Patientenerfahrung Pädiatrie: Kommunikation & Teilhabe
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie NG204 befasst sich mit der Optimierung der Patientenerfahrung von Babys, Kindern und Jugendlichen im Gesundheitswesen. Historisch wurde diese Zielgruppe oft als passive Empfänger medizinischer Leistungen betrachtet.
Eine positive Erfahrung im Gesundheitssystem stärkt das Vertrauen der jungen Patienten. Dies kann die Angst vor zukünftigen Behandlungen reduzieren und den Umgang mit der eigenen Erkrankung verbessern.
Die Empfehlungen richten sich an alle medizinischen Fachkräfte und umfassen Aspekte wie Kommunikation, Entscheidungsfindung und die Gestaltung der Behandlungsumgebung. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche als Individuen mit einem Leben außerhalb ihrer Diagnose zu behandeln.
Empfehlungen
Die NICE-Leitlinie NG204 formuliert Kernempfehlungen zur altersgerechten Einbindung junger Patienten. Die Kommunikation ist stets an das Alter, den Entwicklungsstand und das Verständnis des Kindes oder Jugendlichen anzupassen.
Kommunikation und Informationsvermittlung
Präferenzen bezüglich der Ansprache, wie der bevorzugte Name und Pronomen, sollen aktiv erfragt werden. Bei der Informationsvermittlung stehen folgende Aspekte im Vordergrund:
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Nutzung bevorzugter Kommunikationswege, einschließlich nonverbaler Methoden oder Hilfsmittel wie Bildtafeln.
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Bereitstellung von Informationen in leicht verständlicher Sprache ohne medizinischen Fachjargon.
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Regelmäßige Überprüfung des Verständnisses, beispielsweise durch die Bitte, das Erklärte in eigenen Worten zu wiederholen.
Entscheidungsfindung und Einwilligung
Kinder und Jugendliche sind frühzeitig in Entscheidungen über ihre Gesundheitsversorgung einzubeziehen. Jugendliche ab 16 Jahren gelten in der Regel als einwilligungsfähig, sofern nicht anders beurteilt.
Bei Kindern unter 16 Jahren wird die Prüfung der sogenannten Gillick-Kompetenz angeraten. Damit lässt sich feststellen, ob sie die Tragweite einer Behandlung ausreichend verstehen.
Für den Prozess der Entscheidungsfindung gelten folgende Grundsätze:
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Aufklärung über Risiken und Nutzen in einem angemessenen Tempo, gegebenenfalls in mehreren Etappen.
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Angebot an Kinder und Jugendliche, vertrauliche Gespräche ohne die Anwesenheit der Eltern oder Betreuer zu führen.
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Bereitstellung von unabhängigen Fürsprechern (Advocates), falls Eltern die Interessen nicht ausreichend vertreten können.
Gestaltung der Behandlungsumgebung
Die klinische Umgebung muss altersgerecht und zugänglich gestaltet sein. Behandlungsbereiche sind räumlich von Spiel- und Erholungsbereichen zu trennen.
Zur Reduktion von Ängsten und Schmerzen werden verschiedene Ansätze hervorgehoben:
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Einsatz von therapeutischem Spiel und Ablenkungstechniken vor und während schmerzhafter Eingriffe.
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Vermeidung von Sprache, die das Schmerzempfinden des Kindes minimiert oder abwertet.
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Sicherstellung einer leichten Identifizierbarkeit des Personals, da Schutzkleidung auf Kinder beängstigend wirken kann.
Kontinuität und Alltag
Die Kontinuität der Versorgung wird durch den Einsatz derselben Fachkräfte oder Teams gefördert. Kinder und Eltern sollen ihre Krankheitsgeschichte nicht unnötig wiederholen müssen.
Zudem ist der gewohnte Alltag der jungen Patienten so weit wie möglich aufrechtzuerhalten. Dies schließt die Koordination mit Bildungs- und Sozialeinrichtungen sowie den Zugang zu kostenlosem WLAN im stationären Bereich ein.
💡Praxis-Tipp
Es wird davor gewarnt, das Schmerzempfinden von Kindern durch verharmlosende Sprache (wie "Das tut gar nicht weh") abzuwerten, da dies das Vertrauen in das medizinische Personal nachhaltig stören kann.
Häufig gestellte Fragen
Jugendliche ab 16 Jahren gelten grundsätzlich als einwilligungsfähig und können eigene Gesundheitsentscheidungen treffen. Bei jüngeren Kindern wird die individuelle Reife anhand der sogenannten Gillick-Kompetenz beurteilt.
Es wird der Einsatz von therapeutischem Spiel und Ablenkungstechniken empfohlen. Zudem hilft eine ehrliche Aufklärung über mögliche Schmerzen und die strikte Vermeidung von verharmlosender Sprache.
Ja, Kindern und Jugendlichen soll die Möglichkeit geboten werden, vertrauliche Gespräche ohne die Anwesenheit ihrer Eltern oder Betreuer zu führen. Dies fördert die Eigenständigkeit und eine offene Kommunikation.
Die Gillick-Kompetenz ist ein Konzept zur Beurteilung, ob ein Kind unter 16 Jahren über ausreichendes Verständnis und Intelligenz verfügt, um die Tragweite einer medizinischen Behandlung vollständig zu erfassen. Wenn diese Kompetenz vorliegt, kann das Kind selbst in die Behandlung einwilligen.
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Quelle: NG204: Babies, children and young people's experience of healthcare (NICE, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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