Olaparib bei Ovarialkarzinom: Therapie und HRD-Status
Hintergrund
Die IQWiG-Nutzenbewertung aus dem Jahr 2023 untersucht den Wirkstoff Olaparib in Kombination mit Bevacizumab. Das Anwendungsgebiet umfasst die Erstlinien-Erhaltungstherapie bei erwachsenen Patientinnen mit fortgeschrittenem (FIGO-Stadien III und IV) high-grade epithelialem Ovarialkarzinom, Eileiterkarzinom oder primärem Peritonealkarzinom.
Voraussetzung für die Therapie ist ein Ansprechen auf eine platinbasierte Erstlinienchemotherapie in Kombination mit Bevacizumab. Zudem muss der Tumor mit einem positiven Status der homologen Rekombinationsdefizienz (HRD) assoziiert sein.
Ein positiver HRD-Status ist dabei definiert durch eine Mutation in den Brustkrebs-Suszeptibilitäts-Genen 1 oder 2 (BRCA 1/2) und/oder eine genomische Instabilität. Die Bewertung basiert maßgeblich auf den Daten der PAOLA-1-Studie.
Empfehlungen
Zusatznutzen nach Therapieansprechen
Das IQWiG differenziert den Zusatznutzen nach dem Ergebnis der Erstlinientherapie. Bei Patientinnen ohne Tumor nach Primäroperation (NED [PDS]) oder mit Komplettremission nach Chemotherapie (NED/CR [Chemo]) zeigt sich ein Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen.
Dieser Vorteil begründet sich laut Bewertung vor allem durch einen erheblichen Zusatznutzen beim Gesamtüberleben. Demgegenüber stehen negative Effekte bei Nebenwirkungen und Symptomatik, die den positiven Effekt jedoch nicht vollständig infrage stellen.
Geringerer Nutzen bei Intervalloperation
Für Patientinnen mit vollständigem Ansprechen nach Intervalloperation (NED/CR [IDS]) sowie Patientinnen mit partiellem Ansprechen (PR) wird ein Hinweis auf einen geringeren Nutzen abgeleitet.
In dieser Subgruppe zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied beim Gesamtüberleben. Gleichzeitig gibt es Hinweise auf negative Effekte in den Bereichen gesundheitsbezogene Lebensqualität und Nebenwirkungen.
Nebenwirkungsprofil
Die Bewertung identifiziert in der Gesamtschau spezifische Risiken der Kombinationstherapie. Es zeigen sich unter anderem folgende negative Effekte im Vergleich zur alleinigen Bevacizumab-Gabe:
-
Hinweis auf einen höheren Schaden durch Anämie (schwere unerwünschte Ereignisse)
-
Hinweis auf einen höheren Schaden durch Übelkeit
-
Anhaltspunkt für einen höheren Schaden durch Therapieabbrüche wegen unerwünschter Ereignisse
Dosierung
Der Quelltext nennt folgende Dosierungsempfehlungen für die Kombinationstherapie:
| Wirkstoff | Dosis | Häufigkeit | Therapiedauer |
|---|---|---|---|
| Olaparib | 300 mg (2x 150 mg) | 2-mal täglich | Bis zu 2 Jahre (länger bei klinischem Nutzen) |
| Bevacizumab | 15 mg/kg | Alle 3 Wochen | Maximal 15 Monate (inkl. Chemotherapie-Phase) |
Bei mäßig eingeschränkter Nierenfunktion wird eine Dosisreduktion von Olaparib auf 200 mg (2-mal täglich) beschrieben. Bei älteren Personen ist keine Dosisanpassung erforderlich.
Kontraindikationen
Laut Dokument bestehen Gegenanzeigen bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff sowie beim Stillen. Die Anwendung während der Schwangerschaft wird nicht empfohlen.
Für Patientinnen mit stark eingeschränkter Nierenfunktion, terminaler Niereninsuffizienz oder schwerer Leberfunktionseinschränkung wird Olaparib nicht empfohlen.
Es wird vor der gleichzeitigen Anwendung von starken oder moderaten CYP3A-Inhibitoren sowie CYP3A-Induktoren gewarnt. Bei Auftreten eines myelodysplastischen Syndroms, einer akuten myeloischen Leukämie oder einer Pneumonitis wird ein Therapieabbruch beschrieben.
💡Praxis-Tipp
Die Nutzenbewertung verdeutlicht, dass der klinische Nutzen von Olaparib plus Bevacizumab stark vom Zeitpunkt der Tumorfreiheit abhängt. Während Patientinnen mit primärer R0-Resektion deutlich im Gesamtüberleben profitieren, zeigt sich bei Patientinnen mit Intervalloperation oder nur partiellem Ansprechen ein negativer Nettonutzen durch die Toxizität. Es wird daher eine strenge Indikationsstellung anhand des operativen und chemotherapeutischen Ansprechens nahegelegt.
Häufig gestellte Fragen
Ein positiver HRD-Status ist laut Dokument entweder durch eine pathogene BRCA 1/2-Mutation und/oder durch genomische Instabilität definiert. Der Nachweis muss vor Therapiebeginn mittels einer validierten Testmethode erfolgen.
Die Behandlung wird in der Regel für bis zu 2 Jahre fortgeführt, sofern die Erkrankung dann radiologisch nicht nachweisbar ist. Bei fortbestehendem klinischem Nutzen kann die Therapie laut Fachinformation auch über 2 Jahre hinaus erfolgen.
Die Bewertung weist auf ein erhöhtes Risiko für schwere Anämien hin. Es wird eine Untersuchung des großen Blutbilds bei Behandlungsbeginn sowie eine monatliche Kontrolle in den ersten 12 Monaten beschrieben.
Bei einer mäßig eingeschränkten Nierenfunktion wird eine Dosisreduktion auf 2-mal täglich 200 mg beschrieben. Bei starker Einschränkung oder terminaler Niereninsuffizienz wird die Anwendung nicht empfohlen.
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Quelle: IQWiG A22-117: Olaparib (Ovarialkarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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