOTE-052 zu Pembrolizumab historischen Daten zu Carboplatin und Gemcitabin aus anderen Studien gegenübergestellt. Eine randomisiert-kontrollierte Studie (RCT) zum direkten Vergleich wurde nicht herangezogen.
Zusatznutzen
Laut IQWiG ist die vorgelegte Datenlage lückenhaft und nicht geeignet, um einen Zusatznutzen abzuleiten. Die beobachteten Effekte in den Überlebenszeiten sind nicht ausreichend groß, um Verzerrungen sicher auszuschließen.
Das Institut formuliert folgende Kernfolgerungen:
-
Ein Zusatznutzen von Pembrolizumab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie ist nicht belegt.
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Die vorläufigen Ergebnisse der laufenden RCT KEYNOTE-361 bekräftigen die fehlende Eignung der vorgelegten einarmigen Daten.
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Für eine fundierte Bewertung müssen aussagekräftige Ergebnisse der KEYNOTE-361-Studie zu allen patientenrelevanten Endpunkten abgewartet werden.
Epidemiologie und Kosten
Der Bericht liefert zudem Einschätzungen zur Versorgungssituation:
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Die Zielpopulation in der gesetzlichen Krankenversicherung wird auf 243 bis 424 Patienten geschätzt, wobei das IQWiG von einer methodischen Unterschätzung ausgeht.
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Die Jahrestherapiekosten für Pembrolizumab belaufen sich auf rund 105.305 Euro pro Patient.
Dosierung
Der IQWiG-Bericht zitiert folgende Dosierungsangaben aus der Fachinformation:
| Medikament | Dosis | Applikationsintervall |
|---|---|---|
| Pembrolizumab | 200 mg | Alle 3 Wochen |
Die Behandlung wird bis zum Fortschreiten der Krebserkrankung oder bis zum Auftreten unzumutbarer Toxizität fortgeführt. Patienten ohne Krankheitsprogress können laut Fachinformation bis zu 24 Monate behandelt werden.
Kontraindikationen
Der Bericht verweist auf folgende sicherheitsrelevante Aspekte der Fachinformation:
-
Es wird eine engmaschige Beobachtung auf immunvermittelte Nebenwirkungen und infusionsbedingte Reaktionen gefordert.
-
Eine systemische Anwendung von Kortikosteroiden oder Immunsuppressiva vor Therapiebeginn sollte vermieden werden, da dies die Wirksamkeit von Pembrolizumab beeinträchtigen kann.
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Nach Beginn der Therapie können Kortikosteroide zur Behandlung aufgetretener immunvermittelter Nebenwirkungen eingesetzt werden.
💡Praxis-Tipp
Der IQWiG-Bericht weist darauf hin, dass unter Pembrolizumab ein atypisches Ansprechen mit anfänglichem Tumorwachstum (Pseudoprogression) auftreten kann. Es wird empfohlen, klinisch stabile Patienten bei einem initialen Befund eines Krankheitsprogresses bis zur radiologischen Bestätigung des Fortschreitens weiterzubehandeln.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ist Pembrolizumab für Erwachsene mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom zugelassen, die Cisplatin-ungeeignet sind und deren Tumoren einen PD-L1 CPS ≥ 10 aufweisen.
Die Einschränkung erfolgte aufgrund von Interimsergebnissen der KEYNOTE-361-Studie. Diese zeigten laut Bericht ein verringertes Überleben unter Pembrolizumab bei Patienten mit einer PD-L1-Expression von CPS < 10.
Das IQWiG bewertet den Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie als nicht belegt. Die vom Hersteller vorgelegten Daten aus einarmigen Studien wurden als nicht ausreichend aussagekräftig eingestuft.
Die reinen Arzneimittelkosten für die Monotherapie mit Pembrolizumab belaufen sich laut IQWiG-Dossierbewertung auf rund 103.757 Euro pro Patient und Jahr. Inklusive weiterer Leistungen ergeben sich Jahrestherapiekosten von etwa 105.305 Euro.
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Quelle: IQWiG A18-89: Pembrolizumab (Urothelkarzinom, Erstlinie) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (neue wissenschaftliche Erkenntnisse) (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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