Palliativmedizin: Symptomkontrolle in der Sterbephase

Diese Leitlinie stammt aus 2015 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2015)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie NG31 befasst sich mit der klinischen Versorgung von Erwachsenen in den letzten zwei bis drei Lebenstagen. Ziel ist es, die Palliativversorgung durch respektvolle Kommunikation, gemeinsame Entscheidungsfindung sowie den Erhalt von Komfort und Würde zu verbessern.

Ein zentraler Aspekt ist die evidenzbasierte Abkehr von starren Behandlungspfaden hin zu einer individualisierten Betreuung. Die Leitlinie richtet sich an medizinisches Fachpersonal in der Primärversorgung, in Pflegeheimen, Hospizen und Krankenhäusern.

Es wird betont, dass der Sterbeprozess individuell sehr unterschiedlich verläuft. Die Empfehlungen gelten für alle Menschen am Lebensende, unabhängig davon, ob sie bei Bewusstsein oder bewusstlos sind.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die Versorgung in den letzten Lebenstagen:

Erkennung der Sterbephase

Es wird empfohlen, auf klinische Zeichen wie Agitation, Cheyne-Stokes-Atmung, Bewusstseinsveränderungen, marmorierte Haut und rasselnde Atmung zu achten.

Die Leitlinie rät davon ab, Untersuchungen durchzuführen, die die Versorgung in den letzten Lebenstagen wahrscheinlich nicht beeinflussen.

Bei hoher Unsicherheit bezüglich der Prognose wird empfohlen, Rat bei erfahrenen Kollegen einzuholen.

Kommunikation und Entscheidungsfindung

Laut Leitlinie soll die Prognose mit der sterbenden Person besprochen werden, sobald erkannt wird, dass sie sich in den letzten Lebenstagen befindet, sofern sie dies wünscht.

Es wird die Erstellung eines individualisierten Pflegeplans empfohlen.

Dieser Plan sollte persönliche Ziele, den bevorzugten Pflegeort sowie Präferenzen zur Symptomlinderung umfassen.

Hydratation

Die Leitlinie empfiehlt, sterbende Personen beim Trinken zu unterstützen, sofern sie dies wünschen und dazu in der Lage sind.

Zudem wird eine regelmäßige Mund- und Lippenpflege empfohlen.

Ein therapeutischer Versuch mit klinisch assistierter Hydratation kann laut Leitlinie erwogen werden, wenn belastende Symptome wie Durst oder Delir vorliegen und die orale Flüssigkeitsaufnahme unzureichend ist.

Pharmakologische Symptomkontrolle

Es wird empfohlen, die aktuelle Medikation zu überprüfen und Medikamente abzusetzen, die keinen symptomatischen Nutzen bieten oder schaden könnten.

Für Personen, die keine oralen Medikamente einnehmen können, wird die subkutane oder intravenöse Gabe empfohlen.

Bei mehr als zwei bis drei Bedarfsmedikationen innerhalb von 24 Stunden sollte der Einsatz einer Spritzenpumpe zur kontinuierlichen Symptomkontrolle erwogen werden.

Vorausschauende Verschreibung (Anticipatory Prescribing)

Es wird ein individualisierter Ansatz für die vorausschauende Verschreibung von Medikamenten zur Symptomkontrolle empfohlen.

Die Leitlinie betont, dass geeignete Medikamente und Verabreichungswege so früh wie möglich verordnet werden sollten.

Dosierung

Die Leitlinie nennt spezifische pharmakologische Optionen für häufige Symptome am Lebensende (Hinweis: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 2015 handelte es sich hierbei teilweise um Off-Label-Use).

SymptomEmpfohlene Wirkstoffklasse / MedikamentAnmerkung
AtemnotOpioid und/oder BenzodiazepinSauerstoff nur bei symptomatischer Hypoxämie
Übelkeit/Erbrechen (bei obstruktiven Darmerkrankungen)HyoscinbutylbromidFirst-Line-Therapie
Übelkeit/Erbrechen (bei obstruktiven Darmerkrankungen)OctreotidWenn nach 24h keine Besserung durch Hyoscinbutylbromid
Angst oder AgitationBenzodiazepinTherapieversuch
Delir oder AgitationAntipsychotikumTherapieversuch
Rasselatmung (noisy respiratory secretions)Atropin, Glycopyrroniumbromid, Hyoscinbutylbromid oder HyoscinhydrobromidTherapieversuch bei starker Belastung

Kontraindikationen

Die Leitlinie rät von routinemäßigen Sauerstoffgaben zur Behandlung von Atemnot ab, es sei denn, es liegt eine bekannte oder klinisch vermutete symptomatische Hypoxämie vor.

Zudem wird von intramuskulären Injektionen zur Medikamentengabe in den letzten Lebenstagen abgeraten.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt davor, dass Agitation isoliert auftreten kann, aber oft mit ungelinderten Symptomen oder körperlichen Bedürfnissen wie Schmerzen, einer vollen Blase oder einem vollen Rektum zusammenhängt. Es wird daher empfohlen, vor dem Einsatz von Sedativa stets nach reversiblen Ursachen für Unruhezustände zu suchen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie deuten klinische Zeichen wie Agitation, Cheyne-Stokes-Atmung, Bewusstseinsveränderungen, marmorierte Haut und rasselnde Atmung auf die Sterbephase hin. Es wird empfohlen, diese Zeichen im klinischen Gesamtbild zu bewerten.

Die Leitlinie empfiehlt einen individuellen Ansatz, bei dem ein therapeutischer Versuch mit klinisch assistierter Hydratation erwogen werden kann, wenn belastende Symptome wie Durst oder Delir vorliegen. Es wird betont, dass unklar ist, ob dies das Leben verlängert oder den Sterbeprozess beeinflusst.

Es wird empfohlen, zunächst nicht-pharmakologische Maßnahmen zu prüfen und Angehörige darüber aufzuklären, dass das Geräusch für den Sterbenden meist nicht schmerzhaft ist. Bei starker Belastung nennt die Leitlinie einen Therapieversuch mit Anticholinergika wie Hyoscinbutylbromid oder Glycopyrroniumbromid.

Die Leitlinie empfiehlt zur medikamentösen Linderung von Atemnot den Einsatz von Opioiden, Benzodiazepinen oder einer Kombination aus beiden. Von einer routinemäßigen Sauerstoffgabe ohne nachgewiesene Hypoxämie wird abgeraten.

Gemäß der Leitlinie sollte der Einsatz einer Spritzenpumpe zur kontinuierlichen Symptomkontrolle erwogen werden, wenn innerhalb von 24 Stunden mehr als zwei bis drei Dosen einer Bedarfsmedikation verabreicht wurden.

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Quelle: NICE Guideline on Care of Dying Adults (NICE, 2015). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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