Osteoporose: Risikobewertung mit FRAX und QFracture
Hintergrund
Osteoporose ist durch eine geringe Knochenmasse und eine strukturelle Verschlechterung des Knochengewebes gekennzeichnet. Dies führt zu einer erhöhten Knochenfragilität und einer deutlichen Anfälligkeit für Frakturen, insbesondere bei geringer Krafteinwirkung (Fragilitätsfrakturen).
Mit steigender Lebenserwartung nimmt die Prävalenz der Osteoporose in der Bevölkerung signifikant zu. Hüft- und Wirbelkörperfrakturen sind dabei mit einer verringerten Lebenserwartung, erheblichen Schmerzen und starken Einschränkungen der Lebensqualität verbunden.
Die NICE-Leitlinie CG146 fokussiert sich auf die Identifikation von Personen, die von einer präventiven Behandlung profitieren könnten. Hierfür wird der gezielte Einsatz von validierten Risikobewertungsinstrumenten im klinischen Alltag empfohlen.
Empfehlungen
Indikation zur Risikobewertung
Die Leitlinie empfiehlt eine routinemäßige Bewertung des Frakturrisikos bei allen Frauen ab 65 Jahren und allen Männern ab 75 Jahren.
Bei jüngeren Personen (Frauen unter 65, Männer unter 75) sollte eine Einschätzung nur bei Vorliegen spezifischer Risikofaktoren erfolgen. Zu diesen Risikofaktoren zählen laut Leitlinie:
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Vorherige Fragilitätsfrakturen oder Stürze in der Anamnese
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Aktuelle oder kürzliche Einnahme von oralen oder systemischen Glukokortikoiden
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Familiäre Vorbelastung für Hüftfrakturen
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Sekundäre Osteoporose-Ursachen (z. B. endokrine, gastrointestinale oder rheumatologische Erkrankungen)
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Niedriger Body-Mass-Index (unter 18,5 kg/m²)
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Rauchen oder ein Alkoholkonsum von mehr als 14 Einheiten pro Woche
Bei Personen unter 50 Jahren wird von einer routinemäßigen Risikobewertung abgeraten, es sei denn, es liegen schwerwiegende Risikofaktoren wie eine unbehandelte vorzeitige Menopause vor.
Auswahl der Bewertungsinstrumente
Zur Einschätzung des absoluten 10-Jahres-Frakturrisikos wird die Nutzung der Tools FRAX (zunächst ohne Knochendichtemessung) oder QFracture empfohlen.
| Instrument | Zugelassene Altersgruppe | Integration von Knochendichtewerten (BMD) |
|---|---|---|
| FRAX | 40 bis 90 Jahre | Ja (optional) |
| QFracture | 30 bis 84 Jahre | Nein |
Bei Personen, die das obere Alterslimit der Instrumente überschreiten, wird empfohlen, diese grundsätzlich als Personen mit hohem Risiko einzustufen. Bei über 80-Jährigen ist zudem zu beachten, dass das berechnete 10-Jahres-Risiko das kurzfristige Frakturrisiko unterschätzen kann.
Einsatz der Knochendichtemessung (DXA)
Die Leitlinie rät davon ab, die Knochendichte (BMD) routinemäßig ohne vorherige Risikobewertung durch FRAX oder QFracture zu messen.
Eine DXA-Messung wird empfohlen, wenn sich das berechnete Risiko im Bereich der Interventionsschwelle für eine geplante Therapie befindet. In diesem Fall sollte das Risiko anschließend mit dem FRAX-Tool unter Einbezug des BMD-Wertes neu berechnet werden.
Zudem wird eine DXA-Messung vor Beginn von Therapien empfohlen, die einen schnellen negativen Effekt auf die Knochendichte haben, wie beispielsweise Hormonentzugstherapien bei Brust- oder Prostatakrebs.
Reevaluation und Limitationen
Eine Neuberechnung des Frakturrisikos wird nach mindestens zwei Jahren empfohlen, wenn das ursprüngliche Risiko nahe der Interventionsschwelle lag, oder sobald sich die klinischen Risikofaktoren ändern.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Tools das Risiko in bestimmten Fällen unterschätzen können. Dies gilt insbesondere bei:
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Multiplen Frakturen oder früheren Wirbelkörperfrakturen
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Hohem Alkoholkonsum
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Hochdosierter Glukokortikoidtherapie (mehr als 7,5 mg Prednisolon-Äquivalent pro Tag für mindestens 3 Monate)
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Einnahme knochenstoffwechselstörender Medikamente (z. B. SSRI, PPI, Antikonvulsiva)
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die sofortige Anordnung einer Knochendichtemessung (DXA) ohne vorherige klinische Risikoeinschätzung. Die Leitlinie betont ausdrücklich, dass eine DXA-Messung nicht routinemäßig erfolgen sollte, bevor das Risiko nicht initial mit Tools wie FRAX oder QFracture bewertet wurde. Zudem wird davor gewarnt, dass diese Algorithmen das tatsächliche Frakturrisiko bei Personen mit hochdosierter Glukokortikoidtherapie oder multiplen Vorfrakturen systematisch unterschätzen können.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird eine routinemäßige Bewertung des Frakturrisikos bei allen Frauen ab 65 Jahren und Männern ab 75 Jahren empfohlen. Bei jüngeren Personen sollte eine Einschätzung nur bei Vorliegen spezifischer Risikofaktoren erfolgen.
Die Leitlinie empfiehlt beide Instrumente als gleichwertig zur Berechnung des absoluten 10-Jahres-Frakturrisikos. Die Wahl hängt unter anderem vom Alter ab, da FRAX für Personen von 40 bis 90 Jahren und QFracture für 30 bis 84 Jahre validiert ist.
Es wird empfohlen, eine Knochendichtemessung durchzuführen, wenn das klinisch berechnete Risiko nahe der Interventionsschwelle für eine Therapie liegt. Zudem ist sie vor Beginn knochenschädigender Therapien, wie etwa einem medikamentösen Hormonentzug, indiziert.
Eine Neuberechnung wird empfohlen, wenn sich die klinischen Risikofaktoren der Person ändern. Lag das initiale Risiko knapp unter der Interventionsschwelle, sollte eine erneute Evaluation nach frühestens zwei Jahren erfolgen.
Die Leitlinie warnt davor, dass die Tools das Risiko bei Personen mit multiplen Vorfrakturen, hohem Alkoholkonsum oder hochdosierter Glukokortikoidtherapie unterschätzen können. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente wie SSRI oder PPI wird in den Algorithmen nicht vollständig abgebildet.
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Quelle: NICE Guideline on Osteoporosis (NICE, 2017). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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