Ohrmuschel-Nervenblockade: Indikation und Technik
Hintergrund
Die StatPearls-Zusammenfassung (2024) beschreibt die periphere Nervenblockade des Außenohrs als sichere und gut verträgliche Methode zur Schmerzausschaltung. In Notaufnahmen stellen sich häufig Personen mit Verletzungen, Fremdkörpern oder abszedierenden Befunden am Ohr vor.
Da direkte Injektionen in die Ohrmuschel sehr schmerzhaft sind und prozedurale Sedierungen Risiken bergen, bietet die Regionalanästhesie eine schonende Alternative. Die komplexe Innervation des Ohres erfordert dabei genaue anatomische Kenntnisse der beteiligten Hirn- und Zervikalnerven.
Empfehlungen
Indikationen
Die Leitlinie nennt verschiedene Szenarien, in denen eine Nervenblockade des Außenohrs empfohlen wird:
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Analgesie für eine gründlichere klinische Untersuchung
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Inzision, Drainage und Tamponade eines Othämatoms oder Abszesses
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Versorgung von Lazerationen und Entfernung von Fremdkörpern
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Therapie des Red-Ear-Syndroms und der Neuralgie des N. auricularis magnus
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Vorliegen von Kontraindikationen für eine Allgemeinanästhesie oder prozedurale Sedierung
Anatomische Grundlagen
Für eine erfolgreiche Blockade ist das Verständnis der sensiblen Versorgung essenziell. Die Leitlinie beschreibt folgende anatomische Zuordnungen:
| Nerv | Ursprung | Sensorisches Versorgungsgebiet |
|---|---|---|
| N. auricularis magnus | Plexus cervicalis (C2, C3) | Helix, Concha, Lobulus, Antihelix, Antitragus, Tragus, Ohrmuschelrückseite |
| N. occipitalis minor | Plexus cervicalis (C2, C3) | Ohrmuschelrückseite |
| N. auriculotemporalis | N. mandibularis (V3) | Superomediale Helix (Crus und Spina) |
| R. auricularis (N. vagus) | N. vagus (X) | Concha, Antihelix, Antitragus, Tragus, Ohrmuschelrückseite |
Durchführung und Techniken
Es wird empfohlen, die Punktionsstellen großflächig zu desinfizieren. Bei der Verwendung von 2%igem Chlorhexidin wird eine vollständige Trocknung vor dem Eingriff angeraten.
Die Leitlinie beschreibt primär zwei Zugangswege:
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Ringblock: Subkutane Injektionen in V-Form oberhalb und unterhalb der Ohrmuschel. Diese Technik betäubt Concha und Gehörgang oft nur unvollständig.
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Ultraschallgesteuerte Blockade: Gezielte Darstellung des N. auricularis magnus und N. occipitalis minor am Hinterrand des M. sternocleidomastoideus. Dies reduziert das benötigte Anästhetikum und vermeidet Gefäßverletzungen.
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende spezifische Dosierungen und Volumina für die verschiedenen Blockadetechniken:
| Medikament / Technik | Konzentration | Empfohlenes Volumen |
|---|---|---|
| Bupivacain | 0.5 % | Je nach Technik |
| Lidocain | 1.0 % | Je nach Technik |
| Ringblock (gesamt) | - | 10-12 mL |
| Ultraschall-Block (N. auricularis magnus) | - | 1-2 mL |
| N. auriculotemporalis-Block | - | 1-2 mL |
Kontraindikationen
Die Leitlinie definiert folgende Kontraindikationen für die periphere Nervenblockade am Ohr:
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Bekannte Allergie gegen das Lokalanästhetikum (absolute Kontraindikation)
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Fehlende Kooperation der zu behandelnden Person (absolute Kontraindikation)
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Koagulopathie (relative Kontraindikation)
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Zellulitis oder Erythem über der Einstichstelle wegen der Gefahr einer Infektionsverschleppung (relative Kontraindikation)
Zudem wird auf mögliche Komplikationen wie Blutungen, Hämatome, systemische Toxizität und eine vorübergehende Fazialisparese durch Diffusion des Anästhetikums hingewiesen.
💡Praxis-Tipp
Laut den Autoren gilt der Zusatz von Epinephrin zu Lokalanästhetika am Ohr historisch als kontraindiziert, wird aber in der aktuellen Literatur als sicher und ohne Risiko für ischämische Nekrosen bewertet. Zudem wird darauf hingewiesen, dass bei der Verwendung von Chlorhexidin ein Risiko für Keratitis und Ototoxizität besteht. Es sollte daher nur bei intaktem Trommelfell und streng periaurikulär angewendet werden.
Häufig gestellte Fragen
Das Außenohr wird hauptsächlich durch den N. auricularis magnus, N. occipitalis minor, N. auriculotemporalis und den R. auricularis des N. vagus innerviert. Die Leitlinie beschreibt eine komplexe und überlappende sensorische Versorgung dieser Bereiche.
Für einen vollständigen Ringblock werden laut StatPearls etwa 10 bis 12 mL Lokalanästhetikum benötigt. Die Injektion erfolgt in einem V-förmigen Muster oberhalb und unterhalb der Ohrmuschel.
Die Autoren betonen, dass der Zusatz von Epinephrin (Adrenalin) entgegen historischer Lehrmeinungen sicher ist. Es besteht demnach kein erhöhtes Risiko für eine ischämische Nekrose an der Ohrmuschel.
Zu den möglichen Komplikationen zählen laut Text Blutungen, Infektionen, Hämatome und systemische Toxizität. Zudem wird eine vorübergehende Fazialisparese durch Diffusion des Anästhetikums auf den N. facialis beschrieben.
Der klassische Ringblock betäubt das Außenohr oft nur unvollständig, insbesondere im Bereich der Concha und des äußeren Gehörgangs. Für eine vollständige Analgesie wird eine Kombination verschiedener gezielter Nervenblockaden empfohlen.
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Quelle: StatPearls: Peripheral Nerve Block of the External Ear (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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