Oyavas (Bevacizumab): Dosierung, Indikation & Therapie
Hintergrund
Oyavas enthält den Wirkstoff Bevacizumab, einen rekombinanten humanisierten monoklonalen Antikörper. Dieser wird mittels DNA-Technologie aus Ovarialzellen des chinesischen Hamsters (CHO-Zellen) gewonnen.
Der Wirkmechanismus beruht auf der Bindung an den Gefäßwachstumsfaktor VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor). Durch die Neutralisierung der biologischen Aktivität von VEGF wird die Vaskularisierung von Tumoren reduziert, das vorhandene Tumorgefäßsystem normalisiert und die Bildung neuer Tumorgefäße gehemmt.
Das Arzneimittel wird in Kombination mit verschiedenen Chemotherapien oder zielgerichteten Therapien zur Behandlung diverser solider Tumoren eingesetzt. Zu den zugelassenen Indikationen gehören unter anderem das metastasierte Kolorektalkarzinom, das Mammakarzinom, das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom sowie Ovarial- und Zervixkarzinome.
Empfehlungen
Laut der Fachinformation (PEI) gelten für die Anwendung von Oyavas folgende Kernempfehlungen:
Indikationsstellung
Das Arzneimittel wird für verschiedene onkologische Indikationen in Kombination mit spezifischen Chemotherapien empfohlen. Die Anwendung muss stets unter Aufsicht eines in der antineoplastischen Therapie erfahrenen Arztes erfolgen.
Vor Beginn einer Behandlung des nicht-kleinzelligen Nicht-Plattenepithel-Bronchialkarzinoms in Kombination mit Erlotinib wird ein Test auf EGFR-Mutationen mit einer validierten Methode empfohlen.
Art der Anwendung
Die Leitlinie formuliert klare Vorgaben zur Infusionsgeschwindigkeit:
-
Die initiale Dosis wird über einen Zeitraum von 90 Minuten als intravenöse Infusion appliziert.
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Bei guter Verträglichkeit der ersten Infusion kann die zweite Gabe über 60 Minuten erfolgen.
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Wenn auch diese gut vertragen wird, können alle folgenden Infusionen über 30 Minuten verabreicht werden.
Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Medikament nicht als intravenöse Druck- oder Bolusinjektion angewendet werden darf.
Monitoring und Überwachung
Während der Therapie wird eine engmaschige Überwachung verschiedener Parameter empfohlen:
-
Der Blutdruck sollte generell überwacht werden, da die Inzidenz von Hypertonie dosisabhängig erhöht ist.
-
Vor Beginn und im Verlauf der Behandlung wird die Überwachung des Proteins im Urin mittels Urin-Teststreifen empfohlen.
-
Patienten sollten hinsichtlich klinischer Zeichen und Symptome von ZNS-Blutungen sowie gastrointestinalen Perforationen beobachtet werden.
Dosierung
Die Dosierung erfolgt körpergewichtsadaptiert als intravenöse Infusion. Eine Dosisreduktion aufgrund von Nebenwirkungen wird nicht empfohlen; stattdessen sollte die Therapie zeitweilig ausgesetzt oder dauerhaft abgesetzt werden.
| Indikation | Dosierung | Applikationsintervall |
|---|---|---|
| Metastasiertes Kolorektalkarzinom | 5 mg/kg oder 10 mg/kg | Alle 2 Wochen |
| Metastasiertes Kolorektalkarzinom (Alternativ) | 7,5 mg/kg oder 15 mg/kg | Alle 3 Wochen |
| Metastasiertes Mammakarzinom | 10 mg/kg | Alle 2 Wochen |
| Metastasiertes Mammakarzinom (Alternativ) | 15 mg/kg | Alle 3 Wochen |
| Nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom (NSCLC) | 7,5 mg/kg oder 15 mg/kg | Alle 3 Wochen |
| Fortgeschrittenes Nierenzellkarzinom | 10 mg/kg | Alle 2 Wochen |
| Ovarial-, Eileiter-, Peritonealkarzinom (Primär/sensitiv) | 15 mg/kg | Alle 3 Wochen |
| Platinresistentes Ovarialkarzinom-Rezidiv | 10 mg/kg | Alle 2 Wochen |
| Platinresistentes Ovarialkarzinom-Rezidiv (mit Topotecan) | 15 mg/kg | Alle 3 Wochen |
| Zervixkarzinom | 15 mg/kg | Alle 3 Wochen |
Kontraindikationen
Die Fachinformation nennt folgende absolute Kontraindikationen:
-
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile (z. B. Polysorbat 20).
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Überempfindlichkeit gegen CHO-Zellprodukte oder andere rekombinante humane/humanisierte Antikörper.
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Schwangerschaft.
Zudem bestehen strenge Warnhinweise, die ein dauerhaftes Absetzen erfordern bei:
-
Magen-Darm-Perforation oder gastrointestinal-vaginalen Fisteln.
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Wundheilungsstörungen (Therapiepause bis zur völligen Abheilung).
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Hypertensiver Krise oder hypertensiver Enzephalopathie.
-
Posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom (PRES).
-
Nephrotischem Syndrom (Grad-4-Proteinurie).
-
Arteriellen thromboembolischen Ereignissen.
-
Blutungen des Grades 3 oder 4.
💡Praxis-Tipp
Laut Fachinformation darf eine Therapie mit Oyavas frühestens 28 Tage nach einem größeren operativen Eingriff oder erst nach völliger Abheilung der Operationswunde begonnen werden. Bei elektiven Eingriffen wird ein vorheriges Absetzen der Therapie empfohlen. Es wird darauf hingewiesen, dass Bevacizumab die Wundheilung stark beeinträchtigen und zu schweren Komplikationen an Anastomosen mit potenziell tödlichem Ausgang führen kann.
Häufig gestellte Fragen
Laut Herstellerangaben wird die erste Infusion über 90 Minuten verabreicht. Bei guter Verträglichkeit kann die zweite Infusion über 60 Minuten und alle folgenden über 30 Minuten erfolgen. Eine Bolusgabe wird ausdrücklich nicht empfohlen.
Die Fachinformation gibt an, dass bei Patienten ab 65 Jahren keine Dosisanpassung erforderlich ist. Es wird jedoch auf ein erhöhtes Risiko für arterielle Thromboembolien in dieser Altersgruppe hingewiesen.
Es wird empfohlen, eine vorbestehende Hypertonie vor Therapiebeginn angemessen einzustellen und den Blutdruck während der gesamten Behandlung zu überwachen. Bei unkontrollierbaren hypertensiven Krisen ist das Medikament dauerhaft abzusetzen.
Die Fachinformation warnt ausdrücklich davor, Oyavas mit Glucoselösungen zu mischen oder zusammen zu applizieren. Es wird ein konzentrationsabhängiges Abbauprofil von Bevacizumab in 5%igen Glucoselösungen beschrieben.
Es wird empfohlen, dass Frauen im gebärfähigen Alter während der Behandlung und bis zu 6 Monate nach der letzten Dosis eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Das Medikament ist während der Schwangerschaft kontraindiziert.
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Quelle: Oyavas, ein monoklonaler Antikörper zur Behandlung bestimmter Krebsarten, mit ungarischer Beschriftung in Deutschland verfügbar (PEI, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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