SIGN2026

Partizipative Entscheidungsfindung (SDM): Kommunikation

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: SIGN (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die partizipative Entscheidungsfindung (Shared Decision Making, SDM) ist ein kollaborativer Prozess. Dabei arbeiten medizinische Fachkräfte und Leistungsempfänger zusammen, um gemeinsame Entscheidungen über die Behandlung zu treffen.

Dieser Ansatz berücksichtigt sowohl die klinische Evidenz als auch die individuellen Präferenzen, Überzeugungen und Werte der betroffenen Person. Die NICE-Leitlinie NG197 bietet strukturierte Vorgaben, um diesen Prozess in den klinischen Alltag und die Organisationskultur zu integrieren.

Ein zentrales Ziel ist es sicherzustellen, dass die Risiken, Vorteile und möglichen Konsequenzen verschiedener Optionen verständlich kommuniziert werden. Dies schließt laut Leitlinie immer auch die Option ein, keine Behandlung durchzuführen oder den aktuellen Zustand nicht zu verändern.

Empfehlungen

Die NICE-Leitlinie NG197 formuliert folgende Kernempfehlungen zur partizipativen Entscheidungsfindung:

Organisatorische Verankerung

Es wird empfohlen, eine Führungskraft auf oberster Ebene für die Implementierung von Shared Decision Making verantwortlich zu machen. Zusätzlich wird die Ernennung eines Patientendirektors sowie von SDM-Champions aus dem medizinischen Personal nahegelegt.

Die Leitlinie rät zur Entwicklung eines organisationsweiten Verbesserungsplans. Dieser sollte Schulungen für das Personal umfassen, die praktische Übungen wie Rollenspiele beinhalten.

Vor dem Gespräch

Laut Leitlinie wird empfohlen, Personen bereits vor einem Gespräch Zugang zu Informationsmaterialien im bevorzugten Format anzubieten. Dies soll helfen, eigene Prioritäten und Fragen im Vorfeld zu formulieren.

Für Personen mit besonderem Unterstützungsbedarf wird die Organisation von zusätzlicher Hilfe empfohlen. Dies kann durch Pflegekräfte, Sozialarbeiter oder Dolmetscher erfolgen.

Während des Gesprächs

Es wird empfohlen, zu Beginn jedes Gesprächs gemeinsam eine Agenda festzulegen und die Dauer der Unterhaltung zu klären. Die medizinische Fachkraft sollte sicherstellen, dass die Person den Grad ihrer gewünschten Beteiligung selbst bestimmen kann.

Die Leitlinie empfiehlt für die Informationsvermittlung folgende Techniken:

  • Chunk and Check: Informationen in kleinen, handhabbaren Abschnitten vermitteln.

  • Teach Back: Das Verständnis überprüfen, indem die Person das Besprochene in eigenen Worten wiedergibt.

  • Offene Diskussion: Risiken, Vorteile und die Option des Nichtstuns transparent ansprechen.

Risikokommunikation

Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer personalisierten und verständlichen Darstellung von Risiken und Nutzen. Dabei wird der Einsatz von Entscheidungshilfen (Patient Decision Aids) oder grafischen Darstellungen wie Piktogrammen empfohlen.

Für die Kommunikation von numerischen Daten formuliert die Leitlinie klare Vorgaben zur Gegenüberstellung:

Empfohlene MethodeZu vermeidende MethodeBeispiel laut Leitlinie
Absolute RisikenRelative RisikenAnstieg von 1 auf 2 von 1.000 (statt Risiko verdoppelt sich)
Natürliche HäufigkeitenProzentangaben10 von 100 (statt 10 %)
Gleicher NennerUnterschiedliche Nenner7 von 100 vs. 20 von 100 (statt 1 von 14 vs. 1 von 5)
Positives & negatives FramingEinseitige Darstellung97 von 100 erfolgreich, 3 von 100 nicht erfolgreich

Nach dem Gespräch

Es wird empfohlen, den Personen Materialien mitzugeben, die die Diagnose, die Optionen und die getroffenen Entscheidungen zusammenfassen. Klinische Briefe sollten gemäß Leitlinie direkt an die behandelte Person adressiert werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler in der Risikokommunikation ist die alleinige Nennung relativer Risiken, da diese irreführend wirken können. Die Leitlinie betont nachdrücklich, dass stattdessen immer absolute Risiken und natürliche Häufigkeiten (z. B. 10 von 100 statt 10 %) verwendet werden sollten. Zudem wird darauf hingewiesen, dass die Option, keine Behandlung durchzuführen, in jedem Aufklärungsgespräch als valide Alternative präsentiert werden muss.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt die Verwendung von absoluten Risiken und natürlichen Häufigkeiten mit einem einheitlichen Nenner, wie etwa 7 von 100. Zudem wird geraten, sowohl positives als auch negatives Framing gleichzeitig zu nutzen und die Zahlen durch Piktogramme zu unterstützen.

Laut Leitlinie handelt es sich dabei um eine Technik zur Überprüfung des Verständnisses. Die behandelte Person wird gebeten, die erklärten Informationen in eigenen Worten wiederzugeben, um sicherzustellen, dass alles korrekt verstanden wurde.

Es wird empfohlen, aktiv nachzufragen, ob die Einbeziehung von Familienmitgliedern, Freunden oder Betreuern gewünscht ist. Diese können laut Leitlinie helfen, Informationen zu erinnern und die Präferenzen der Person besser zu kommunizieren.

Die Leitlinie rät dazu, nicht nur die getroffene Entscheidung in der Akte zu vermerken. Es wird empfohlen, auch explizit zu dokumentieren, welche persönlichen Werte und Prioritäten für die Person bei dieser Entscheidung ausschlaggebend waren.

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Quelle: SIGN: Shared decision making (NICE guideline NG197) (SIGN, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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