Patellafraktur: Diagnostik, Therapie und Nachbehandlung
Hintergrund
Die AWMF-Leitlinie behandelt die Diagnostik und Therapie der Patellafraktur bei Erwachsenen. Diese Verletzung macht etwa ein Prozent aller Skelettverletzungen aus und betrifft häufig Personen zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr.
Als typische Unfallmechanismen werden direkte Traumata, wie die Anprallverletzung am Armaturenbrett, oder indirekte Traumata durch plötzliche Kniebeugung bei kontrahiertem Musculus quadriceps femoris beschrieben.
Die Patella fungiert als größtes Sesambein des Körpers und verstärkt die Muskelkraft des Streckapparates um circa 30 Prozent. Eine exakte anatomische Rekonstruktion ist laut Leitlinie entscheidend, um Folgeschäden wie eine retropatellare Arthrose zu vermeiden.
Klinischer Kontext
Die Patellafraktur macht etwa ein Prozent aller Skelettfrakturen aus und betrifft vorwiegend Erwachsene im Alter zwischen 20 und 50 Jahren sowie ältere Menschen. Sie entsteht meist durch ein direktes Trauma, wie einen Sturz auf das gebeugte Knie oder ein Anpralltrauma, seltener durch indirekte Krafteinwirkung bei plötzlicher, starker Kontraktion des Musculus quadriceps femoris.
Pathophysiologisch führt die Fraktur häufig zu einer Unterbrechung des Streckapparates des Kniegelenks, was die aktive Knieextension unmöglich macht. Die klinische Bedeutung liegt in der Notwendigkeit, die Gelenkfläche anatomisch zu rekonstruieren, um eine posttraumatische Retropatellararthrose zu verhindern und die volle Funktion des Streckapparates wiederherzustellen.
Diagnostisch stehen die klinische Untersuchung mit Prüfung der aktiven Streckfähigkeit sowie konventionelle Röntgenaufnahmen in zwei bis drei Ebenen im Vordergrund. Bei komplexen Trümmerfrakturen wird die Diagnostik häufig durch eine Computertomographie ergänzt, um das genaue Ausmaß der Gelenkflächenbeteiligung zu erfassen.
Wissenswertes
Eine konservative Therapie kommt in der Regel bei undislozierten Frakturen mit intaktem Streckapparat in Betracht. Voraussetzung ist, dass der Patient das Bein aktiv gestreckt anheben kann und die Gelenkstufenbildung minimal ist.
Standardmäßig werden Röntgenaufnahmen des Kniegelenks im anterior-posterioren und lateralen Strahlengang angefertigt. Eine zusätzliche tangentiale Patellaaufnahme kann hilfreich sein, um Längsfrakturen oder kleine osteochondrale Fragmente zu beurteilen.
Eine Computertomographie wird häufig bei komplexen Mehrfragment- oder Trümmerfrakturen der Patella angeordnet. Sie dient der genauen präoperativen Planung, um die Gelenkflächenbeteiligung und die Fragmentdislokation exakt beurteilen zu können.
Die klassische operative Versorgung erfolgt häufig mittels Zuggurtungsosteosynthese, oft in Kombination mit Kirschner-Drähten oder Schrauben. Bei komplexen Trümmerfrakturen kommen zunehmend winkelstabile Plattenosteosynthesen zum Einsatz, um eine frühfunktionelle Nachbehandlung zu ermöglichen.
Zu den häufigsten postoperativen Komplikationen zählen Materialirritationen, die oft eine Materialentfernung erforderlich machen. Zudem besteht das Risiko für Bewegungseinschränkungen, Infektionen, Pseudarthrosen und langfristig für eine posttraumatische Retropatellararthrose.
Nach einer stabilen Zuggurtungsosteosynthese wird meist eine frühfunktionelle Mobilisation angestrebt, um Gelenksteifen zu vermeiden. Die Belastung und der erlaubte Beugewinkel werden dabei schrittweise an die Knochenheilung und die Stabilität der Osteosynthese angepasst.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, das Ausmaß von Mehrfragment- und Trümmerfrakturen im konventionellen Röntgenbild zu unterschätzen. Es wird betont, dass besonders die Mitbeteiligung des distalen Pols oft übersehen wird, weshalb in diesen Fällen eine CT-Diagnostik entscheidend für die Operationsplanung ist. Zudem wird darauf hingewiesen, dass eine alleinige Äquatorialcerclage ohne signifikanten Nutzen im Vergleich zur Zuggurtungs-Osteosynthese ist.
Häufig gestellte Fragen
Eine konservative Therapie ist laut Leitlinie möglich, wenn die aktive Streck-Hebefähigkeit erhalten ist und keine relevante Dislokation oder Gelenkstufe von 2 mm oder mehr vorliegt. Dies betrifft meist unverschobene Längs-, Stern- oder Querfrakturen.
Als Standard wird ein Röntgen des Kniegelenks in zwei Ebenen empfohlen. Bei komplexen Trümmerfrakturen oder unklaren Frakturausläufern rät die Leitlinie zu einer ergänzenden CT-Untersuchung.
Die Leitlinie stellt klar, dass ein MRT zur primären Frakturdiagnostik nicht erforderlich ist. Es wird nur ausnahmsweise zum Ausschluss von Stressfrakturen oder begleitenden Knorpel- und Bandverletzungen eingesetzt.
Ziel ist eine übungsstabile Osteosynthese, wofür häufig Zuggurtungs-, Schrauben- oder Plattenosteosynthesen genutzt werden. Winkelstabile anteriore Platten zeigen laut Leitlinie biomechanische Vorteile hinsichtlich der Versagenslast.
Eine Patellektomie wird in der Leitlinie als reine Rettungsoperation eingestuft. Sie sollte eine absolute Ausnahme bleiben, wenn die Gelenkfläche unfallbedingt komplett zerstört und nicht rekonstruierbar ist.
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Quelle: Patellafraktur (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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